17885 Tage

Solange ist es jetzt hier, plus/minus ein paar Tage wegen Schaltjahren und so, als ich meinen Dienst am Freitag dem 1. September 1972 am Bahnhof in Gensungen-Felsberg bei der deutschen Bundesbahn begonnen habe. Als Bundesbahnassistentenanwärter (nt) – das steht für „nichttechnischer Dienst“ – stelle ich mich als neuer Mitarbeiter meinem neuen Chef vor, Herrn Kranz, seines Zeichens grummeliger Bahnhofsvorsteher meines neuen Heimatbahnhofes. Zu meinen zukünftigen Aufgaben zählt es auch – morgens, wenn ich die Frühschicht in der Fahrkartenausgabe habe – vor seinem Eintreffen, den Ofen in seinem Büro soweit vorgeheizt zu haben, dass er es zu Dienstbeginn warm hat. Mit Papier und Kohlen.

Es waren lehrreiche Jahre in der Ausbildung, die mich fit gemacht haben für fast ein halbes Jahrhundert Bahnleben. Einen recht großen Anteil meiner Ausbildung, als auch meinem späteren Start danach, habe ich in der Blockstelle meines Wohnortes Wolfershausen verbracht. Früh/Spät/Nacht/Wochenende mit Ticketverkauf und Signale stellen. Für Eingeweihte: Es war die damalige KBS 520 Kassel – Frankfurt. Kürzere Wege zur Arbeit hatte ich nie wieder.

Ein Mann beim umlegen eines Signalhebels in einer Blockstelle der Bahn
Ich in der Blockstelle Wolfershausen – Foto: unknown

Ab heute kommen zu den 17885 Tagen noch 86 Tage dazu, bis mein Arbeitsleben bei der DB AG nach dann 49 Jahren und 4 Monaten endgültig zu Ende geht und einem neuen Lebensabschnitt Platz macht, dem Letzten. Offiziell Schluss ist eigentlich am 31.12.21 aber ich habe mir meinen Jahresurlaub so eingeteilt, das am 26.11. mein letzter Arbeitstag sein wird. Schon am nächsten Tag brechen wir – wenn alles gut geht – mit unserem Wohnmobil Richtung Spanien auf. Wir testen dann, ob es sich an den südlichen Gestaden Europas angenehmer überwintern lässt als im kalten Berlin. Wieviele Tage es am Ende in diesem letzten Lebensabschnitt noch werden, weiß nur das Schicksal, ich jedenfalls nicht und das ist auch gut so. Bis dahin wünsche ich mir und meiner Frau eine schöne, spannende und erlebnisreiche Zeit.

Der Landarzt

Das Cafe Lindauhof, früher Wohnort des Landarztes aus der gleichnameigen Serie

26 Jahre lang – von 1987 bis 2013 praktizierten zuerst Dr. Karsten Mattiesen, dann Dr. Ulrich „Uli“ Teschner und zum Schluss Dr. Jan Bergmann als Landärzte in der gleichnamigen ZDF Serie von Herbert Lichtenfeld. In 22 Staffeln und insgesamt 297 Folgen kurierten sie Wehwechen der Landbevölkerung rund um den fiktiven Ort Deekelsen. Der reale Ort, wo die Serie ihr zu Hause hatte, ist Kappeln an der Schlei und natürlich die ganze Gegend drumrum.

Bildergalerie der Schauspieler aus der Serie "Der Landarzt"
Bildergalerie – Foto: h|b

Wir waren 2013 bereits einmal dort und haben uns in Kappeln nach den Drehorten umgeschaut und natürlich auch welche gefunden. Diesmal hatte ich etwas Neues entdeckt – muss uns seinerzeit entgangen sein – das Cafe Lindauhof (Google Maps). Dieses schöne Cafe verspricht leckere selbstgemachte Kuchen und einen schön angelegten und riesigen Garten. Ein Fall für mein e-Bike und 22 Kilometer vom Campingplatz in Damp, wo wir ja im Mai das Glück hatten ein Plätzchen zu ergattern.

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Der große Gelbe

Gelbe Busse der BVG in Berlin

#gelbewoche

Unter dem Begriff fasst der Berliner (gibt’s den überhaupt, den Berliner?) die gelben Busse der BVG zusammen. Es gibt sie als Eindecker, sehr beliebt bei den Touristen sind aber die Doppeldecker (aber nur wenn man oben und in der ersten Reihe sitzen kann) und zwischenzeitlich gibt es ihn sogar als elektrische Version (sehr leise und sauber). Neben den Bussen sind auch die Straßenbahnen und U-Bahnen der BVG in Berlin gelb. So einmalig wie die roten Busse in London. Diese Ansammlung von stattlichen Exemplaren fand ich in der Nähe des Kulturforums. Der mit der 300 ist übrigens die neue Elektrolinie.

Pizza Corona

Pizzeria Portofino in Friedrichshain

Nach dem Ende des Sommers und der Urlaubs- und Ferienzeit, beginnt in Berlin, speziell in den Bezirken Friedrichshain, Neukölln und Mitte der Corona Inzidenzwert langsam wieder an zu steigen. Kreuzberg-Friedrichshain, der Bezirk in dem wir leben, erreicht rechtzeitig vor den Herbstferien die magischen 50 und gilt somit als Hotspot. Die deutschen Urlaubsregionen Nord- und Ostseeküste sind raus, da diese Länder keine Touristen aus diesen Gebieten einreisen lassen. Berlin setzt zwar noch durch gesamtheitlich betrachtet zu werden, aber das hilft nur kurzfristig, da die Zahlen in Gesamtberlin schnell den Wert von 50 überschreiten und schon ist Berlin wieder Hotspot. Nix mit Ferien.

Ausgehöhlter Kürbis liegt auf einem Stuhl
Kürbis – Foto: h|b
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Neuruppin #fontane.200

Theodor Fontane

Wir kennen jetzt das Süd- und Ostufer des Ruppiner Sees, haben Wustrau und Karwe und Radensleben durchstreift und schicken uns nun an, der alten Hauptstadt dieses Landesteiles unseren Besuch zu machen, der Stadt Ruppin selbst, die dem See, woran sie liegt, wie der ganzen Grafschaft den Namen gegeben hat“ schreibt Fontane weiter in seinen Wanderungen und erreicht damit auch den Ort, in dem er vor 200 Jahren geboren wurde. Für uns ist Neuruppin auch der Endpunkt für den Tag. Im Gegensatz zur Zeit Fontanes, ließ sich der Besuch von Wustrau, Karwe und Neuruppin prima an einem Tage organisieren und wir mussten dazu nicht mal früh aufstehen.

Figur Fontane in Schaufenster
Figur Fontane in Schaufenster – Foto: h|b

Karwe #fontane.200

Das Gut derer von Knesebeck

„Unser Weg führt uns heute nach Karwe“ schreibt Fontane in seinem Wanderungen, „Es liegt am Ostufer des Ruppiner Sees, und ein Wustrauer Fischer fährt uns in einer halben Stunde hinüber. Ein besonderer Schmuck des Sees an dieser Stelle ist sein dichter Schilfgürtel, der namentlich in Front des Karwer Parkes wie ein Wasserwald sich hinzieht und wohl mehrfach eine Breite von hundert Fuß und darüber haben mag.“

Blick über den Ruppiner See
Blick über den Ruppiner See – Foto: h|b

Wustrau #fontane.200

Steg in den See

Wir kommen in einem Boot über den See gefahren, legen an einer Wasserbrücke an und springen ans Ufer. Ein kurzer Weg, an Parkgrün und blühenden Linden vorbei, führt uns an den Eingang des Hauses.

Mit diesem Satz aus dem Buch „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ beschreibt Fontane die Ankunft im Örtchen Wustrau am Südende des Ruppiner Sees. Mit „dem Haus“ meint Fontane das Ende des 18. Jahrhunderts erbaute „Zietenschloss“. Heute dient es schön herausgeputzt als „Deutsche Richterakademie“ der Fortbildung von Richtern und Staatsanwälten. Es liegt idyllisch am See und kann nach Absprache auch besichtigt werden.

Zietenschloss
Zietenschloss – Foto: h|b

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Grenzerfahrung III

2 Kilometer nach dem Start der Tour, erreichen wir das nordöstliche Ende von Kreuzberg. Dort wo sich heute das Partyvolk nach einer durchzechten Nacht im Freischwimmer oder im Club der Visionäre im Flutgraben zum Frühstück trifft, war 28 Jahre für die Kreuzberger das Ende der Welt. Dahinter beginnt der Bezirk Treptow, wo man noch heute in einem kleinen Park den alten Wachturm der DDR Grenzanlage sehen kann. Jetzt wird er für Veranstaltungen genutzt. Es handelt sich um einen von drei noch erhaltenen Wachtürmen der Berliner Mauer im Stadtgebiet

Wasserspiegelung
Wasserspiegelung – Foto: h|b

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Paddywalk in Zingst

Der „Meister“ hatte während der letzten Zingster Fototage irgendwie keine Lust auf Vorträge, sehr wohl aber auf ein bißchen schnacken mit anderen Fotografen. Das was immer ein wenig zu kurz kommt, auf Fototagen, oder Vortragsreihen. So rief er und alle kamen. So ein Schnack unter Gleichgesinnten, Paddy macht das ja auch regelmäßig auf seinem Videokanal, dient mehr dem Networking und dem Kennenlernen. Für Patrick Ludolph ist es natürlich auch eine gute Gelegenheit, schließlich ist er Geschäftsmann und lebt von der Fotografie, potentielle Kunden für Workshops oder seine Produkte zu gewinnen. Das kommt allerdings nie zum Ausdruck, es ist wirklich ein zwangloses Treffen und Spazierengehen. Hier meine kleine Story dazu, am Ende gibt es auch ne Menge Bilder. Weiterlesen „Paddywalk in Zingst“

Heidi und HUDO

Wir sind ja auch viel unterwegs, aber gegen das, was Heidi Hetzer mit ihrem HUDO, einem 1930er Hudson Super 8, in zweieinhalb Jahren mit inzwischen stolzen 79 Jahren geleistet hat, sind wir doch Waisenkinder. Mehr als 80.000 Kilometer hat sie auf Ihrer Weltreise mit der heutigen Ankunft in Berlin mit Hudo zurückgelegt, mit einer Maximalgeschwindigkeit von 60 Kilometern in der Stunde. Unvorstellbare 17 Liter verbraucht das Monstrum – von dem es weltweit nur noch 5 Exemplare gibt – auf 100 km und Ersatzteile müssen meist erst hergestellt, oder bei Sammlern angefragt werden. Ihre Motivation? Nicht etwa einen Rekord aufstellen, nein, sie wollte nach ihrer erreichten Rente einfach die Welt sehen. Warum nicht mit einem Auto. So wie vor genau 90 Jahren, als Clärenore Stinnes als erster Mensch die Erde im Auto umrundete. Weiterlesen „Heidi und HUDO“