Archiv der Kategorie: Kunst

Kontemplation

Anstatt sich heute der Sammlung von Massen hinzugeben, zum Beispiel auf dem MyFest in Kreuzberg, ging unsere Überlegung zu etwas mehr Abgeschiedenheit und Besinnung. Die Gärten der Welt in Berlin bieten genügend Platz und Gelegenheit zur Reflexion, sei es auf dem Wasser des chinesischen Pavillons, über den Zengärten des japanischen Gartens, oder in den Spiegeln in der Nähe des Haupteingangs. Zunächst lud jedoch ein englisches Cottage zur Einkehr, und wir richteten unsere Konzentration ganz auf die Versenkung von Kaffee und leckeren Kuchen. Bei der tieferen Betrachtung der farbenfrohen Blumen und Blüten im Laufe unseres weiteren Spaziergangs kamen wir uns vor wie in einer herrlichen Andacht in Gottes Natur, über uns nur der weite, blaue Himmel, als Dach der einen, großen Welt.

Das heilige Wort – Foto: h|b

Um mir ein wenig folgen zu können, hier eine Auswahl der Fotos vom heutigen Spaziergang zum nachmeditieren. Und wer es vielleicht bemerkt hat, alle unterstrichenen Worte im Text sind Synonyme des Wortes Kontemplation. Sagt der Duden. Musste nur noch den Text drumherum schreiben 😉

Grenzerfahrung IV

Die Süd-Ostseite des Görlitzer Parks in Berlin-Kreuzberg stellt nur einen kleinen Teil der Grenze zu Treptow dar. Der größte Teil des – in den späteren 80er Jahren angelegten – Parks zieht sich über rund einen Kilometer Richtung Nordwesten bis zur Skalitzer Straße. Der Park ist immer wieder in den Schlagzeilen, da ein schwunghafter Drogenhandel, überwiegend durch Schwarzafrikaner, die Aufenthaltsqualität beeinträchtigt. Bei meiner Fahrt durch den Park prägen sie an diesem kalten Dezembertag klar das Bild der „Parkbesucher“.

Reste des Pamukkale Brunnen im Görlitzer Park
Reste des Pamukkale Brunnen im Görlitzer Park – Foto: h|b

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Ein Du im Jetzt

Seit 35 Jahren fotografiert Dietmar Bührer „Menschen in Galerien“ und „Bilder einer Ausstellung“ ist der Titel seiner Werkschau zum siebzigjährigen Geburtstag in der Fotogalerie Friedrichshain am Helsingforser Platz. „Seit nunmehr 35 Jahren hält Fotograf Dietmar Bührer die Wechselwirkungen zwischen Kunstwerken und Ausstellungsbesuchern in magischen Bildern fest und erschafft damit eine neue künstlerische Dimension“ schreibt die Galerie in ihrer Einladung zur Vernissage, die gestern Abend stattfand.

Ich habe das dann mal auf die Spitze getrieben und Menschen fotografiert, die Bilder betrachten, auf denen Menschen zu sehen sind, die Bilder betrachten. Ein schönes Thema wie ich finde.

Die Schriftstellerin Alexandra Lüthen hielt die Laudatio und die Überschrift des Artikels „Ein Du im Jetzt“ stammt aus ihrem Text. Sie bezieht sich damit auf den flüchtigen Moment, in dem Besucher von Museen oder Galerien das Kunstwerk betrachten. Durch das Festhalten genau dieses Augenblicks durch den Fotografen, wird daraus etwas Beständiges.

Dietmar Bührer ist seit 1987 Ehrenmitglied im Deutschen Verband für Fotografie (DVF) und wurde für seine besonderen Verdienste im beruflichen, persönlichen und fotografischen Umgang mit Inhaftierten vor und hinter den Mauern der JVA Tegel 2011 mit dem Bundesverdienstkreuz.

Fotogalerie Friedrichshain, Helsingforser Platz 1, 10243 Berlin. Die Ausstellung ist bis zum 21. Dezember 2017 zu sehen.

Alle Fotos h|b: Olympus OM-D E-M5 II / 17 mm

Aleppo – Dresden – Berlin

In Dresden standen sie direkt vor der Frauenkirche und zogen sich damit den Protest der „besorgten Bürger“ und den Pegida-Anhängern zu. In Berlin stehen sie nun an einem ähnlich geschichtlichem Platz, dem Brandenburger Tor: Drei – von deutschen Nahverkehrsbetrieben ausrangierte – Linienbusse, hochkant aufgestellt vom Künstlers Manaf Halbounis im Rahmen des 3. Berliner Herbstsalons des Maxim Gorki Theater. Das Werk bezieht sich auf ein Bild aus Aleppo in Syrien, auf dem eine errichtete Straßensperre aus hochkant aufgestellten Bussen, Zivilisten vor den Scharfschützen schützen soll. Auch wortwörtlich ein schöner Widerspruch.

Die Berliner und Touristen sind da etwas entspannter als die Dresdener, bisher gibt es weder Tumulte noch Gegendemonstrationen, höchstens ein wenig Berliner Gemaule über „ditte, wat man so unter Kunst vastehn tut“ und das übliche Facebookbashing. Laut Künstler steht der Ort am Brandenburger Tor auch für Barrikadenkämpfe zur Zeit der Märzrevolution 1848. Die drei Busse somit als Beispiele modernen Barrikadenbaus. Der Künstler bringt die Gegenwärtigkeit von Krieg und Zerstörung mit seinem #monument zurück. Die Kunstaktion ist noch bis zum 26. November zu besichtigen

Monument
Die 3 Schrottbusse – Foto: h|b

Jenseits der Mauer

Was oder wer sich jenseits einer Mauer befindet, liegt ja immer im Auge des jeweiligen Betrachters. Dafür hat ja eine Mauer auch zwei Seiten. Bei der Mauer, um die es bei der Ausstellung „Beyond the wall“ des Künstlers Stefan Roloff an der Rückseite der East Side Gallery geht, handelt es sich um die Berliner Mauer. War die eine Seite der Mauer (West) meist bunt und im Laufe ihres Bestehens eher Folklore, konnte man auf der anderen Seite (Ost) schon mal erschossen werden, wenn man sich ihr unerlaubt näherte. Heute vor 56 Jahren wurde sie geschlossen, damit niemand mehr aus dem Sozialismus abhauen konnte. Das hatten bis zu diesem Zeitpunkt im August 1961, aus Sicht der DDR Führung, nämlich bereits viel zu viele Menschen getan. Das war natürlich Verrat an der Sache und als „versuchter Republikflüchtling“ wurde man auch im Laufe der nächsten Jahrzehnte gern mal länger weggesperrt.

Fotograf – Foto: h|b

Neben Videostills der damaligen Grenzanlagen finden sich Interviews von Betroffenen und deren Silhouetten auf der Rückseite der Mauer. Die großformatige Arbeit erstreckt sich auf 229 Metern entlang der Spree und kann noch bis zum Tag des Mauerfalls am 9. November besucht werden. Die Interviews sind in deutsch, englisch und spanisch, so dass auch die meisten Touristen den Hintergrund der Ausstellung verstehen können.

Ausstellung zur Berliner Mauer
Ausstellung zur Berliner Mauer – Foto: h|b