Viele halten uns ja schon für verrückt, mit dem Wohnmobil über Monate unterwegs zu sein, um im warmen Spanien zu überwintern. Allerdings haben wir Zeit. Viel Zeit. Monate Zeit. Die beiden Verrückten, nichts anderes heißt das spanische“Dos Locos“ auf deutsch, die uns gestern mit ihrem „Rallyeauto“ kurz in Los Alcazares besucht haben, fahren mit ihrem Auto in rund drei Wochen von Berlin bis nach Banjul, in die Hauptstadt Gambias. Rund 7000 Kilometer. Das Ganze für einen guten Zweck.
Spendenübergabe an Kai Pagels (Foto: Ulla Böttger)
Seit Samstag sind Kai und Karsten auf der „Rallye Dresden-Dakar-Banjul“ als Team „Dos Locos“ unterwegs und legen dabei pro Tag im Schnitt 900 Kilometer zurück. Über Frankreich, Andorra, Spanien, Gibraltar fahren sie zur Fähre nach Algeciras, von wo sie morgen nach Afrika übersetzen. Von dort geht es durch Marokko, Mauretanien und dem Senegal – hier liegt das berühmte Ziel einer anderen klassischen Rallye, der „Paris – Dakar“ – nach Banjul, der Hauptstadt von Gambia.
Jetzt sind wir schon zwei Monate mit dem Wohnmobil unterwegs. Zwei Monate voller neuer Erlebnisse und Eindrücke, wir haben dabei neue und alte Orte besucht. Es ging von Berlin über Okriftel und Salzburg nach Kroatien (Krk), wo wir zwei Wochen an der Adria verbracht haben. In einem großen Bogen machten wir dann einen kleinen Abstecher nach Venedig (Mückenplage in Punta Sabbione). Dann ging es straight nach Norden über den Reschenpass zum Bodensee, Freunde besuchen und den Tag der deutschen Einheit in Überlingen verbringen.
Wir sind ja wieder auf unserer Überwinterungstour in Spanien (aaausnahmsweise nochmal) und zum Start in Peñíscola gelandet. In Kassel – unserer alten Heimat, wo wir vor 12 Tagen gestartet sind – habe ich mir zwei Schlumpffiguren von Schleich gekauft, die ich als Vordergrund für einen Teil meiner Fotos verwenden möchte. Ich hatte das schonmal bei einer Wohnmobil-Deutschlandtour mit einem großen Zwerg gemacht und später eine Charlie Brown Figur für diverse Fotos genutzt. Diesmal also zwei Schlümpfe (TM: Peyo) für das eine oder andere Foto. Darf ich vorstellen …
Da wollen wir heute morgen gemütlich mit der Seilbahn vom Deutschen Eck zur Feste Ehrenbreitstein hochschweben, aber die Kabinen stehen über dem Rhein still. Wassn los? Ruhetag? Kaputt? Och neee. Irgendwie ist auch abgesperrt und Polizei steht rum. Kurz danach kommen auf einmal Polizeimotorräder, Limousinen und darin das belgische Königspaar um die Ecke. Die sind grad auf Rheinland-Pfalz Besuch und heute ist ein Essen auf der Feste Ehrenbreitstein angesetzt. Da es zeitlich gerade passt, schieben wir halt noch eine kleine Schiffstour dazwischen. Bis wir zurück sind, sollten Königs hoffentlich die Burg erreicht haben. Also eine Stunde Schifffahrt auf dem Rhein, warum auch nicht.
Als wir wieder – laut englischer Schiffsansage – am „German Corner“ anlegen, fährt die Seilbahn wieder normal und 10 Minuten später stehen wir hoch über dem Rhein auf der Festung und schauen hinunter ins Tal. Königs sind wohl noch beim tafeln, der ganze Innenhof steht voll mit Polizei und Entourage. Wir gönnen uns erstmal was zu Essen und zu Trinken und harren gespannt der Dinge die da kommen.
Meine Kamera liegt bereit und mein kleines „Reporterherz“ wird ganz aufgeregt, als Bewegung in die Sache kommt. Suche mir schnell einen Platz auf einer Rampe und bekomme das Gruppenfoto für Presse und TV mit. Anschließend mischen sich König Philippe und Königin Mathilde noch ein wenig unters Volk und ermöglichen mir so auch noch ein schönes Foto, bevor sie weiterfahren.
Das belgische KönigspaarGruppenbild mit König und Königin
Wir erkunden danach noch die ganze Anlage, in der man sich fast verirren kann und fahren anschließend völlig kaputt wieder runter nach Koblenz. Da es an der Zeit ist, besuche ich noch „Hasan“ – laut Google der beste Frisör in Koblenz 😉 – um meinen Haarschnitt vor dem morgigen Klassentreffen auf Vordermann zu bringen. Nach 50 Jahren will ich ja auch was hermachen. Ein aufregender Tag geht dann bei Bier und Wein auf dem Campingplatz gegenüber der „German Corner“, sprich dem „Deutschen Eck“ zu Ende.
Deutsches Eck mit AusblickKnauss-Campingplatz in Koblenz
Seit gestern stehen wir mit dem Wohnmobil in Punta Sabbioni und ein Besuch in Venedig ist quasi ein „Muss.“ Wir haben uns gleich eine 48-Stundenkarte geholt und setzen gegen Mittag mit der Fähre über. Trotz Regenwarnung ist herrliches Wetter und so steigen wir an der Station „San Marco“ aus, um erstmal die Tauben auf dem Markusplatz zu begrüßen.
Seit gut anderthalb Wochen sind wir jetzt auf dem Campingplatz in Krk auf Krk. Der Ort auf der gleichnamigen größten kroatischen Insel liegt zwei Kilometer neben unserem Campingplatz. Nach dem Regen vom letzten Wochenende hatten wir jetzt eine traumhafte Woche mit viel Sonne und wenig Wind. Eine gute Gelegenheit dem kleinen Hafenstädtchen einen Besuch abzustatten.
Mozart-Kugeln, Mozart-Haus, Mozart-Platz, Mozart-Sammlung, Mozart-Universität, in Salzburg dreht sich alles um seinen berühmtem Sohn, der hier am 27. Januar 1756 das Licht der Welt erblickte. Neben den bekannten Opern wie die „Zauberflöte“ oder „Cosi fan tutte“ schuf er – neben vielen anderen Musikstücken – weitere 20 Opern die heute noch an internationalen Opernhäusern weltweit gespielt werden. Nur mit den Mozart-Kugeln hat der umtriebige Komponist nicht wirklich etwas zu tun, die erfand 1890 der Salzburger Konditor Paul Fürst aufgrund des bevorstehenden 100. Todestages Wolfgang Amadeus Mozart. Sie besteht aus einem Marzipankern, der umhüllt ist von einer Schicht Nougat und einer weiteren Schicht dunkler Kuvertüre.
An den leeren Fensterhöhlen zeigen verbliebene Satellitenschüsseln in die alte Heimat, nach Rumänien. Aus einem kleinen Dorf in der Nähe von Bukarest, zogen 2015 rund 350 Rom:nja in den damals leerstehenden Plattenbau aus DDR Zeiten und bildeten dort eine Art Gemeinschaft. Inzwischen sind Bauarbeiter damit beschäftigt das Haus für den Abriss leerzuräumen und kippen den Schutt durch ein gelbes Rohr in einen Container im Innenhof.
AbbruchhausHinterhof
Seit eine neue Investorin 2019 Vermieterin des Hauses gewordenist, häuften sich die Mängel. Stand zuerst noch eine Renovierung im Raum, mit anschließendem Wiedereinzug der Mieter, entschloss sie sich 2020 das Haus abzureißen und dort einen hochmodernen Wohn- und Arbeitskomplex zu errichten. Dazu müssen aber alle Mieter ausgezogen sein. Da es zum Teil größere Familienverbände sind, ist eine anderweitige Unterbringung nicht so einfach. Dazu kommen die Vorurteile gegen Rom:nja, die potentielle, neue Vermieter eher abschrecken.
Die Woche waren wir seit langem wieder mal mit dem Wohnmobil in Warnemünde. Das erste Mal mitten in der Woche, kann ich ja jetzt. Der Stellplatz auf der Mittelmole war trotzdem wieder knackevoll. Ganz vergessen, dass am Wochenende die 31. Hansesail stattfindet. Haben aber trotzdem noch ein Plätzchen in der zweiten Reihe bekommen und ich konnte gleich am Abend noch die Ausfahrt der „Norwegian Dawn“ fotografieren.
Neu trifft Alt
Ab Dienstag trafen dann mehr und mehr Segelschiffe in Warnemünde ein. Ein Teil lag direkt vor unserem Stellplatz, so die J.R. Tolkien, ein anderes Segelschiff, die Großherzogin Elisabeth lag am Stellplatz 7, direkt vor dem Kreuzfahrt-Terminal. Ein Teil fuhr durch bis zum Stadthafen nach Rostock. Die Schiffe nutzen die Gelegenheit Segelturns anzubieten und verdienen sich so ein bißchen Geld für die Instandhaltung der Schiffe. Hab ich ja auch schon zweimal genutzt. Dieses mal wollte ich aber nur schauen, nicht fahren.