Reisendenlenker

Fassade des Berliner Hauptbahnhofs in der Abenddämmerung

Seit Anfang Juli bin ich im Berliner Hauptbahnhof im Auftrag der DB Regio und über die DB Zeitarbeit als Reisendenlenker unterwegs. So als Ferienjob, wie so’n Studi in den Semesterferien. Aber irgendwie ist das Rentnerleben auch öde, wenn man nicht unterwegs sein kann. Und Menschen helfen, meinen alten Arbeitgeber unterstützen und dabei noch ein wenig Geld verdienen ist ja auch nicht schlecht. Immerhin für 14€ die Stunde. Der Diesel wird ja nicht billiger.

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The heat is on

Aufgeplatzter Boden im Nordseewatt

Das Ziel die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen scheint kaum mehr erreichbar zu sein“ so der Klimaforscher und Meterologe Mojib Latif. „Wir nähern uns dem Punkt, an dem man sich eingestehen muss, die Zeit ist abgelaufen“

Ist das jetzt also der „Klimawandel“ und nicht nur ein heißer Sommer, „wie wir ihn früher auch schon hatten“? Wenn ich zurückdenke, immerhin stehen mir dazu 66 Jahre zur Verfügung, kann ich mich an Temperaturen um die 40 Grad in Nordeuropa nicht erinnern, auch nicht kurzfristig. Dazu sind wir früher schließlich extra in den Süden gefahren. Und selbst dort gab es nicht annähernd so heiße Tage wie aktuell in Spanien und Portugal.

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Wanderwege

Zwie Walkingstöcke lehnen an einem Baum vor einem kleinen Fluß

Da wir wahrscheinlich in diesem Herbst in Nordspanien sein werden, hab ich mir überlegt, dass es doch ganz interessant sein könnte, ein paar Etappen des Jakobswegs zu laufen. Nicht die ganzen 800 km, das wäre zuviel, aber mal so die eine oder andere Etappe, so dass ich insgesamt auf 100 km komme, was mich berechtigen würde in Santiago de Compostela die Urkunde zu bekommen. Die Etappen des Camino Frances liegen in der Regel zwischen 20 und 30 km und sind unterschiedlich anspruchsvoll.

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Ehrenmal?

Panzer am Ehrenmal in Berlin

Hinter den Panzern und der riesigen Figur eines sowjetischen Soldaten liegen etwa 2500 in der Schlacht um Berlin gefallene Rotarmisten. Neben Russen auch Ukrainer und Soldaten anderer inzwischen selbstständiger Länder der ehemaligen Sowjetunion. Daher hat das Ehrenmal weiterhin einen Sinn, auch wenn dieser momentan schwer zu verstehen ist.

Die Befreiung aus der Herrschaft der Nationalsozialisten war ein wichtiger Akt und führte letztendlich auch zur Bildung einer europäischen Identität. Umso schlimmer, dass einer der damaligen Akteure – Russland – aktuell ein mörderischen Angriffskrieg gegen sein Nachbarland führt, um es angeblich zu „entnazifizieren“. Der völkerrechtswidrige Krieg gegen die Ukraine wird aus russischer Sicht mit immer abstruseren Gründen gerechtfertigt. Der Roman 1984 ist in der Realität angekommen. Damit hätte ich in meinem Leben nicht mehr gerechnet.

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Tag der Erde

Ein Bachlauf mit Weiden und Bäumen

Der jährliche Earthday hatte in diesem Jahr den Schwerpunkt „Nachhaltigkeit“. Das gilt für viele Bereiche, von Kleidung über Nahrung bis hin zum eigenen Verhalten. Hinter jedem Tun sollte die Frage stehen: Ist es nachhaltig? Muss ich mit dem Auto zum Bäcker fahren? Gut, in einer Stadt wie Berlin stellt sich die Frage nicht so wirklich, da man hier wirklich überall ohne Auto hinkommt. Alles ist fussläufig, oder zumindest mit Rad oder Öffis zu erreichen. Ich komme aber auch vom Dorf, da geht inzwischen ohne Auto nichts mehr und Bäcker oder Einzelhandel sind aus der Fläche leider fast durchgängig verschwunden.

Wenn wir uns trotzdem bei jeder Handlung diese Frage stellen – und gerade beim einkaufen haben wir die Wahl zu entscheiden – könnte die Welt ein wenig besser und nachhaltiger werden. Für meine Kinder und Enkelkinder die ihr Leben noch vor sich haben. Wir haben nur diese eine Erde, diesen fragilen Planeten. Mit dem wir leider nicht sehr pfleglich umgehen. In diesem Sinne…

Was wir heute tun, entscheidet darüber, wie die Welt morgen aussieht.

Marie von Ebner-Eschenbach

Das Titelbild ist ein Fließ aus dem Naturschutzgebiet in Uhldingen am Bodensee. Fotografiert mit meiner OM-D E-M5ii am späten Vormittag im April.

Leaving Calpe

Camping Calpe Mar aus Drohnensicht

Nach nun 42 Tagen verlassen wir heute unsere Homebase in Calpe. Wir haben uns sehr an diesen kleinen Urlaubsort gewöhnt, sodass es ein wenig schwerfällt weiterzuziehen. Für reines Überwintern – einfach in der Sonne sitzen und das Meer genießen, Restaurants mit leckerm Essen, Tapas und Wein sind ausreichend vorhanden – ein idealer Ort. Es ist zwar recht frisch in der Nacht, teilweise bis runter zum Nullpunkt, aber 8 Stunden Sonne am Tag bei Temperaturen zwischen 16 und 21 Grad, machen das dann wieder wett.

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Überwintern für Anfänger

I love Calpe

„Camping ist der Zustand, in dem der Mensch seine eigene Verwahrlosung als Erholung empfindet“. Diesen Satz hab ich schon ein paar Mal auf diversen Wohnmobilen gesehen und ein kleines Stück Wahrheit steckt sicherlich darin. Aber bis zur Verwahrlosung ist es dann doch noch ein ganzes Stück, am Ende liegt es ja an einem selber. Wie geht es uns inzwischen eigentlich mit diesem „Überwintern“ in Spanien? Wir hatten ja so Ideen und Pläne bevor wir losfuhren, existieren die noch? Nicht so ganz, soviel Schon mal vorweg.

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Überwintern

Peñíscola Altstadt im Abendlicht

Vor fünf Tagen sind wir auf unserem Platz in Peñíscola angekommen. Nicht nur körperlich, sondern auch geistig. Waren die Tage während der Anfahrt noch strukturiert und identifizierbar, beginnen sie jetzt so langsam zu verschwimmen. Ohne Uhr wüsste ich momentan weder Datum noch Wochentag korrekt zu benennen. Es spielt im Grunde auch keine Rolle, außer man muss einkaufen.

Das ist in dieser Woche aber eh schwierig, da die Spanier gerade einen Feiertagslauf haben. Am Montag war Verfassungstag, heute ist Mariä Empfängnis. Als Feiertag! Dadurch sind auch grad viele Spanier unterwegs, sie nutzen die wenigen Tage die sie Urlaub nehmen müssen, um eine ganze Woche plus die zwei Wochenenden an die spanischen Küsten zu fahren. Auch auf unserem Platz ist das zu merken.

Wasseraufsicht am Strand
End of Saison – Foto: h|b
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Betreutes Wohnen

Sonnenuntergang auf der Autobahn

Jetzt sind wir seit Freitag unterwegs, aber noch bewegen wir uns auf vetrauten Wegen. Wir klappern Verwandte, Freunde und Kinder ab und bekommen so regelmäßig Essen, Schlafplätze, Frühstück, fast wie im Hotel, oder eben im betreuten Wohnen. Ab morgen geht es dann wirklich los. Danach müssen wir selbst schauen wie wir zurecht kommen. Das wird hart. Ganz allein auf uns gestellt. Oje. … Just kidding, ist ja nicht wirklich neu für uns. Wir waren ja schön öfter unterwegs, teilweise 7000 km geschrubbt, da ist die jetzige Tour ja Kindergeburtstag. Außer dass wir diesmal länger unterwegs sein werden. Vier Monate. Das ist das einzige Neue. Aber in der Sonne an Spaniens Küsten lässt sich das vermutlich gut aushalten. Noch müssen wir uns aber mit Regen, Schnee und Eiseskälte rumschlagen. Nordeuropa ist fest im Griff des aktuellen Tiefs „Andreas“, was in großen Teilen auch Schnee bringt.

AUS

Kunstwerk „Aus“

Aus, aus, das Spiel ist aus. Nach 49 Jahren und 3 Monaten ist der Punkt erreicht, wo ich den jungen Leuten das Feld überlasse. Mit einem weinenden und einem lachenden Auge hab ich gestern zum letzten Mal mein Notebook zugeklappt. Mein Diensthandy ist schon weg, damit sind alle dienstlichen Kommunikationswege gekappt.

Montage werden ab sofort keine besondere Bedeutung mehr haben, sind sie doch einfach Tage in der Folge von endlosen Tagen, die mich jetzt in der neugewonnen Freiheit erwarten. Daher auch das neue Titelbild des Blogs, aufgenommen in Norwegen auf einer Schaukel mit Blick auf den Briksdalsbreen. Unser Schicksalsgletscher.

Seit heute sind wir unterwegs mit Ziel Spanien. Wir flüchten aus dem grauen, regnerischen Deutschland, um an der spanischen Küste zu überwintern. Wie es uns dabei ergeht, dann in Kürze in diesem Blog. Stay tuned…