Finger weg!

Irgendwann musste es ja passieren. Unser Wohnmobil steht ja auch im öffentlichen Raum. Das gelangweilte Idioten das eines Tages als Unterlage für ihre Schmierereien nutzen würden war uns fast klar. Es war nur eine Frage der Zeit. Wir können noch zufrieden sein, dass es kein großes Tagging geworden ist, auch dass liest man ab und an im Internet, sondern „nur“ ein kleiner, wenn auch unschöner Zusatz zur Typ-Bezeichnung. Aber … und das ist ganz wichtig, sofort reagieren. Dem „Broken Windows“ Effekt vorbeugen.
Vorher
Daher haben wir sofort zu einem Schmutzradierer gegriffen, um den Originalzustand wieder herzustellen. Im Internet gibt es viele Tipps, von Waschbenzin, über Spiritus, oder andere Geheimmittelchen, aber der Radierer führte sofort zum Erfolg. Der kleine „Schwamm“ wird angefeuchtet und dann rubbelt man über das Tagging und sieht zufrieden, wie Buchstabe auf Buchstabe verschwindet. Ich hoffe, dass es der letzte Einsatz dieser Art war. Malt von mir aus die Straße voll, habt ihr doch als Kinder früher sicher mit bunter Kreide auch gemacht, aber lasst anderer Leute Sachen in Ruhe. Finger weg, verstanden!
Nachher

Herbstanfang in Berlin

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Heute ist Herbstanfang. Das Wetter belohnt den Tag, im Gegensatz zur abgelaufenen Woche, mit einem richtig schönen Sonnentag. Obendrüber ein paar Wolken, auch mal Dunkle, aber es ist trocken und teilweise richtig warm. Wir machen uns auf in den Westen, mal sehn, ob noch iPhones im Angebot sind. Der Applestore am Ku’Damm ist gut gefüllt mit Menschen, aber die neue Generation iPhones gibt es heute nur zum anfassen, nicht zum mitnehmen. Die erste Lieferung ist komplett verkauft, wann es Neue gibt, kann niemand sagen. Ist wahrscheinlich auch besser so, am Ende wären wir nur wieder schwach geworden. Weiterlesen „Herbstanfang in Berlin“

Frechheit

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Manchmal kann man ja an der Menschheit zweifeln. Die kriminelle Energie von einigen Räubern führt zu absurden Versuchen zu Geld zu kommen, ohne dafür zu arbeiten. In Berlin ist im Moment die Masche entweder brachial mit Autos direkt in Bankfilialen zu brettern und die Geldautomaten durch rammen zu zerstören, oder Geldautomaten in kleinen Ausgabefilialen durch Sprengstoff aufzusprengen.

So geschehen am Wochenende, direkt schräg unterhalb meines Büros. Seit heute ist uns der direkte Weg zur Kantine gesperrt. Holzplatten decken von aussen die Lücke ab und im Vorraum ist die halbe Decke heruntergekommen. Laut Polizeibericht haben „zwei mit Skimasken vermummte Männer am Sonntag früh gegen 5.50 Uhr den Geldautomaten gesprengt und sind nach Zeugenaussagen mit Geldkassetten entkommen. Nach der Explosion nahmen die Männer die Geldkassetten, stiegen in einen bereit stehenden BMW, in dem eine dritte maskierte Person saß, und flüchteten Richtung Bernauer Straße.“ Frecher gehts nicht. Wer sie findet, darf ihnen gerne von mir eine aufs Maul hauen. Echt ey.

Lummerland

Smugglers Paradise

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Heute morgen um acht Uhr brechen wir auf, um mit dem alten Clipper „Lady von Büsum“ zur roten Insel überzusetzen, die weit draussen vor Büsum mitten in der Nordsee liegt. Früher mal Paradies für Schmuggler und Spione, später unter englischer Flagge, wird sie zu Kaiser Wilhelms Zeiten, im Tausch gegen Sansibar, zu einer deutschen Insel, mit hohem strategischem Interesse. Sie wird zum Stützpunkt der Kriegsmarine und soll im dritten Reich dermaßen ausgebaut werden, Stichpunkt „Hummerschere“, dass hier die ganze deutsche Kriegsmarine unterkommen soll. Aber wie so viele andere Dinge auch, wird – aus bekannten Gründen – daraus nichts.

Nach dem verlorenen Krieg ist die Insel nun wieder britisch, bis in den 50er Jahren erneute Verhandlungen schließlich erfolgreich enden, und die Briten zum zweiten Mal Helgoland an die Deutschen übergeben. Diesmal ohne das die etwas anderes dafür hergeben müssen. Von den Zerstörungen sieht man indes nichts mehr, die Insel gedeiht und floriert, zumindest wenn – wie heute – fünf Schiffe gleichzeitig gegen Mittag im Hafen festmachen und rund 2000 Passagiere an Land „gebördet“ werden. Anstatt nämlich einfach im Hafen anzulegen, liegen alle Schiffe vor Anker und kleine einheimische Motorboote setzen die Passagiere über. Eine durchaus lustige Sache, solange der Seegang nicht zu wild ist. Heute ist es relativ ruhig, kein Problem also.

Die Insel ist aufgeteilt in Unter-, Mittel- und Oberland und dort oben kann man sie auf dem Klippenpfad schön umrunden. Wir gehen gegen den Uhrzeigersinn, so sind wir am Wahrzeichen der Insel, der „Langen Anna“ noch relativ allein. Ein Stück weiter taucht der „Lummenfelsen“ mit tausenden Vögeln und einem Mordsgekreische auf. Und es kommen die anderen Schiffstouristen, die, die im Uhrzeigersinn die Insel umrunden. Auf den schmalen Wegen muss man nun aufpassen, sich nicht gegenseitig auf die Füße zu treten und Fotomotive gibt es nur noch gegen Absprache. Wir gehen noch am Berliner Bären, der die Entfernung nach Berlin anzeigt, vorbei, was immer der hier auch tut, und kaufen zollfrei ein. Wie alle. Echt interessante Preise, wenn man eh schon mal hier ist. Nach drei Stunden verlassen wir die Insel wieder und löschen damit einen weiteren Eintrag in unserer laaaangen „Things to Visit“ Liste.

Landpartie

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Nachdem der Regen heute Nacht wirklich wie angekündigt aufgehört hat, und nun sogar ab und zu ein Stück blauer Himmel zu sehen ist, packen wir die Fahrräder vom Wohnmobil und machen uns nach dem Frühstück über Landsträßchen auf den Weg nach Deekelsen. Das soll hier irgendwo sein, jedenfalls wenn man dem Fernsehen glaubt, denn „Der Landarzt“ heilt hier seit nunmehr fast 30 Jahren die echten und eingebildeten Wehwehchen der Bewohner des kleinen Örtchens an der Schlei. Mit Wayne Carpendale ist aktuell der dritte Landarzt im Dienst, vor ihm waren es schon Walter Plathe und Christian Quadflieg.

Aber auf keinem Straßenschild taucht Deekelsen auf, nur kleine Dörfer die irgendwie alle auf -by enden, und die Straßenschilder in Fahrtrichtung zeigen nach Kappeln an der Schlei. Damit liegen wir natürlich goldrichtig, denn dort liegt das Zentrum der Fernsehserie, die es bis heute auf knapp 300 Folgen gebracht hat. Mitten in Kappeln gibt es sogar einen „Deekelsen-Platz“ und nicht weit davon kann man am Stammtisch der „Landarzt Kneipe“ ein Bierchen genießen. Leider läuft die Serie nun aus, die Geschichten sind wohl auserzählt. Die Einwohner Kappelns finden das sehr schade, da ihr Ort doch auch touristisch von der Serie profitieren konnte. Kappeln ist aber auch so auf jeden Fall einen Besuch wert.

Partymacher mit 150 Jahren

... bitte hier die eigenen Gedanken einfliessen lassen - Foto: h|b
… bitte hier die eigenen Gedanken einfliessen lassen – Foto: h|b

Als Nena am späten Abend auf der Haupttribüne am Brandenburger Tor ihren Superhit „99 Luftballons“ anstimmt, steigert sich die Begeisterung der anwesenden Zuschauer noch mal zu einem Höhepunkt. Das es sich hier eigentlich um eine Geburtstagsfeier handelt, spielt sicher keine Rolle mehr. Den ganzen Tag schon flanieren die Besucher über die – mal wieder für die Autofahrer gesperrte – Strasse des 17. Juni, vorbei an Ständen mit Essen und Trinken, aber auch welche für die geistige Erbauung. So stehen viele Vertreter des Geburtstagskindes den Bürger Rede und Antwort. Weiterlesen „Partymacher mit 150 Jahren“

Nutella Gang

Einer mag Dreiecke, die andere mags rechteckig. Hauptsache Nutella - Foto: h|b
Einer mag Dreiecke, die andere mags rechteckig. Hauptsache Nutella – Foto: h|b

Gut sechs Tage waren wir jetzt wieder mal Großeltern im wirklichen Sinne, also ausgestattet mit Enkelkindern vor Ort. Nicht nur über Skype wie sonst. Sechs Tage fremdbestimmt von kleinen Menschen, die völlig andere Dinge wollen, als das, was Erwachsene sonst gerne tun. Die eine Umstellung der Logistik nach sich ziehen, was essen und trinken angeht. Milch, Kakao, Nutella, Gummibärchen und Fischstäbchen gehören auf einmal wieder zur Grundausstattung. Ebenso der mehrfache Besuch des Spielplatzes mit Anwesenheitspflicht, was uns schon als Eltern sehr schwer gefallen ist. Ich finde ja, es gibt nichts öderes als Spielplätze. Zumindest für Erwachsene. Aber man macht das ja trotzdem, weil die Kinder es gerne möchten. Man kann ja auch dabei entspannen und im Zweifel ein Buch lesen. Ab und an ein Blick ob sie noch da sind, reicht ja. Wenn der Sandkasten dann zum zweiten mal umgegraben ist, wird es eh Zeit für die Badewanne. Ein weiteres Ritual.

Wir haben aber auch Dinge unternommen, die wir ohne die Kinder nicht gemacht hätte. Wir waren am letzten Samstag am und im Wannsee und ich bin das erste Mal, seit ich in Berlin bin, von der dortigen Rutsche ins Wasser gerutscht. Coole Sache. Danach musste ich Denise, die „nur“ das Seepferdchen hat, ein wenig huckepack nehmen. Das unendliche Vertrauen der Kinder in uns Erwachsene in solchen Situationen: Unbezahlbar. Auch am Sonntag waren wir unterwegs in einem Familienpark im tiefsten Brandenburg. Die Begeisterung mit der sie den Zauberwald erkundet haben, aber auch den Respekt vor dem gruseligen Hexenhaus… Man sieht die Welt mal wieder mit ganz anderen Augen. Sich mit allen Sinnen auf Dinge einzulassen, das können so richtig nur Kinder. Und das Kuscheln am Abend, das Vorlesen vorm Schlafengehen und der erneute Ruf nach Nutella und Kakao am nächsten Morgen. War schön mit euch Colin und Denise. Dürft gerne wiederkommen.

Reserviert

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Verdutzt rieben sich die Menschen heute morgen gegen halb acht auf dem Weg zum Hauptbahnhof die Augen. Hatte die unselige Angewohnheit der Deutschen und Engländer, die Liegen am Urlaubsstrand morgens in aller Herrgottsfrühe schon mit Handtüchern zu belegen, nun auch den Capital Beach erreicht? Alle verfügbaren Liegen waren weithin sichtbar mit roten Handtüchern belegt.

Ein weißer Schriftzug darauf wies dann allerdings schnell die Lösung. Eine Online-Buchungsplattform, beziehungsweise App, für Hotels, verlängerte kurzerhand – gefühlt – das Urlaubsfeeling der wieder zurückgekehrten Berlinerinnen und Berliner und drapierte die roten, kuscheligen Tücher entlang des Spreebogens. Nach der Aktion – gegen zehn Uhr – konnten diese direkt von den Gästen mitgenommen werden. Für uns das perfekte Utensil für einen herrlichen Wannseetag mit den Enkelkindern.