Nach insgesamt 51 Tagen Aufenthalt hier in Calpe, fällt der Abschied heute schon ein bisschen schwer. Der kleine Ort mit dem markanten Felsen ist uns schon ein wenig ans Herz gewachsen. Immerhin waren wir die längste Zeit der Überwinterung hier, unterbrochen nur durch eine spannende Rundreise durch Andalusien im Februar. Wir sind diesmal auf einem anderen Platz untergekommen als zwischen den Jahren, etwas weiter weg vom Baulärm der Hochhäuser und ohne Hochhäuser die morgens erstmal die Sonne nicht durchlassen. Das ist auf dem Platz Calpe Sol der Fall und daher haben wir eine gute Wahl getroffen.
Was in Warnemünde die Möwen sind – die den ahnungslosen Touristen am alten Strom schon mal gern das komplette Fischbrötchen aus der Hand klauen, wenn man nicht aufpasst – ist hier in Calpe – zumindest rund um eine bestimmte Bar – die Taubengang. Ungefähr 20-30 Tauben, sogar einbeinige Veteranen sind mit dabei, stehen bereit, wenn es darum geht Nahrung zu organisieren. Obwohl genug Besucher etwas auf den Weg werfen, wird jede Gelegenheit genutzt, persönlich vorbeizuschauen, mit der Frage im Blick: „Isst du das noch, oder kann ich das haben?“.
Dienstbesprechung
Wischenden Armbewegungen zur Verscheuchung der Störenfriede wird geschickt ausgewichen und die Tauben stolzieren weiter wie Graf Koks auf den Tischen und Stuhllehnen umher. Sollte die Bedienung nach dem Bezahlen der Gäste nicht schnell genug abräumen, und es sind noch Reste übrig, steht das Taubengeschwader bereit um jede verfügbare Pommes oder Patatas zu kämpfen.
Alles im Blick
Ein sehr amüsantes Spektakel, solange man nicht direkt betroffen ist, oder seinen Kopf als Landeplatz hergeben muss. Und eine gute Gelegenheit ein paar Taubenportraits zu schießen.
Während im fernen Osten ein völlig durchgeknallter Despot sein Nachbarland überfällt um es angeblich von Zombies zu befreien (ähnlich bescheuerte Argumentation wie die „Offizielle“), haben wir am Donnerstag Tarifa einen kurzen Besuch abgestattet. Tarifa ist der südlichste Punkt von Kontinentaleuropa (also ohne Inseln) und Mittelmeer und Atlantik treffen hier aufeinander.
Ein wenig ist es damit auch der Wendepunkt unserer Tour. Wir sind aktuell in Cadiz und fahren am Montag über Sevilla und Cordoba zurück an das Mittelmeer. Dann ist März und der letzte Monat unserer Überwinterung in Spanien beginnt. Morgen sind wir exakt drei Monate on Tour und es kommt uns vor wie ein halbes Leben.
Für alle britischen Besucher von Gibraltar dient der plakative Hinweis beim überqueren der Straße zuerst nach links zu schauen. Anders als im UK, wo der Hinweis für die Kontinentaleuropäer genau andersherum an den Übergängen steht, gilt auf den Straßen von Gibraltar das Rechtsfahrgebot. Wäre wohl zu chaotisch, wenn sofort hinter dem Grenzübergang alle Autos plötzlich links fahren müssten.
The Rock mit startendem Flugzeug
1704 im spanischen Erbfolgekrieg erobert ist Gibraltar seit 1830 britische Kronkolonie. Die Spanier hätten es wohl gern zurück, aber davon halten die Briten nicht sehr viel. Für Wohnmobilisten wie uns aktuell ein Schlaraffenland in Punkto tanken: Der Dieselpreis lag bei unserem Besuch bei 1,05 €. Da lohnt sich schon mal die Einreise auf sich zu nehmen und vollzutanken.
Warum fährt man 80 Kilometer und rund 800 Höhenmeter über viele Kurven ins spanische Hinterland? Genau, wegen einer Brücke. Der Hotspot für alle Besucher von Ronda ist die „Puente Nuevo“ wie auf dem Titelbild des Beitrags zu sehen ist. Vermutlich schon millionenfach abgelichtet, aber wenn wir schon mal in der Nähe sind, nutzen wir auch die Gelegenheit für einen Besuch. Wir sind dazu auf dem Campingplatz „Le sur“ untergekommen, der ca. 3 km von der eigentlichen Stadt Ronda entfernt liegt. Von hier kommt man zu Fuß – oder auch mit dem Rad – schnell in die Stadt.
Seit Montag hat uns die Küste wieder. Die „Costa del Sol“ oder auch „Costa del Golf“ wie es auf großen Schildern entlang der Autobahn zu lesen ist, ist der südliche Teil der spanischen Mittelmeerküste und endet ein Stück vor Gibraltar. Bis dahin sind es von unserem aktuellen Standort – Manilva – noch rund 40 km. Wir haben uns auf dem Campingplatz „Bella Vista“ für eine Woche eingebucht und genießen Meer und Sonne ohne irgendwas tun zu müssen. Chillen ist angesagt. Der einzige Nachteil: Der letzte Platz den es zu vergeben war auf dem Platz liegt ca. 20 Meter neben der A-7, der Autovía del Mediterráneo. Gefühlt fahren die Autos fast durch unser Wohnmobil 😉
Parcela auf dem CP Bella Vista
Da es aber parallel noch die AP-7 gibt, die „neue“ Autobahn“, ist der Verkehr eher lokaler Natur und lässt gegen Abend und Nachts stark nach. Trotzdem sind Ohrstöpsel angesagt, oder Kopfhörer mit Noise-Cancelling, um ruhig schlafen zu können. Unten am Strand, der CP hat direkten Strandzugang, hört man davon aber nichts mehr. Steht man am Ufer zeigt uns der Blick nach rechts bereits einen anderen Kontinent, nämlich Afrika. Später – wir fahren noch nach Gibraltar und Tarifa – wird er uns noch ein wenig näher kommen, aber bereits jetzt ist es schon ein faszinierendes Gefühl der afrikanischen Küste so nahe zu sein.
Afrika – Foto: h|bDie Berge im Hintergrund gehören zur afrikanischen Küste
Das Titelbild des Beitrags zeigt den Yachthafen von Manilva, zu diesem Ort gehört auch der Campingplatz. Ein Stück weiter nach Norden kommt nach Estepona noch Marbella, aber den Bereich haben wir ausgelassen. Nach Jet Set steht uns aktuell nicht der Sinn. Eher nach Entspannung (Sonne, Meer und Strand), Genießen (Vino, Sangria, Tapas) und dem Gefühl es gut getroffen zu haben, den Stürmen und dem Winter in Deutschland entflohen zu sein. Das uns das möglich ist, macht uns sehr dankbar.
Auf unserer Reise in den Süden Spaniens sind wir auf einer Mischung aus Stell- und Campingplatz in Los Alcazares untergekommen. War ein Tipp auf meine Frage in der Facebookgruppe, wo eventuell noch freie Plätze zu finden seien. Damit haben wir einen Sprung von 160 Kilometer gemacht. Was in dem Tipp leider nicht vorkam, war die exponierte Lage direkt neben dem Flughafen San Javier. Das ist nicht so schlimm, da fliegt aktuell nix.