Frechheit

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Manchmal kann man ja an der Menschheit zweifeln. Die kriminelle Energie von einigen Räubern führt zu absurden Versuchen zu Geld zu kommen, ohne dafür zu arbeiten. In Berlin ist im Moment die Masche entweder brachial mit Autos direkt in Bankfilialen zu brettern und die Geldautomaten durch rammen zu zerstören, oder Geldautomaten in kleinen Ausgabefilialen durch Sprengstoff aufzusprengen.

So geschehen am Wochenende, direkt schräg unterhalb meines Büros. Seit heute ist uns der direkte Weg zur Kantine gesperrt. Holzplatten decken von aussen die Lücke ab und im Vorraum ist die halbe Decke heruntergekommen. Laut Polizeibericht haben „zwei mit Skimasken vermummte Männer am Sonntag früh gegen 5.50 Uhr den Geldautomaten gesprengt und sind nach Zeugenaussagen mit Geldkassetten entkommen. Nach der Explosion nahmen die Männer die Geldkassetten, stiegen in einen bereit stehenden BMW, in dem eine dritte maskierte Person saß, und flüchteten Richtung Bernauer Straße.“ Frecher gehts nicht. Wer sie findet, darf ihnen gerne von mir eine aufs Maul hauen. Echt ey.

Watt is?

Das Meer macht Pause - Foto: h|b
Das Meer macht Pause – Foto: h|b

Eins der frustrierenden Dinge an der Nordseeküste ist häufig die Erkenntnis, dass das Meer immer mal wieder Pause macht und dann an der Küste durch dieses „Watt“ ersetzt wird. Man kann dann nicht mehr schwimmen gehen und in den Wellen herumtollen, sondern nur noch „wandern“. Im Watt. Barfuss. Muss man mögen. Unsere Kinder haben das damals nur mit Gummistiefeln mitgemacht. Barfuss kam nicht in die Tüte. Wenn man erstmal im Watt unterwegs ist, immer schön auf die Tidezeiten achten, macht das ja durchaus Spaß. Man gräbt nach Wattwürmern, bohrt die Zehen in den Schlick (geht nur ohne Gummistiefel), oder plantscht durch die Priele. Mit einer Führung erfährt man noch eine ganze Menge mehr: Zu den im Wattenmeer lebenden Säugetieren zählen Seehunde, Kegelrobben und Schweinswale. Im Schlick tummeln sich Muscheln und Krebse, Faden- und Strudelwürmer. Eine außerordentlich große Artenvielfalt ist hier zu Hause. Nicht umsonst hat die UNESCO das Wattenmeer 2009 als grenzüberschreitende Weltnaturerbestätte anerkannt. Da kann man schon mal für sechs Stunden auf die Wellen verzichten.

Lummerland

Smugglers Paradise

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Heute morgen um acht Uhr brechen wir auf, um mit dem alten Clipper „Lady von Büsum“ zur roten Insel überzusetzen, die weit draussen vor Büsum mitten in der Nordsee liegt. Früher mal Paradies für Schmuggler und Spione, später unter englischer Flagge, wird sie zu Kaiser Wilhelms Zeiten, im Tausch gegen Sansibar, zu einer deutschen Insel, mit hohem strategischem Interesse. Sie wird zum Stützpunkt der Kriegsmarine und soll im dritten Reich dermaßen ausgebaut werden, Stichpunkt „Hummerschere“, dass hier die ganze deutsche Kriegsmarine unterkommen soll. Aber wie so viele andere Dinge auch, wird – aus bekannten Gründen – daraus nichts.

Nach dem verlorenen Krieg ist die Insel nun wieder britisch, bis in den 50er Jahren erneute Verhandlungen schließlich erfolgreich enden, und die Briten zum zweiten Mal Helgoland an die Deutschen übergeben. Diesmal ohne das die etwas anderes dafür hergeben müssen. Von den Zerstörungen sieht man indes nichts mehr, die Insel gedeiht und floriert, zumindest wenn – wie heute – fünf Schiffe gleichzeitig gegen Mittag im Hafen festmachen und rund 2000 Passagiere an Land „gebördet“ werden. Anstatt nämlich einfach im Hafen anzulegen, liegen alle Schiffe vor Anker und kleine einheimische Motorboote setzen die Passagiere über. Eine durchaus lustige Sache, solange der Seegang nicht zu wild ist. Heute ist es relativ ruhig, kein Problem also.

Die Insel ist aufgeteilt in Unter-, Mittel- und Oberland und dort oben kann man sie auf dem Klippenpfad schön umrunden. Wir gehen gegen den Uhrzeigersinn, so sind wir am Wahrzeichen der Insel, der „Langen Anna“ noch relativ allein. Ein Stück weiter taucht der „Lummenfelsen“ mit tausenden Vögeln und einem Mordsgekreische auf. Und es kommen die anderen Schiffstouristen, die, die im Uhrzeigersinn die Insel umrunden. Auf den schmalen Wegen muss man nun aufpassen, sich nicht gegenseitig auf die Füße zu treten und Fotomotive gibt es nur noch gegen Absprache. Wir gehen noch am Berliner Bären, der die Entfernung nach Berlin anzeigt, vorbei, was immer der hier auch tut, und kaufen zollfrei ein. Wie alle. Echt interessante Preise, wenn man eh schon mal hier ist. Nach drei Stunden verlassen wir die Insel wieder und löschen damit einen weiteren Eintrag in unserer laaaangen „Things to Visit“ Liste.

Landpartie

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Nachdem der Regen heute Nacht wirklich wie angekündigt aufgehört hat, und nun sogar ab und zu ein Stück blauer Himmel zu sehen ist, packen wir die Fahrräder vom Wohnmobil und machen uns nach dem Frühstück über Landsträßchen auf den Weg nach Deekelsen. Das soll hier irgendwo sein, jedenfalls wenn man dem Fernsehen glaubt, denn „Der Landarzt“ heilt hier seit nunmehr fast 30 Jahren die echten und eingebildeten Wehwehchen der Bewohner des kleinen Örtchens an der Schlei. Mit Wayne Carpendale ist aktuell der dritte Landarzt im Dienst, vor ihm waren es schon Walter Plathe und Christian Quadflieg.

Aber auf keinem Straßenschild taucht Deekelsen auf, nur kleine Dörfer die irgendwie alle auf -by enden, und die Straßenschilder in Fahrtrichtung zeigen nach Kappeln an der Schlei. Damit liegen wir natürlich goldrichtig, denn dort liegt das Zentrum der Fernsehserie, die es bis heute auf knapp 300 Folgen gebracht hat. Mitten in Kappeln gibt es sogar einen „Deekelsen-Platz“ und nicht weit davon kann man am Stammtisch der „Landarzt Kneipe“ ein Bierchen genießen. Leider läuft die Serie nun aus, die Geschichten sind wohl auserzählt. Die Einwohner Kappelns finden das sehr schade, da ihr Ort doch auch touristisch von der Serie profitieren konnte. Kappeln ist aber auch so auf jeden Fall einen Besuch wert.

Fröschn

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In Damp an der Ostsee gibt es braune Frösche. Jede Menge. Kleine und Große. Wenn man nicht aufpasst wo man hintritt, nimmt man einer Prinzessin vielleicht die einzige Chance ihren Prinzen zu finden und zu heiraten. Weiß aber auch nicht, woran man erkennen kann, welcher dieser kackbraunen Frösche nun vielleicht ein verzauberter Prinz ist. Wahrscheinlich sind es aber eh nur gewöhnliche Erdkröten, die hier herumhüpfen. Von Pfütze zu Pfütze. Von denen gibt es hier übrigens jede Menge, in Damp. An der Ostsee. Dort wo in den Siebzigern die Plattenbauten des Westens entstanden, um die Urlauber unterzubringen. Damp 2000, kennt vielleicht noch der eine oder andere westsozialisierte Urlauber.

Ich war ja eher der Nordseetyp, als Kind immer auf Sylt. In Hörnum. Da gab’s nur Quallen, keine Frösche. Aber jetzt stehen wir hier mit dem Wohnmobil in Damp und lauschen dem Regen der auf das Dach trommelt. Das macht er schon den ganzen Tag. Laut Wetterbericht auch noch die halbe Nacht, bevor es dann nur noch bewölkt sein soll. Den Fröschen scheint es immerhin zu gefallen, die hüpfen fröhlich umeinander. Dabei ahnen sie vermutlich nichts von der Gefahr, die von herumschleichenden Menschen ausgeht, die vielleicht mal aufs Klo müssen. Und ratzfatz ist der arme Frosch nur noch Schleim. Das sind Schicksale. Aber kann man nix machen, menschliche Bedürfnisse gehen da eindeutig vor. Liebe Frösche, müsst ihr aufpassen, sonst gibt es ganz schnell „Autschn“. Ist so.

Seetag(e)

Um den Gästen die Möglichkeit zu geben „anzukommen“, ist der erste Tag einer Kreuzfahrt in der Regel ein Seetag. Man ist den ganzen Tag von Wasser umgeben, kann den Gedanken und den Wellen nachhängen und mit jeder Seemeile den Alltag hinter sich lassen. Dazu bietet sich auf den meisten Schiffen die Bar am Heck an, wo man bei einem Cocktail oder einem Kaffee herrlich entspannen kann. Nebenher ist es natürlich auch eine gute Gelegenheit sich mit dem Schiff näher vertraut zu machen. Es ist schließlich die nächsten Tage die vorübergehende Heimat der Kreuzfahrer.

Der „Seetag“ ist auch meist der Tag, wo es auf Kreuzfahrtschiffen abends „Formal“ heisst, also die Herren zum Essen in Anzug und Fliege und die Frauen im langen, oder in einem Cocktailkleid Im Restaurant erwartet werden. Wer das nicht möchte, muss im Buffettrestaurant essen. Aber irgendwie gehört das ja auch dazu. Die alten Zeiten wieder aufleben lassen, wo Schiffsreisen etwas besonderes waren. Noch dazu auf einem britischen Schiff. It’s exciting. Weiterlesen „Seetag(e)“

Auf dem Hausberg von Bergen

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Hej, Hej, heute morgen gegen 9 Uhr legen wir mit der Queen Mary 2 im Containerhafen in Bergen an. Nachdem die gebuchten Touren auf der Strasse sind, gehen wir gemütlich zum Shuttlebus, der uns ins Zentrum bringt. Zur Talstation der Floyenbahn ist es noch ein kurzes Stück, aber mit 2 Kreuzfahrern in Bergen ist dann klar, dass es hier etwas länger dauert.

Nach einer dreiviertel Stunde können wir dann mit der Standseilbahn nach oben fahren. Auf dem Floyen, dem Hausberg von Bergen haben wir eine fantastische Sicht auf die Stadt und natürlich auf „unser“ Schiff. Die kleine AIDA ist kaum zu sehen 😉

Nach einer kleinen Stärkung, machen wir uns zu Fuß den Berg hinunter, so gibts noch ein paar Bilder der Floyen-Bahn von außen. Als wir das letzte Mal mit der Celebrity Century hier waren, hatten wir dicke Winterjacken an und mussten uns wegen Regens zeitweise unterstellen. Heut zeigt sich Bergen von seiner schönsten Seite, blauer Himmel mit neckischen Wölkchen und um die 22 Grad. Jetzt sind wir zurück auf dem Schiff und relaxen bei Kaffee und Kuchen. Um 17 Uhr legen wir ab und nehmen Kurs auf Andalsnes.

Die Queen

Nach einer gemütlichen Fahrt mit dem ICE checken wir gegen 14 Uhr auf der Queen Mary 2 am Hamburger Cruise Terminal ein. Geht alles extrem problemlos und ist hervorragend organisiert. Hätten wir uns ein Taxi genommen statt zu laufen (Fitnessprogramm zur Vorbeugung), wären wir etwas ausgeruhter angekommen, aber Bewegung ist gut. Nur die Koffer mit den vielen Sachen werden von Meter zu Meter schwerer.

Unsere Kabine ist schnell gefunden, kurzer Check, dann auf zur Schiffserkundung. Erst zum Heck, Poolbar mit schönem Holzboden, sehr schön. Wir holen uns in der Cafeteria etwas Kuchen und einen Kaffee und machen es uns unter der Hamburger Sonne mit Blick auf die Hafencity gemütlich. Bevor wir aufs Zimmer gehen, um die Koffer zu entpacken, erkunden wir noch das Oberdeck. Alles sehr groß und weitläufig. Viel Platz auf der Queen.

Nach dem Auspack- und Wegräumprogramm gönnen wir uns zwei Gläschen des bereitgestellten Champagners und genießen den Ausblick von unserem Balkon auf die Zaungäste. Um 17 Uhr erfolgt die obligatorische Sicherheitsübung auf Deck sieben und danach läuft die Queen Mary aus dem Hamburger Hafen die Elbe hinauf Richtung Nordsee und weiter nach Bergen. Morgen ist Seetag, wie es aussieht bei schönstem Sommerwetter. Bon Voyage.

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