La Sicilia

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Während zwei wilde Katzen um meine Beine streichen, knattert der Padrone mit seiner Mofa heftig gestikulierend über den Platz, um die Neuankömmlinge auf den Millimeter genau ihre Parzelle zuzuweisen. Aus der Küche weht derweil der Geruch von scharf angebratener Knoblauchsoße herüber und über den Olivenbäumen spannt sich ein blauer Himmel, ohne den Anflug einer Wolke bei angenehmen 25 Grad.

Das war einer der Gründe, wieso ich bereits damals, Mitte der 80er Jahre zweimal hier auf Sizilien war. Allerdings mit dem Zug. Von Frankfurt/Main bis nach Siracusa. Warum mit dem Zug? Weil ich Eisenbahner bin und einer der Vorteile dabei ist die Möglichkeit umsonst Zug zu fahren. Nicht nur in Deutschland, sondern auch in weiten Teilen Europas. So kostete uns das Ganze, meine Frau und zwei Freunde waren auch mit von der Partie, lediglich die Liegewagekarten. Reine Fahrzeit: 36 Stunden. Nachtzug von Frankfurt nach Rom, kleine Verschnaufpause, Nachtzug nach Siracusa. Dort holte uns Pierro ab. Weiterlesen „La Sicilia“

Dem Himmel so nah

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Wir haben den Angriff von Neptun überlebt und haben eben mitten in der sizilianischen Diaspora in Avola das CL Finale und den Sieg des FC Bayern gesehn. Glückwunsch. Die zahlreichen deutschen Urlauber waren ja eher so Dortmund orientiert. Wie wir.

Nach dem letzten Bericht haben wir gestern mit der Fähre die Strasse von Messina überquert und sind jetzt auf Sizilien. Wie geplant haben wir sofort den Ätna erklommen, der sich – wie erhofft – wolkenlos präsentiert. Zuerst fahren wir mit dem Wohnmobil zur Basisstation auf 2000 Meter Höhe, um nach kurzer Akklimatisationsphase mit Seilbahn und Unimogbussen auf 2920 Meter zu erhöhen. Ein Bergführer zeigt uns einige Aktivitäten rund um die Bergstation, aber der Aufstieg zum Hauptkrater ist aktuell nicht möglich. Der weite Blick über Sizilien entschädigt dafür mehrfach. Als urplötzlich Wolken aufziehen und den Gipfel verhüllen, ist es Zeit die Talfahrt anzutreten.

In der Nacht haben wir Befürchtungen dass es uns das Wohnmobil vom Plateau weht, so kräftig bläst der Westwind. Vorsichtshalber stellen wir uns mitten in der Nacht noch mal um. Am nächsten Morgen werden wir von heftigem Regen geweckt, wir stehen mitten in den Wolken. Tief unter uns strahlender Sonnenschein. Es wird Zeit „Ciao Ätna“ zu sagen. War schön mit dir.

Entlang erkalteter Lavaströme früherer Vulkanausbrüche erreichen wir Catania und kurze Zeit später Siracusa. Hier bleiben wir den ganzen Tag, besuchen das Teatro Greco, das Orecchio di Dionigi, die Fontane Aretusa und mäandern durch die Stadt, die wir zuletzt 1986 – noch mit dem Zug – besucht haben. Den Abschluss des Tages verlegen wir nach Avola, wo es einen netten Campingplatz am Meer gibt. Der Platz ist fest in süddeutschen Händen, die aus unerfindlichen Gründen Pfingstferien haben. Wir als Berliner setzen den Exotenstatus. Dit is juut, wa. Buena notte oder so…

Vom Kraterrund zu den Tempeln der Antike

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Gestern morgen haben wir dem ersten Vulkan auf unserer Tour „Bon giorno“ gesagt, dem Vesuv. Er versucht uns zwar den Besuch etwas zu erschweren, indem er am steilen Anstieg einen heftigen Regen niederprasseln lässt, so dass unser Wohnmobil mit durchdrehenden Rädern fast keinen Grip findet. Aber unsere Bergziege lässt sich nicht unterkriegen und mit ein bißchen Feingefühl erreichen wir den – noch fast leeren – Gipfelparkplatz. Von hier an heißt es laufen, aber nicht ohne vorher einen Zehner am Eingang als Obulus zu entrichten. Weiterlesen „Vom Kraterrund zu den Tempeln der Antike“

Im Labyrinth von Pompeji

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Heute sind wir fünf Stunden durch die Ruinen von Pompeji gewandert. Um uns herum Unmengen an Gruppen von diversesten Kreuzfahrtschiffen, Schulklassen auf Italienreise und Kindergärten aus der Umgebung. So bevölkert muss sich Pompeji zu Lebzeiten angefühlt haben. In allen Sprachen wird das frühere Leben erklärt und wie es dann zum abrupten Ende kam. Wer das wissen will, kann bei Wikipedia nachschauen, oder den Film „Die letzten Tage von Pompeji“ anschauen. Ist glaub ich aus den Fünfzigern. Weiterlesen „Im Labyrinth von Pompeji“

Via Aurelia

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Wir verlassen in der Früh „La Spezia“ und nehmen die SS1, auch „Via Aurelia“ genannt, unter unsere Räder und bewegen uns gen Süden, vorbei an Livorno, wo auch das Foto entsteht. Ein geplanter Besuch etruskischer Gräber am Pinienstrand von Populonia scheitert an der Bockigkeit einer Parkplatzwächterin, die uns nicht mal eine halbe Stunde auf den massenhaft vorhandenen Busparkplätzen stehen lassen will, obwohl wir bereits ein Ticket gezogen haben – „das sei nicht importante“ – und gerade mal ein piepeliger Bus dort steht. Manney, dann behaltet eure blöden Etrusker halt für euch. Weiterlesen „Via Aurelia“

Alpenquerung für Anfänger

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Heute morgen bei strahlend blauem Himmel draußen gefrühstückt und kurzzeitig noch überlegt zu verlängern, aber der Weg nach Sizilien ist noch weit. Also sind wir um halb neun auf dem Weg zum Gotthard-Tunnel. Mit uns haben allerdings auch Heerscharen von Urlaubern dieselbe Idee – langes Pfingstwochenende – sodass wir um halb zehn das erste Mal stehen. Vor einer Ampel. Auf der Autobahn! Weiterlesen „Alpenquerung für Anfänger“

Schlychweg

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Gruezi miteinand, diese Schweizer sind schon echte Teufelskerle. Bahnverrückt sind sie ja sowieso, aber dass sie auch noch Bergziegengleich mit einer Bahn den Berg erklimmen müssen, toppt dann doch noch mal alles. Mit bis zu 48% Steigung windet sich die Zahnradbahn von Alpnachstad zum Pilates hinauf. Das sieht am Startpunkt aus, wie der Anlaufberg einer Achterbahn. Und nur durch die spezielle Konstruktion mit zwei waagerecht liegenden Zahnkränzen und einer Führungsscheibe ist das Unterfangen überhaupt möglich.

Das ist damit dann auch die steilste Zahnradbahn der Welt und oben in rund 2000 Metern Höhe warten das Panoramahotel und drei Berggipfel um die „Bergsteiger“ mit einem Wahnsinnspanorama über die Luzerner Seen und die umliegenden Berge zu begeistern. Wir sind dann doch lieber untengeblieben, da es schon recht spät war – die letzte Bahn fuhr nach oben und dort angekommen hätten wir grad zehn Minuten Zeit gehabt bis zur Talfahrt – und noch dazu steckten die Berge tief in den Wolken.

Wir stehen auf einem schönen Platz der zu Fuß über einen „Schlychweg“ zu erreichen ist, und genießen den weiten Blick über den Alpnacher See. Ganz hinten scheint noch etwas die Sonne auf die Bergspitzen, aber wir liegen bereits im Bergschatten und genießen das Ende der ersten Etappe. Guts Nächtle alleweil.

Farbrauschen

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Manchmal bietet der Blick über den Deich ein relativ dröges Stück Natur, der Blick durch das Objektiv nichts Aufregendes, nichts wo sich das Auge festhalten kann, was Spannung erzeugt. Warum dann nicht mal die Gelegenheit nutzen, mit der Kamera zu abstrahieren, das Gesehene in ein Gefühl zu übersetzen, dass man am Ende einer langen Fahrradtour am östlichen Ende des Darß verspürte.

Dort stand ich auf einer Aussichtsplattform und schaute Richtung Hiddensee. Über ein wenig grünes Gras, den kurzen Strand, ein wenig Wasser, eine Sandbank und dahinter wieder das offene Meer. Darüber ein schöner blauer Frühlingshimmel. Viele schöne und harmonische Farben, die ich gern gemalt hätte, wenn ich denn Maler wäre. Aber eigentlich bin ich das ja auch, ein Lichtmaler. Also die Kamera raus, Blende zu und ISO runter, so dass eine Belichtungszeit um die 20stel Sekunde angezeigt wird.

Jetzt die Kamera flach aufs Geländer abgelegt und während einer leichten Bewegung von links nach rechts vorsichtig ausgelöst ohne die Bewegung zu unterbrechen. Von rund zehn Versuchen gefiel mir das obige Ergebnis am Besten und bekam noch eine kleine „Nachbehandlung“ am iPad, um den malerischen Charakter ein wenig zu unterstreichen. Könnte ich mir sehr gut an meiner Fotowand vorstellen, als Erinnerung an einen schönen Frühlingstag an der Ostsee.

Aloha

Grünes Meer mit Insel
Südseefeeling an der Ostsee mit kleinem Kameratrick – Foto: h|b

In Zingst wird man ja an jeder Ecke zum Fotografieren ermutigt, immerhin ist hier der „Spirit of Zingst“ zu Hause und einmal im Jahr rücken die Fotografen zum Umweltfotofestival „horizonte zingst“ an. Auf einem der großflächigen Plakate entlang der Straßen entdeckte ich ein Bild das nach einer Südseeinsel aussah. Als Untertitel stand dort allerdings „Weststrand Zingst“. Nun ist der Weststrand in Zingst sicherlich keine Insel und zieht sich kilometerlang den Darß entlang. Vielleicht mit einem Fischauge gemacht? Als ich dann etwas später am äußersten Punkt der Zingster Seebrücke stand fiel mir auf, dass für das Auge der östlichste Punkt im Wasser endet.

Ich habe dann die Kamera so ausgerichtet, dass viel grünes Wasser im Vordergrund zu sehen ist, dass konnte ich später in der Nachbearbeitung noch ein wenig zum leuchten bringen, am oberen Rand der Strand mit Bäumen erscheint um den Inselcharakter zu erzeugen und links der Strand im Wasser endet. In Lightroom das Bild dann am rechten Rand beschnitten etwas nachbearbeitet und einmal vertikal gespiegelt. Als letzten Schritt in Pixelmator die beiden Bilder nun gegeneinander gesetzt und fertig war die Süd-, ähhh, Ostseeinsel. Man könnte jetzt sicherlich noch ein wenig Feintuning an der Spiegellinie ansetzen, um das offensichtliche zu verschleiern, aber mir gefällt es gerade so.

Auf der Pirsch

Weißwangengänse
Weißwangengänse in den Sundischen Wiesen auf dem Darß – Foto: h|b

In Zingst ergab sich für mich die Möglichkeit als Naturfotograf auf die Pirsch zu gehen, da die Weißwangen- oder auch Nonnengans sich aktuell noch in großen Mengen auf den Wiesen auf dem Darß aufhält, bevor sie in arktische Gefilde aufbricht. Gesehen hatte ich sie schon von Barth kommend, aber zum fotografieren war ich dann in den „Sundischen Wiesen“ unterwegs. Auf der Suche nach ihrem Nachtlager hatte ich vom Deich aus den Anflug beobachtet und konnte so den Ort lokaliseren. Weiterlesen „Auf der Pirsch“