Der ewige Mucker

Im Oktober 1966 setzt sich der 18-jährige Hartmut Dietz das erste Mal hinter eine Schießbude und spielt mit seiner Gruppe „Team 331“ zum Jugendtanz der EOS „Karl Marx“ in Calbe auf. Für alle nicht DDR-sozialisierten Leser, das entsprach damals in etwa dem westdeutschen Beatclub, oder der Disco. Damit begann eine bis jetzt 50 Jahre andauernde „Muckerkarriere“, die am letzten Wochenende im Comenius Eck entsprechend gefeiert wurde. Weiterlesen „Der ewige Mucker“

Die Wölfe sind zurueck

Was passiert, wenn die Formen der Ordnung und des Zusammenhalts zerbrechen und Fremdenfeindlichkeit sich wie ein Virus ausbreitet? Wenn moralisch-ethische Regeln ihre Gültigkeit verlieren und die Gesellschaft zunehmend von Angst, Gewalt und Verrohung geprägt wird? Wenn blinder Nationalismus sich breitmacht? Wenn Menschen aus der Enge der eigenen Lebensverhältnisse eine Sichtweise entwickeln wie Kaninchen im Stall? Wenn Staaten, der inneren Verrohung folgend, auch nach außen aufrüsten und aggressivere Töne anschlagen würden? Was also passiert, wenn der Mensch des Menschen Wolf wird?  Weiterlesen „Die Wölfe sind zurueck“

Blechbüchsenarmee

Die Müllmänner (Trash People) vom Aktionskünstler HA Schult wandern bereits seit 20 Jahren um die Welt. Sie haben die Pyramiden von Gizeh gesehen, standen auf der chinesischen Mauer, und bildeten als „Matterhorn People“ eine grandiose Kulisse am „Stellisee“. Sie mahnen zu Umweltschutz und nachhaltigem Umgang mit der Natur, symbolisieren die Ausgegrenzten und Ausgebeuteten dieser Welt und sind aus Blechdosen und anderem Zivilisationsmüll zusammengebaut.

Müllmänner in der Grube - Foto: h|b
Müllmänner in der Grube – Foto: h|b

200 der lebensgroßen Figuren standen für dieses Wochenende in der Baugrube zum Schinkelplatz-Wohnquartier direkt neben der Friedrichswerderschen Kirche.  Die Baugrube neben der letzten noch ganz erhaltenen Schinkel-Kirche steht unter besonderer Beobachtung, weil der Bau von Luxuswohnungen auf der anderen Seite zu bleibenden Schäden an dem neugotischen Gebäude geführt hat.

UNPLUGGED ON A BOAT

Wir hatten gestern Abend die Möglichkeit an einem Event teilzunehmen, den „SOHOSessions„, die das erste Mal auf der Warnemünder Woche stattfanden. Der Veranstalter kündigte das mit folgenden Worten an: „sohomen.de veranstaltet am 9. Juli 2016 mit den SOHOSessions ein gigantisches Event, das nicht nur mit einer beeindruckenden Location, sondern natürlich auch mit einzigartigen Künstlern überzeugt. Ivy Quainoo, Gewinnerin von “The Voice of Germany” 2012 und inzwischen erfolgreiche Entertainerin, führt dabei durch das Event. Sie stellt die Musiker in kleinen Interviews als Künstler und Menschen vor.“ Und mit von der Partie waren noch Ryan Keen, Lùisa und Madeline Juno. Weiterlesen „UNPLUGGED ON A BOAT“

Flussbad Berlin

Die zahlreichen Zuschauer am Bodemuseum zählen lautstark rückwärts von 10 – 0. Dann erfolgt der Startschuss und die ca. 30 Schwimmerinnen bringen kurzfristig das gemächlich dahinfließende Spreewasser zum Brodeln. Im Rahmen der Werbung für ein Flussbad in der Spree, stieg heute der „Flussbad Pokal 2016„, nach 2015, der zweite seiner Art. Weiterlesen „Flussbad Berlin“

The Race

Am Wochenende konnte ich wieder mal das „mitziehen“ mit der Kamera üben. Die Radfahrer des Berliner Velothons kreuzten meinen Kiez und nach einem kurzen Spaziergang hatte ich meinen Platz am Ausgang der Oberbaumbrücke Richtung Mühlenstraße gefunden. Groß vorbereiten und einen besseren Platz suchen konnte ich nicht, war eh schon ziemlich spät und die Radler kamen nur noch sporadisch in kleinen Gruppen.

Was brauchts fürs mitziehen? Hohe Blende, niedrige ISO ergibt lange Belichtungszeit. Stabilisator aus, ganz wichtig, dann ruhig visieren, erfassen, mitziehen und in der Bewegung auslösen. Klappt nicht jedesmal, aber mit einer Digitalkamera ist das ja kein Problem. Alle Bilder der Serie (bis auf das WW) entstanden bei Blende 18 / ISO 200 und 1/60stel Sekunde. Kamera: OM-D E-M5 mit dem 40-150mm PRO.

Trügerische Sicherheit

Kunstaktion des Künstlers Ai Weiwei in Berlin

Wer heute Abend zur „Cinema for Peace“ Gala geladen ist, muss direkt durch ein Kunstwerk des chinesischen Künstlers Ai Weiwei hindurchschreiten. 2000 Rettungswesten von den Stränden der Insel Lesbos zieren die sechs Säulen des Konzerthauses Berlin und machen auf die gefahrvolle Flucht nach Europa aufmerksam. In Lesbos gibt es inzwischen ganze „Rettungswestenfriedhöfe“ mit über 100.000 Rettungswesten. Weiterlesen „Trügerische Sicherheit“

Ich bau dir ein Schloss

Schlosskuppel im Abendlicht

Während im Vordergrund der Weihnachtsmarkt vor dem roten Rathaus aufgebaut wird, leuchtet im Hintergrund die Kuppel des neuen Schlosses in der herbstlichen Abendsonne. Wird die Fertigstellung des Schlosses noch eine Weile auf sich warten lassen, eröffnet die „Berliner Weihnachtszeit“ bereits am 23. November seine Tore. Eines der Highlights wird wie jedes Jahr die Schlittschuhbahn rund um den Neptunbrunnen sein. Einer der schönsten Berliner Weihnachtsmärkte, auch wenn der Platz durch den U-Bahn-Bau etwas eingeschränkt ist.

Es werde Licht

Festival of Lights - Berliner Dom

Es ist ein wenig wie „Groundhogday“. Erster Gedanke: „Ach herrje, ist es schon wieder so weit?“ Es wird wieder früh dunkel, und damit trotzdem noch Besucher nach Berlin kommen, hat man vor ein paar Jahren das „Festival of Lights“ erfunden. Bekannte Gebäude werden mehr oder weniger spektakulär illuminiert und von Fotografen millionenfach auf die Speicherkarte gebannt. Viel Neues gibt es in diesem Jahr nicht. Die Animationen am Brandenburger Tor waren aus meiner Sicht das Beste, der Rest wie immer. Let the Show go on.

Sterngucker

Charlie Brown vor einem Spiegelteleskop

Bevor wir wieder in die Großstadt zurückkehren, treffen wir uns am Samstag noch mit einem lieben Arbeitskollegen an einem der dunkelsten Orte in Brandenburg. Dunkel bedeutet für Astronomen die Abwesenheit von Licht, möglichst komplett. Der Ort Jeßnigk bietet einen Wert von 6.5 mag und besser, was immer das genau bedeuten mag. Leider glänzt der Samstag deutschlandweit auch durch die Abwesenheit von klarem Himmel, so dass es zwar dunkel ist, man aber trotzdem nichts sehen kann.

Als die Sonne gegen acht untergeht, lockert der Himmel allerdings etwas auf und leichte Hoffnung keimt auf. Zumindest bei mir. Die rund 300 anwesenden Hobbyastronomen beim 16. HTT sind da etwas pessimistischer und halten sich lieber an Wein und Bier. Sie glauben nicht mehr an ein Wunder. Ich muss ja, schließlich bin ich extra deswegen hier in die Einöde gekommen. Und das Warten wird auch belohnt.

Als ich um halb zehn wieder mal nach oben schaue um die Lage zu peilen, verstehe ich endlich den Sinn des Liedes: „Weißt du wie viel Sternlein stehen?“. In Berlin ist das einfach zu beantworten: 5! Hier in Jeßnigk erschlägt mich der Blick nach oben. Sterne über Sterne, Tausende, inklusive Milchstraße. WOW. Ich bin begeistert. Die Profis eher so: Naja, könnte besser sein. Ich darf sogar mal in ein Spiegelteleskop nach einem Ringnebel schauen, aber der grandiose Blick einfach nach oben an das große Himmelszelt ist ungleich faszinierender. Nach einer Stunde ist der Spuk vorbei, alles zieht wieder zu. Aber für diese Stunde hat sich die Reise gelohnt.