Sysiphusarbeit

20131009-214728.jpgDer Kleber klebt Plakate – Foto: h|b
Wer ab und an durch Friedrichshain läuft, speziell die Gegend um die Warschauerbrücke, wird Laternenmasten sehen, die meterdick von Plakaten ummantelt sind, Stromkästen, die doppelt so tief sind, wie zu ihrer Aufstellung und Mauern gegen die man fallen könnte, ohne sich zu verletzen. Auf den Plakaten wird für alles mögliche geworben, hauptsächlich aber für Partys, Konzerte, neue CDs, Künstler….

Zu bestimmten Zeiten ziehen die Kleber durch den Kiez, zu Fuß oder auf dem Fahrrad, mit Wägelchen und Leiterchen. Aber immer mit einer Menge neuer Plakate, Kleistereimer und dickem Pinsel. Manchmal folgen sie so dicht hintereinander, dass die erste Plakatschicht kaum trocken ist, bevor die nächste Schicht geklebt wird. Was das Ganze bringt, hat sich mir auch noch nicht so recht erschlossen. Ich vermute es gehört zur Kiezfolklore.
20131009-214832.jpgDie BSR sammelt sie wieder ein – Foto – h|b
Aber an und ab ist „Ausmisttag“. Da zieht die BSR durch den Kiez, bewaffnet mit Spachtel und Messern und fetzt alle Plakatschichten der letzten Wochen ab. Von den Mauern, vom Stromkasten, von Laternen- und Ampelmasten. Die versammelte Clubkultur liegt zerfetzt und vermatscht auf der Erde und wartet auf die nachfolgenden Aufräumkommandos. Ab morgen gilt dann wieder: Gott gebe, es klebe.

Ab durch die Mitte

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Wenn ich mit dem Zug von Berlin nach Frankfurt fahre, gehts ja normalerweise ums Eck. Erst fährt der ICE von Berlin aus rund zwei Stunden nach Westen, bevor er hinter Hildesheim abrupt nach Süden abbiegt, die Geschwindigkeit auf 250 km/h erhöht und sich ab dann überwiegend in Tunneln aufhält. Da diese Strecke bei Magdeburg durch Hochwässerschäden aber aktuell gesperrt ist, fahren wir jetzt den mehr oder weniger direkten Weg nach Frankfurt. Leider fällt für mich dabei der Ostbahnhof als Startort weg. Ist sonst sonst sehr praktisch vor der Haustür einsteigen zu können.

Nun muss ich also zum Hauptbahnhof in den kalten Keller, wo der ICE bereitgestellt wird. Immerhin der klassische Einser, somit ist genug Platz. Auch in der ersten Klasse. Nach kurzer Aufwärmphase hält er noch schnell am Südkreuz, bevor er richtig Gas gibt und versucht Brandenburg schnellstmöglich zu durcheilen. Dabei tangiert er Orte wie Bülzig und Zörnigall. Nie gehört. Aber endlich mal was anderes als das große „Nichts“ zwischen Spandau und Wolfsburg. Wir fahren aber auch durch die Klassiker, Lutherstadt Wittenberg, Halle und Bitterfeld, was ich von ’69 ganz anders in Erinnerung hatte, irgendwie …. farbiger und geruchsintensiver, und erreichen dann bei Naumburg/Saale das Unstruthtal. Wir sind in Thüringen. Weiterlesen „Ab durch die Mitte“

Treppauf, Treppab

Jeden Dienstag, nach Büroschluss, führt mich mein Weg in den Rudolfkiez in Friedrichshain. In einem Backsteinloft am Ende der U-Bahn Abstellanlage der U 1 befindet sich ganz oben unter dem Dach das „Expert-Training“. Früher hieß es mal „Kieser-Training“, aber man hat sich irgendwie verkracht. Eine Weile war auch die Abbuchung der Mitgliedsbeiträge etwas chaotisch, der frühere Franchisenehmer hatte angeblich was damit zu tun, aber zwischenzeitlich funktioniert wieder alles.

Treppab

Jeden Dienstag, es ist wichtig es regelmäßig zu tun, ersteige ich beschwingt die Treppe in der Rudolfstraße, und hole mir am Tresen meinen Spindschlüssel ab. Im Gegensatz zum klassischen Fitnesscenter ist es ruhig und entspannt. Einzelne Männer und Frauen sitzen an den verschiedenen Geräten und ziehen, stoßen oder drücken 90 Sekunden lang ihre Gewichte. Ich ziehe mich um, starte im iPhone die Kieser APP und beginne mit dem Training. 10 Stationen, jeweils 12 Wiederholungen, rund 30 Minuten lang, schön langsam. Muskelaufbau. Irgendwann habe ich mal ausgerechnet was ich pro Training an Gewichten bewege. War ne ganze Menge.

Treppauf

Jeden Dienstag, auch wenn ich mich manchmal motivieren muss, tausche ich, ungefähr 40 Minuten nach Trainingsbeginn, wieder Schlüssel gegen Mitgliedskarte und trolle mich von dannen. Meine Muskeln fühlen sich gut an, ich kann wieder aufrechter gehen. Muss mich nicht so hängen lassen. Das Grundprinzip dieses Trainings ist es ja die Muskulatur zu stärken, die dann, solcherart gestärkt, den Rücken unterstützt. An der Treppe zur U-Bahn-Station Warschauer Straße merke ich zwar meine Beinmuskeln, aber ich komme ohne zu japsen oben an. Der Weg nach Hause vergeht fast wie im Trance, dann wartet die Couch.

Nächsten Dienstag warten sie wieder auf mich. Erst die Treppen. Dann die Gewichte. Dann die Couch. Dienstag, ein fixer Punkt im Ablauf der Gezeiten.

Herbstanfang in Berlin

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Heute ist Herbstanfang. Das Wetter belohnt den Tag, im Gegensatz zur abgelaufenen Woche, mit einem richtig schönen Sonnentag. Obendrüber ein paar Wolken, auch mal Dunkle, aber es ist trocken und teilweise richtig warm. Wir machen uns auf in den Westen, mal sehn, ob noch iPhones im Angebot sind. Der Applestore am Ku’Damm ist gut gefüllt mit Menschen, aber die neue Generation iPhones gibt es heute nur zum anfassen, nicht zum mitnehmen. Die erste Lieferung ist komplett verkauft, wann es Neue gibt, kann niemand sagen. Ist wahrscheinlich auch besser so, am Ende wären wir nur wieder schwach geworden. Weiterlesen „Herbstanfang in Berlin“

Partymacher mit 150 Jahren

... bitte hier die eigenen Gedanken einfliessen lassen - Foto: h|b
… bitte hier die eigenen Gedanken einfliessen lassen – Foto: h|b

Als Nena am späten Abend auf der Haupttribüne am Brandenburger Tor ihren Superhit „99 Luftballons“ anstimmt, steigert sich die Begeisterung der anwesenden Zuschauer noch mal zu einem Höhepunkt. Das es sich hier eigentlich um eine Geburtstagsfeier handelt, spielt sicher keine Rolle mehr. Den ganzen Tag schon flanieren die Besucher über die – mal wieder für die Autofahrer gesperrte – Strasse des 17. Juni, vorbei an Ständen mit Essen und Trinken, aber auch welche für die geistige Erbauung. So stehen viele Vertreter des Geburtstagskindes den Bürger Rede und Antwort. Weiterlesen „Partymacher mit 150 Jahren“

Reserviert

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Verdutzt rieben sich die Menschen heute morgen gegen halb acht auf dem Weg zum Hauptbahnhof die Augen. Hatte die unselige Angewohnheit der Deutschen und Engländer, die Liegen am Urlaubsstrand morgens in aller Herrgottsfrühe schon mit Handtüchern zu belegen, nun auch den Capital Beach erreicht? Alle verfügbaren Liegen waren weithin sichtbar mit roten Handtüchern belegt.

Ein weißer Schriftzug darauf wies dann allerdings schnell die Lösung. Eine Online-Buchungsplattform, beziehungsweise App, für Hotels, verlängerte kurzerhand – gefühlt – das Urlaubsfeeling der wieder zurückgekehrten Berlinerinnen und Berliner und drapierte die roten, kuscheligen Tücher entlang des Spreebogens. Nach der Aktion – gegen zehn Uhr – konnten diese direkt von den Gästen mitgenommen werden. Für uns das perfekte Utensil für einen herrlichen Wannseetag mit den Enkelkindern.

Abendrot

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Heute Abend gab es mal wieder einen dieser genialen Sonnenuntergänge bei denen sich der Berliner Himmel blutrot verfärbt und mit der richtigen Wolkenformation ein herrliches Bild zeigt. Der Tag begann ja heute morgen mit Blitz und Donner und zeigt sich dafür am Abend versöhnlich, mit einer Verheissung auf weitere schöne Sommertage, die aber nicht mehr so heiss werden. Es hat kräftig abgekühlt und draussen sind es um 22 Uhr gerade noch 20 Grad. Das verspricht eine angenehme Nacht.

Berlin im Fieber

Unbarmherzig knallt die Sonne vom blauen Himmel - Foto: h|b
Unbarmherzig knallt die Sonne vom blauen Himmel – Foto: h|b

„Am Samstag und Sonntag bekommt Deutschland Fieber. Wir erwarten das bisher heißeste Wochenende des Jahres“ sagt Andreas Friedrich, vom Deutschen Wetterdienst (DWD). War es Anfang des Jahres die nordatlantische Oszillation die uns in Berlin einen harten und ewig dauernden Winter bescherte, verdanken wir die aktuellen Sommertage einer „Omega“ Wetterlage. Dabei sind wir in der Mitte eines angenommenen Omegas, von oben strömt trockene, skandinavische Luft zu uns, und um uns herum stabilisieren zwei Tiefdruckgebiete diese Konstellation. Das führte bisher zu einer stabilen und trockenen Hochdrucklage, verhinderte aber auch den dringend notwendigen Regen. Seit dem 2. Juli hat es jetzt in Berlin nicht mehr geregnet. Ab morgen dreht sich das Ganze nun und es strömt heiße Luft aus Nordafrika auf direktem Wege über das Mittelmeer zu uns. Im Zusammenspiel mit der Sonneneinstrahlung steht daher das bisher heißeste Wochenende des Jahres bevor. Ich werde dann wohl den Keller mal wohnlich einrichten gehen.
Brunnen machen das Klima erträglich - Foto: h|b
Brunnen machen das Klima erträglich – Foto: h|b

Pack die Badehose ein

Badevergnügen am Schlachtensee - Foto: h|b
Badevergnügen am Schlachtensee – Foto: h|b

Wenn Berlin über den Sommer stöhnt, begibt es sich zu den zahlreichen Seen im Umland um sich am Wasser zu erholen. Als wir das vor ein paar Jahren mal am Müggelsee versucht haben, mussten wir feststellen, dass die Menge der berlinnahen Seen nicht für die ganzen Sonnenhungrigen ausreicht. Damals war echt jedes freie Dreckplätzchen am See belegt. Und der Müggelsee ist ja nun nicht klein. Da unser Lieblingssee inzwischen im Westen liegt, haben wir heute wieder mal vorbeigeschaut. Hatte vorher noch mal schnell im Blog recherchiert, unser letzter Besuch fand in der frühen Eiszeit statt. Das letzte Bild aus dem März diesen Jahres zeigt einen zugefrorenen Schlachtensee.

Kalt ist es nun heute überhaupt nicht, im Gegenteil, jeder Schattenplatz ist heiß begehrt. Ob am Wasser, auf dem Rundweg, oder später im Cafe. Die Sonne knallt erbarmungslos vom blauen Himmel. Kein Wölkchen trübt den Blick nach oben. Der See ist buntgetüpfelt mit Ruderbooten, zwischen denen vereinzelt die Köpfe der Schwimmer zu sehen sind. In der Luft hängt ein leichter Grauschleier, verursacht durch den Staub, den Jogger, Radler und Hunde vom Weg aufwirbeln. Da nur ein minimales Lüftchen weht, hat er kaum Zeit sich zu setzen. Auch an diesem See sind viele Uferplätze belegt, aber wer will, findet am Mittag immer noch ein kleines Fleckchen für sein Handtuch. Da wir aber nicht vorhaben zu baden, drehen wir nur unsere übliche Runde, rasten bei einem Weizenbier im Cafe und fahren wieder zurück in die mit Hitze aufgeladene Stadt. Müssen den Sommer doch genießen. Bevor die nächste Eiszeit kommt.

Der Weg ist das Ziel

Mein Fahrrad und ich auf dem Weg - Foto: h|b
Mein Fahrrad und ich auf dem Weg – Foto: h|b

Der Sommer ist in der Stadt, eine gute Gelegenheit mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren. Wenn ihr ein wenig Zeit habt, nehme ich euch mit auf den Weg. Meine kleine neue Olympus habe ich auch dabei, Modus schwarz-Weiss, harter Kontrast. Morgens ist es noch schön kühl, allerdings nur wenn man nicht direkt der Sonne ausgesetzt ist. Wenn man zügig fährt, hilft auch der Fahrtwind noch. Vom Comeniuspark fahre ich Richtung Karl-Marx-Allee und vorbei am Friedrichshainer Volkspark, wo das erste Fotomotiv wartet. Weiterlesen „Der Weg ist das Ziel“