98 Jahre würde es ungefähr dauern, bis der Bodensee ausgetrocknet wäre, hat der Südkurier letzt ausgerechnet. Vorausgesetzt, es würde die ganze Zeit nicht regnen. Wo vor zwei Jahren noch Wege überschwemmt und sogar gesperrt waren, ziehen sich die Uferzonen inzwischen weit in den See hinein.

Die Gäste des Landhotels Fischerhaus in Seefelden müssten im Moment weit laufen, um den See zu erreichen. Einfach mal in den See springen, ist seit einiger Zeit nicht mehr möglich. Selbst wenn man den See am Ende durch den Schlick erreichen sollte, ist es bis zu ersten Schwimmbewegungen noch ein langer Weg.

Die Schweizer messen den Bodenseepegel seit geraumer Zeit und haben mitgeteilt, dass seit 135 Jahren kein solches Niedrigwasser am Bodensee mehr aufgezeichnet wurde. Es gibt also aktuell keine lebende Person, die das schon mal in dieser Form erlebt hat.
Der aktuelle Pegel bei Konstanz liegt heuer bei 2.48m, ein – im wahrsten Sinne des Wortes – historischer Tiefstand. Die Schifffahrt auf dem Untersee wurde inzwischen eingestellt und wie die aktuelle Webcam zeigt, ist der Rheinfall in Schaffhausen eher ein Rheinfällchen. Im August des Vorjahres lag der Pegel mit 3.80 m noch fast 150 cm höher. In Litern macht das sagenhafte 8 Billionen Liter Wasser, die dem Bodensee abhanden gekommen sind.


Auch in Unteruhldingen zeigen sich die bekannten Pfahlbauten aktuell wasserlos. Hätten die damaligen Erbauer die Häuser überhaupt auf Pfählen gebaut, wenn es so ausgesehen hätte?

Die Ursache für den sinkenden Pegel lässt sich klar an der Wasserbilanz ablesen. Die zwölf Hauptzuflüsse des Bodensees speisen derzeit zusammen rund 89 Kubikmeter pro Sekunde in den See. Über den Seerhein bei Konstanz fließen dagegen etwa 160 Kubikmeter pro Sekunde ab.
Daraus ergibt sich ein Netto-Defizit von gut 71 Kubikmetern pro Sekunde – der See verliert also kontinuierlich Wasser. Hinzu kommt die Verdunstung, die an gewöhnlichen Tagen bereits bei rund 9,2 Kubikmetern pro Sekunde liegt. Während der heißen Sommertage dürfte der Wert wesentlich höher gelegen haben.

Man konnte sehr gut am Dunst über dem See erkennen, wie sich die Sonne ihren Anteil am Wasser holte. Leider wanderte das Wasser anschließend woanders hin, Regen gab es kaum in diesem Jahr am Bodensee. Gut für Touristen, schlecht für die Wasserbilanz. Und nicht nur für die am See. Was bräuchte es also für eine Regeneration des Sees. Viel Regen, ein extrem nassen Herbst und Winter und viel Schnee in den Alpen am Oberrhein. Die Chancen dafür stehen allerdings nicht sehr gut.

