Lockdown light

Vor einem Jahr habe ich mit dem Fahrrad eine kleiner Coronarunde entlang der Berliner Touristenhotspots gemacht. Der Titel Geisterstadt war damals durchaus berechtigt. Das Virus war neu, sogar die Spielplätze waren mit rot-weißem Flatterband abgesperrt und die Straßen und öffentlichen Plaätze waren wirklich leer. Das Wetter war ähnlich, auch die Zeit passt. Was nicht passt ist der Inzidenzwert. Der lag im März 2020 in Berlin bei 35, alles war zu. Aktuell liegt der Wert berlinweit steigend bei rund 141 (!). Und es sieht draußen aus wie ein normaler Frühlingstag. Einzig die Touristen fehlen noch.

Was immer noch zu ist: Gaststätten (auch draußen), Kinos, Theater. Jedwede Kultur ist weiterhin nicht zugänglich, von kleinen Experimenten mal abgesehen. Was ist noch anders? Die Leute sind müde, oder „müdent“ wie eine neue Sprachschöpfung aus der Twitterwelt erklärt, eine Mischung aus müde und wütend. Müde, dass nach einem Jahr das Virus immer noch unser Leben bestimmt, bzw. eher unsere Freizeit und wütend, dass wir inzwischen sehenden Auges in die 3. Welle gerauscht sind, weil niemand aus der Politik einen harten Lockdown durchsetzen will. Es wird geeiert ohne Ende, heraus kommen irgendwelche Regeln die inzwischen keiner mehr versteht.

Was ist noch anders? Es wird weniger gestorben, da die Bevölkerung über 80 und mit Vorerkrankungen inzwischen weitgehend geimpft ist. Es gibt Impfzentren und drei verschiedene Impfstoffe. 10% der Bevölkerung in Deutschland sind inzwischen geimpft. Aber es geht einfach zu langsam, da nicht genügend Impfstoff zur Verfügung steht. Das ändert sich hoffentlich nach Ostern, dann soll schneller geimpft werden. Wer nicht geimpft ist, kann sich – zumindest in Berlin – täglich testen lassen, es gibt gut 170 Testzentren, die Apotheken dürfen ebenfalls testen. Sogar für zu Hause gibt es inzwischen Testkits.

Man kann sich also schützen, aber die Infektionen schreiten weiter kräftig voran. Schulen und Kitas sind weiter geöffnet, Homeoffice machen gerade mal 20% der möglichen Beschäftigten. Es bleibt schwierig, aber ein Ende ist absehbar. Mit viel Geduld haben wir es heute geschafft einen Termin für unsere Impfung zu bekommen, da AstraZeneca in Berlin spontan für die Gruppe der 60-69jährigen freigegeben wurde. Ganz ohne Einladung und Impfcode. Heureka.

Und wie beim ersten Beitrag auch hier wieder die Bilder der zweiten Coronarunde durch Berlin. Die Hotspots sind weiterhin recht verwaist, dafür sind bei frühlingshaften Temperaturen und Sonnenschein die Parks voll mit Menschen. Wer kann es ihnen verdenken. Abstand wird einigermaßen eingehalten, Masken trägt hier aber so gut wie niemand.

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