Lieferhelden – Corona Heroes

Ich kann mich gut daran erinnern, als vor rund 10 Jahren die ersten bunten Kisten auf Rädern mit dem Schriftzug „Lieferheld“ durch Berlin fuhren. Auf dem Rücken oder dem Gepäckträger die Wärmebehälter für Pizza, Burger oder was auch immer die hungrigen Empfänger per App bestellt haben. Essen auf Rädern, nicht mehr nur für ältere Menschen, sondern für hippe Großstadthedonisten denen ausgehen zu anstrengend ist. Die Geschichte von „Lieferheld“ ist kurz, nur ein Jahr später wird das Berliner Startup von „Delivery Hero“ übernommen. Wer wissen möchte wie die verschiedenen Lieferdienste entstanden und vergingen, kann das in dem folgenden Artikel in Wikipedia nachlesen.

Bestellung per App
Bestellung per App – Foto: u|b

In Zeiten wie diesen hat das Ganze nochmal an Bedeutung gewonnen. Zu Hause in Friedrichshain beginnt der Aufbau der Lieferkette am Smartphone mit der App von „Wolt“ – übrigens ein neuer Player auf dem umkämpften Berliner Liefermarkt. Die Auswahl ist schnell getroffen, eine Pizza Mista soll es sein. 

Woltfahrer übernimmt Bestellung
Übergabe der Bestellung – Foto: h|b

Nach absenden der Bestellung poppt bei einem der Auslieferer die Bestellung auf, parallel auch bei unserer Lieblingspizzeria in Friedrichshain. Die Lieferzeit liegt je nach Tageslage zwischen 30 und 50 Minuten. Man sollte also besser nicht erst bestellen, wenn der Magen schon knurrt. In angesagten Lokalitäten geben sich Restaurantbetreiber und Fahrer die Tüten und Pizzaschachteln im Minutenabstand über den Tresen.

Woltfahrer unterwegs in Friedrichshain
Die Zeit läuft – Foto: h|b

Ab jetzt läuft die Zeit. Das Essen soll möglichst warm beim Kunden ankommen, die Adresse wird verifiziert und los gehts. Seit damals wollte ich schon mal eine Fotostrecke über die Lieferdienste machen, allerdings waren sie da eher noch vereinzelt unterwegs. Inzwischen reicht eine günstige Position auf dem Mittelstreifen der Warschauer Straße und rechts und links fliegen sie vorbei. Mal Blau, mal Orange, auch von weitem schon gut zu erkennen, so dass man optimal Position beziehen kann. Hier ein paar Impressionen der „Lieferhelden“.

Wenn nichts dazwischen kommt, ist das Essen auch wirklich warm, meistens aber eher schon etwas lau. Bezahlen muss man dem Lieferanten nichts, die komplette Abrechnungskette läuft über die jeweilige App. Es spricht natürlich nichts gegen ein entsprechendes Trinkgeld, wenn die Pizza den 4. Stock ohne Fahrstuhl erreicht hat. Die Vergütung der FahrerInnen die in 10 Stundenschichten und 6 Tage die Woche unterwegs sind, hält sich eher in Grenzen. Angeblich ist es fair, aber das kann man vermutlich unterschiedlich sehen. 

Pizza Mista
Die warme Pizza Mista – Foto: h|b

Am Ende sind wahrscheinlich alle zufrieden: Der Restaurantbetreiber der durch Corona und daher ohne Gäste Umsatz machen kann, die Hungrigen die ihr Essen gebracht bekommen, bei den FahrerInnen bin ich mir nicht sicher. Auch die Aktionäre von „Delivery Hero“ sollten zufrieden sein. Seit Beginn der Pandemie im Frühjahr diesen Jahres ging es mit dem Börsenkurs stetig nach oben. Erst kürzlich wurden über 2 Milliarden frisches Kapital eingesammelt. Und dass, obwohl das Geschäftsmodell immer noch leicht zweifelhaft ist.

Recycling Pizzaschachteln und Liefertüten
Das Ende der Kette – Foto: h|b

Die Lieferkette für diesen Beitrag ist natürlich nur gestellt, unsere Lieblingspizzeria „Portofino“ ist gerade mal 2 Minuten zu Fuß entfernt und während wir dort persönlich auf unsere bestellte Pizza warten, vertreiben wir uns die Zeit bei einem Glühwein. Glühweinausschank ist übrigens der neue „Heisse Scheiß“ vieler Läden in den Ausgehvierteln Berlins in diesen Coronazeiten. In der Simon-Dach-Straße mutiert das schon zu kleinen Pseudo-Weinachtsmärkten. Eigentlich ist ja nur „To-Go“ erlaubt, aber es gibt genug Sitzgelegenheiten, und nach dem ersten Glühwein folgt ja schließlich auch der zweite und der Dritte. Ich wünsche euch einen schönen zweiten Advent und Nikolausi.

Glühweinstand in der Simon-Dach-Straße
Weihnachtsmarktersatz – Foto: h|b

Alle Fotos im Rahmen unserer Fotoclubaufgabe „Lockdown“ mit einer Olympus OM-D E-M5II und verschiedenen Objektiven.

2 Antworten auf “Lieferhelden – Corona Heroes”

  1. Sehr einfühlsam be(l/r)ichtet. Im Freundeskreis habe ich einen Ausfahrer, der ist ganz zufrieden mit dem Job. Allerdings ist er Engländer und als solcher gewohnt, bei Wind und Regen draußen unterwegs zu sein. Aber diese Art von Jobs machst du nur als junger Mensch und dann nicht für lange. Liebe Grüße Jürgen

    1. Danke dir. Das ist hier auch so, die „Amtssprache“ der Fahrer ist wohl meist englisch. Klingt immer lustig wenn sie die Bestellnummer vorlesen und Mamma Miraculi aus der Pizzeria versucht das zu verstehen 😉

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