Grenzlinien

„Do you remember the 9th of November?“ Das fragen sich dieser Tage wieder gegenseitig Zeitzeugen und Menschen, die die Öffnung der Mauer damals bewusst mitbekommen haben. Erinnerst du dich und wo warst du? Ich war zu Hause im beschaulichen Steinbach in der Nähe von Frankfurt am Main und für mich war die DDR relativ weit weg. Früher – als ich noch in der Nähe von Kassel gewohnt hatte, im sogenannten „Zonenrandgebiet“ – war sie etwas näher. Wir sind ab und an mit den Eltern in die Nähe von Bad-Sooden Allendorf zur Werra gefahren und haben mit leichtem Schaudern hinüber auf die riesigen Grenzschneisen geschaut, die die Waldhänge herunterkamen und West von Ost trennte. Oder andersrum. Echt gruselig für uns Kinder.

Heute sind die Grenzen ja fast alle verschwunden. Zumindest optisch, in den Köpfen entstehen sie ja leider wieder aufs Neue, angefacht von populistischen Zündlern, die sich vom Aufhetzen der Menschen einen persönlichen Vorteil versprechen. Davon ist diese Tage aber in Berlin nicht viel zu spüren, es überwiegt die Freude in einem gemeinsamen Land zu leben. Zur Erinnerung und zur Mahnung sind an verschiedenen Orten in Berlin Installationen aufgebaut, die sowohl das Davor als auch das Danach beleuchten. Und das im wahrsten Sinne, sind es doch meist multivisuelle Erinnerungen die auf Bauwerke projiziert werden. Zum Beispiel auf der Rückseite der East Side Gallery, der Hinterlandmauer direkt an der Spree.

Ist normalerweise nur die eine Seite der Kunst gewidmet, spielt diesmal die extra dafür geweißte Rückseite die Hauptrolle und lässt die Wendezeit lebendig werden. Wie man auf dem Titelbild schön sehen kann, ist es eher der Westen der heute im Dunklen bleibt, während die Ostseite mit dem Mercedes-Benz Viertel die Spree dominiert. Der Aufbau Ost leuchtet als gäbe es kein Morgen. Die blauen Bojen in der Spree symbolisieren dabei den Grenzverlauf. Mag sein, dass Berlin die Ausnahme ist, aber auch andere Gegenden der ehemaligen DDR haben sich fein herausgeputzt in den letzten 30 Jahren. Nur die Menschen, die Unzufriedenen vor allem, stehen weiter irgendwie im Dunklen. Schade eigentlich, es gibt vieles was erreicht wurde und auf dass man stolz sein kann. In erster Linie die Revolution friedlich geschafft zu haben, die uns wieder zusammengeführt hat.

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