Himmelwärts

Als wir vor rund 11 Jahren das erste Mal zum Prejkestolen wanderten, mussten wir zum Teil Steigungen erklimmen, die nur mit Klettern über scheinbar willkürlich von großen Trollen dahingekegelte Felsen möglich war. So cool das auch damals letztendlich war, hatten wir uns eigentlich geschworen, diese Strapaze nicht noch einmal auf uns zu nehmen. Aber was heisst das schon, wenn man a) Ende August gerade wieder mal in der Nähe ist und b) (fast) Geburtstag hat, und sich ein schönes Geschenk machen will. Weil, so strapaziös diese 4-Stundenwanderung auch ist, der Ausblick am Ziel entschädigt für alles.

Mann schaut von oben auf Fjord
Blick auf den Lysefjord – Foto: u|b

Umso erstaunter waren wir, als wir an der Felspassage ankamen und feststellten, dass inzwischen richtige Treppen nach oben führen. Zwar immer noch Treppen, die große Schritte erfordern und eine gewisse Fitness, aber immerhin eine wesentliche Erleichterung auf der Wanderung. Interessanterweise sind dafür diesmal nicht diese Norweger verantwortlich, denen ich alles zutraue, was graben und bauen angeht, sondern Scherpas aus Nepal. Seit einigen Jahren kommen sie jeweils für ein halbes Jahr zum Prejkestolen, bringen die Wanderwege in Ordnung und schaffen bessere Aufstiegsmöglichkeiten für die rund 240.000 Besucher, die jedes Jahr den Aufstieg zu einem der norwegischen Hotspots auf sich nehmen.

Treppenstufen
Nepalesische Himmelstreppen – Foto: h|b

Das führt logischerweise auch zu einem weiteren Anstieg der Besucherzahlen, die das norwegische Touristoffice mit 20-30% pro Jahr angibt. Das können wir aus eigener Erfahrung bestätigen, schritten wir vor elf Jahren noch relativ einsam nach oben, fühlte es sich dieses mal eher wie der Auszug der Israeliten aus Ägypten an. Auch Passagiere von Kreuzfahrtschiffen aus Stavanger nutzen inzwischen den Tagesausflug, und ergänzen die bereits reichlich vorhandenen Touristen und Wanderer. Kurz vor dem Ziel mutmaßten wir bereits, das gleich eine Absperrung erscheinen wird, wo nur noch so viele Menschen auf das Plateau gelassen werden, wie es vertretbar ist. Aber so weit ist es Gottseidank noch nicht. In den Broschüren wird allerdings bereits darauf hingewiesen, dass man sein Picknick nicht unbedingt dort oben abhalten solle.

Selfietime
Anstellen zum Beweisfoto – Foto: h|b

Eine weitere erstaunliche Entwicklung durch Smartphones und soziale Medien ist das „anstellen“ zum Beweisfoto. Einmal quer über das Plateau stehen die Menschen an, die sehr diszipliniert warten, bis sie an der Reihe sind die Poleposition einzunehmen. Dann wagt man sich an den äußersten Rand und schießt Selfies, oder lässt andere das „Beweisfoto“ für die Daheimgebliebenen und die Welt aufnehmen. Da selbst auf dem völlig abgelegenen Felsen im norwegischen Nichts problemlos 4G auf dem Smartphone angezeigt werden, vermutlich gibt es bei unserem Wiederholungsbesuch in 11 Jahren sogar WLAN, steht dem Posten in Facebook oder Twitter live und in Farbe nichts mehr im Wege. Am Schönsten ist es natürlich, wenn, wie in unserem Fall, das Wetter sich von seiner besten Seite zeigt. Das nennt man dann einen perfekten Tag.

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