Buchstabensammlerinnen

Spätestens nach dem „Psssssssst“ wusste man Bescheid. Der Buchstabendealer Lefty aus der Sesamstrasse war da und wollte Ernie vielleicht ein F verkaufen, oder auch mal ein fettes O. Später konnte man im Fernsehen noch eine blonde Frau sehen, die Buchstaben an einer Wand umdrehte. Auch hier konnte man Buchstaben kaufen. Ein E zum Beispiel, oder ein A. Aber kein G, das ging gar nicht, nur Vokale waren erlaubt.

In den Schluchten der Typographie - Foto: h|b In den Schluchten der Typographie – Foto: h|b

Barbara Dechant und Anja Schulze aus Berlin lassen sich die Buchstaben allerdings lieber schenken. Egal ob Vokal oder Konsonant. Sie sind in der Regel auch viel größer als die aus der Sesamstrasse und auch viel größer als die aus der Buchstabenwand. Und sie müssen vorher schon mal benutzt worden sein. Vielleicht als Leuchtreklame, oder als Firmenname. Von heute nicht mehr existierenden Firmen. Sie prangten einst an Häusern, Bahnhöfen oder Geschäften. Da braucht man dann auch einen schönen Ort um sie zu zeigen. Am Besten ein Buchstabenmuseum. Dem Einzigen in Deutschland. Das steht natürlich in Berlin. Wo sonst.

Auf der Suche nach dem "Missing Letter" - Foto: h|b Auf der Suche nach dem „Missing Letter“ – Foto: h|b

In einem ehemaligen HO, für nicht DDR Sozialisierte – einem Supermarkt, an der Jannowitzbrücke haben sie einen solchen Ort gefunden und am Freitag Abend eröffnet. Nach ein paar launigen Ansprachen wurde die Ausstellung freigegeben und die vielen hundert Besucher konnten staunend durch ein typografisches Wunderland mäandern. Hier findet sich ein großes „H“ vom ehemaligen Berliner Hauptbahnhof, der heute Ostbahnhof heisst, dort ein noch größeres rotes A aus „AEG“ und auch der berühmte Schriftzug „Zierfische“ vom ehemaligen Zooladen am Frankfurter Tor. Alle für die Nachwelt gesammelt und nun ausgestellt.

Buchstabenwand ohne Drehmöglichkeit - Foto: h|bBuchstabenwand ohne Drehmöglichkeit – Foto: h|b

Erst wenn man diese großartige Sammlung sieht, stellt man fest wie sie einen selbst geprägt haben, die mehr oder weniger berühmten Schriftzüge. Wo man an manchen Buchstaben bereits die Marke erkennt, wie zum Beispiel bei „Daimler“. Das Buchstabenmuseum ist ein Eldorado für alle die mit Schriften zu tun haben, oder sich an der Schönheit von illuminierten Leuchtreklamen erfreuen können. Vieles kann noch gar nicht gezeigt werden, liegt aufgestapelt an den Wänden, oder noch auf Paletten. Zu viele der Schriften und Marken verschwinden aus dem öffentlichen Raum, verdienen es aber bewahrt zu werden. Das Museum wird ehrenamtlich getragen und ist auf Spenden und Helfer angewiesen. Noch ein Grund mehr, mal vorbeizuschauen.

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