Beim Weihnachtsmann am Polarkreis

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66 Grad, 32 Minuten, 35 Sekunden – der Polarkreis in Napapiiri – Foto: h|b

Heute haben wir den Polarkreis in Napapiiri in Finnland erreicht, dem Land, das die Vokale erfunden hat und sie auch fleissig benutzt. Hier am Polarkreiszentrum ist alles auf den Weihnachtsmann ausgerichtet, inklusive der Elfen die das Postamt betreuen und Geschenke basteln. Angeblich soll er hier ja wohnen. Ist aber anscheinend grad nicht zu Hause, war jedenfalls alles geschlossen, als wir hier ankamen. Wir hatten uns durch die Zeitverschiebung etwas verplant, da Finnland uns eine Stunde voraus ist.

Statt in Rovaniemi auf dem Campingplatz, stehen wir – mit vielen anderen Wohnmobilen aus Deutschland, Italien und Frankreich – direkt am Polarkreiszentrum auf dem Parkplatz, auf dem auch das übernachten erlaubt ist. Für Morgen sind hier 19 Stunden Sonne prognostiziert, da kommt dann auch sicher der Weihnachtsmann. Sein Postamt macht auf jeden Fall um neun Uhr in der früh auf und aus den Lautsprechern tönen heute schon weihnachtliche Klänge. Aber eher so die Loungeversionen. Dunkel wird es heute nicht, und ab jetzt auch – für uns – die nächsten 7 Tage nicht. Mitsommer oberhalb des Polarkreises.

Skulpturen und Stromschnellen

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Yorkshire Soul II von Jaume Plensa – Foto: h|b

Heute morgen bei strahlendem Sonnenschein aufgebrochen und an der Höga Kusten entlang geht es weiter nach Norden auf der E4. Über Örnsköldsvik, vorbei an Kasabacka und Husum (sic!) erreichen wir Umeå. Dort findet sich der Umedalen Skulpturenpark. Bereits bei Google Maps sah man eigentlich von oben nur eine Wohnsiedlung. Aber genau das ist der Witz, man hat die Kunst einfach mitten zwischen die Häuser gesetzt. Auf den ersten Blick ist unklar, ob der alte Sessel auf der Wiese Sperrmüll oder Kunst ist. In diesem Fall war er aus Beton und damit Kunst. Viele weitere Objekte sind kreuz und quer im Gelände verteilt und es macht Spaß einfach herumzuschlendern und „Kunst“ zu entdecken. Direkt neben der Galerie, wo weitere Kunstwerke ausgestellt werden, steht oben auf einem alten Fabrikschornstein ein Pferd, was auch auch noch zur vollen Stunde wiehert. Für uns das Zeichen aufzubrechen.

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Nebel des Grauens

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In der Nacht trommelte der Regen ununterbrochen auf unser Wohnmobildach. Am Morgen war dann alles wolkenverhangen und diesig. So fuhren wir los, wieder auf der 50, in Richtung schwedische Ostküste. Auf den langen Hochebenen riss der Himmel dann auf und es wurde wieder sonnig mit Wolken, ideales Fahrwetter. Heute gibt es auch keine anzufahrende Ziele, wir wollen einfach nur weiter nach Norden. Bei Söderhamn schwenken wir auf die E 4 ein – entlang der Küste – und fahren über Sundsvall zu unserem heutigen Ziel am Ende einer Halbinsel, zu einem Campingplatz in Norrfällsvikens. Der liegt an der „Höga Kusten“ einem Küstenabschnitt, der zum UNESCO Weltkulturerbe gehört.

Bei der Fahrt über die gleichnamige Brücke mit riesiger Spannweite, einen Sund überquerend, hängen die Wolken wieder so tief, dass man zeitweise nicht mal die Spitzen der Brückenpylone sieht. Kurze Zeit später und nach einigem Gekurbel über unbefestigte Sträßchen, über die uns unser Navi sinnlos leitet, checken wir gegen 18 Uhr am CP ein. Im weiten Rund des Campingplatzes herrscht ein gelbliches Zwiellicht und Nebel des Grauens mäandern durch den Föhrenwald und über die See. Wir machen es uns im Wohnmobil bei Wein und Salat gemütlich und holen uns neue Kraft für den morgigen Abschnitt.

Treppenlifter

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Die ersten sieben Schleusen am Eingang zum Gota Kanal – Foto: h|b

Was älteren Menschen erleichtert die Treppen hinaufzukommen, brauchen Schiffe, um Höhenunterschiede zu überwinden, wenn sie einen Fluß oder einen Kanal entlangfahren. Gleich elf an der Zahl, auf einer Strecke von vielleicht 600 Metern, gilt es zu durchschleusen, wenn man vom See Roxen in den Gotakanal möchte, um weiter Richtung Vänern zu fahren. Da braucht es von der Schiffsbesatzung viel Geduld und auch viel Aufmerksamkeit, ist man doch in der Regel nicht allein in der Schleusenkammer. Aus Gründen der Effektivität packen die Schleusenmeister immer gleich ein ganzes Paket, bevor der Auf- oder Abstieg beginnt. Dann heisst es warten. Das Wasser der jeweils oberen Schleusenkammer drückt sprudelnd und mit Macht in die untere Kammer, bis der Niveauausgleich hergestellt ist. Dann öffnet sich das Tor, alle rücken eins vor, das hintere Tor schließt sich und dann beginnt das Spiel von vorne.

Nach so viel Kraftaufwand müssen wir uns anschließend erstmal einen leckeren Kuchen gönnen, den wir uns aus Vadstena mitgebracht haben. So gestärkt brechen wir wieder auf und durchqueren im Laufe des weiteren Nachmittags kilometerweit schwedische Wälder und treffen am Abend etwas kaputt in Falun ein, wo wir auf einem Platz direkt unterhalb von zwei Sprungschanzen stehen. Hier – inzwischen von Südschweden nach Zentralschweden gewechselt – sind wir quasi schon im Wintersportgebiet. Nur gut dass Sommer ist. Morgen geht es weiter zur schwedischen Ostküste auf dem Weg zur finnischen Grenze.

Die große Überfahrt

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Heute bestand der Großteil des Tages darin, die Ostsee von Warnemünde nach Trelleborg zu überqueren. Die Huckelberry-Finn der TT-Line braucht dazu rund sechs Stunden, die wir ausgiebig zum Sonnenbaden genutzt haben. Vielleicht etwas zu ausgiebig, wir strahlen gerade mit dem Sonnenuntergangsrot über dem Vätternsee in Jønkøping um die Wette und einen eindeutigen Sieger gibt es nicht wirklich. Es ist jetzt viertel nach elf und der EM Traum der deutschen Mannschaft ist vor einer guten halben Stunde an einem schwarzen Italiener mit lustigem Irokesen geplatzt. Damit also kein Endspiel am Sonntag und die Fanmeile in Berlin kann abgebaut werden. Ohne schwarz-rot-goldene Fahnen geht da eh keiner mehr hin und wer will schon sehen, ob Spanien oder Italien Europameister wird. Wir setzen morgen unseren Weg nach Norden fort, der Weihnachtsmann wartet.

Bilder und Geschichten aus Berlin und der Welt