Schwesterkuss

Zwei Mädchen küssen sich vor Bild der East-Side Gallery

Die East Side Gallery in Berlin Friedrichshain ist und bleibt der Hotspot Nummer 1 für Touristen aus aller Welt. Die „Pseudomauer“ mit den vielen bunten Bildern steht sicherlich in jedem Reiseführer und wer ohne ein Foto auf seinem Handy davon nach Hause kommt, kann nicht in Berlin gewesen sein. Ach ja, man selbst sollte natürlich auch auf dem Foto sein, sonst gilt das nicht.

So machen die Handys die Runde bis wirklich alle aus der Reisegruppe verewigt sind. Ein lustiges Treiben, was sich allerdings auf zwei der bekanntesten Fotos reduziert. Hier sind die Menschentrauben definitiv am größten, die Wartezeit für das eigene Foto am längsten. Aber alle sind fröhlich und geduldig, geht es doch beim ersten Bild um einen spannenden Moment: Einen Kuss.

Für alle, denen der Sozialismus nicht so ganz geheuer ist, ist der Bruderkuss schon etwas befremdlich. Zwei Männer pressen voller Inbrunst ihre Lippen aufeinander, sind aber definitiv nicht schwul. Diese Küsse sollten Ausdruck von Freude, Brüderlichkeit und Gleichheit sein. Irgendwie strange. Umso schöner, wie das Bild durch die Besucher konterkariert wird und so gar nichts mehr von einem Ritual an sich hat. Küsst euch ruhig weiter liebe Touristen, aber hört gefälligst auf euch dort auch noch mit Stiften zu verewigen, das ist Kunst ihr Banausen.

Revaler Spitze

Revaler Straße in Berlin-Friedrichshain

Nein, hier wird nichts geklöppelt und es eignet sich auch nicht als Untersetzer. Aber es tut sich was entlang der Revaler Straße. Während am Anfang der Straße noch um jeden Meter kulturellen Freiraums gekämpft wird, bildet sich am Ende, in der Revaler Straße 28-31, ein neues Gebäude, die Revaler Spitze.

Leider werden dort keine dringend benötigte Wohnungen entstehen, sondern wie so häufig, Büros, Einzelhandel, Gastronomie und Dienstleistungen, das klassische Friedrichshainer Gemisch mit der vermutlich besten Rendite. Anderseits ist es vermutlich durch die direkte Nachbarschaft zur S-Bahn auch nicht ganz einfach dort Wohnungen auf den Markt zu bringen, Der Gebäuderiegel wird aber sicherlich den bereits dort bestehenden Wohnungen einen Schallschutz bieten und damit die Wohnqualität erhöhen.

Beim Kiezspaziergang sind viele Entwicklungen zu sehen und ich werde in den weiteren Beiträgen mal auf das eine oder andere näher eingehen und auch die Entwicklung begleiten. Die Revaler Spitze soll übrigens in 2021 fertig gestellt sein. Vielleicht gibt es ja bis dahin sogar einen neuen Berliner Flughafen. Aber wer glaubt schon an Wunder.

Hundekotbeutelchen

Liebe Hundebesitzer*innen – wie es gendergerecht heißen muss – ihr habt das – glaube ich – mit diesen kleinen Plastikbeutelchen für die Hinterlassenschaft eurer lieben, vierbeinigen Begleiter nicht so recht verstanden. Glaube ich. Ach was, ich bin mir da bei einigen Zeitgenoss*innen ziemlich sicher.

Um mit dem Positiven zu beginnen: Es ist auf jeden Fall toll, dass ihr die Hundekacke in dieses Beutelchen packt, damit wir, also die Nichthundebesitzer, da nicht aus Versehen reintreten. Riecht echt eklig und ist schlecht wieder abzubekommen. Aber, muss ich jetzt leider hinzufügen, scheint es am nachfolgende Prozess noch etwas zu hapern. Vielleicht fehlt eine Art Bedienungsanleitung, die ich hier gern nachliefern möchte.

Es macht keinen, wirklich überhaupt keinen Sinn, diese Beutelchen dann wieder einfach dorthin zu legen wo der Mist vorher lag, nur halt ohne Beutelchen, oder noch besser, Hundekotbeutelsammelstellen einzurichten, an Stellen, wo andere Menschen sich möglicherweise gern aufhalten würden, wie zum Beispiel am Spreeufer. Es scheint nicht jeden zu stören, wie auf dem Bild zweifelsohne zu sehen ist, aber mich nervt es ganz dolle. Es passt leider zum Berliner Lebensgefühl: Alles kann, nichts muss.

Hier also der ultimative Tipp: Diese Beutel gehören in diese orangenen Behälter die überall in Berlin entlang der Straßen und Wege zu finden sind. Auch wenn gerade keiner in der Nähe ist, ist das noch lange kein Grund den Beutel einfach fallenzulassen oder irgendwo abzulegen. Es wäre in diesen Fällen echt entgegenkommend, ihn einfach noch ein wenig mitzunehmen, um ihn bei nächstbester Gelegenheit sachgerecht zu entsorgen. IN EINEN PAPIERKORB. Das kann doch verdammt nochmal nicht soooo schwer sein.

(R)Ostkreuz

Blick auf den Bahnhof Ostkreuz

Nach gut 12 Jahren Bauzeit ist aus dem Bahnhof „Rostkreuz“ nun ein schmucker neuer Umsteigebahnhof geworden. Er ist noch nicht ganz fertig, Abfertigungsgebäude, Vorplatz, Fahrradparkhaus und einige kleine Dinge fehlen noch, aber seit heute sind alle Gleise des Bahnhofs Berlin-Ostkreuz – wie er jetzt offiziell heißt – in Betrieb. Es gibt Regionalbahnsteige, einen S-Bahnsteig Richtung Stadt, einen für die Fahrt ins Grüne und die Ringbahn mit ihrer weithin sichtbaren Glashalle und dem Bahnhofsnamen. Keine Verwirrung mehr, eindeutige Reisendenführung. Hinsichtlich der Anzahl der abfahrenden Züge als auch von den Fahrgastzahlen her ist er einer der meistfrequentierten Bahnhöfe Deutschlands. Weiterlesen „(R)Ostkreuz“

Grenzerfahrung XV (Ende)

Engelbecken mit St. Michael Kirche

Nach 18 Kilometern rund um Kreuzberg endet heute mein Ausflug, der vor fast einem Jahr seinen Anfang nahm. Er endet natürlich nur hier im Blog, die Radtour selbst konnte ich in 2 Etappen durchführen. Nächste Woche Donnerstag um 17 Uhr ist die Vernissage meines Fotoclubs zu „90 Jahre Kreuzberger Fotografen“ im 2. Stock des Kreuzberger Rathauses. Neben ein paar Bildern von mir, präsentiere ich dort auch in einer kleinen Diaschau die 90 Bilder die ich auf der „Grenz(er)fahrung“ geschossen habe. Wer vorbeikommen mag, ist herzlich eingeladen. Es gibt auch etwas zu trinken und jede Menge Bilder und nette Menschen 😉 Weiterlesen „Grenzerfahrung XV (Ende)“

Grenzerfahrung XIV

Niederkirchnerstraße, Kreuzberg

Jetzt muss ich mich doch noch ein wenig sputen, damit ich mit meinem kleinen Projekt noch vor der Vernissage am 8. November im Kreuzberger Rathaus fertig werde. Dort wird das Projekt mit einer Diaschau die eigentliche Ausstellung der „90 Jahre Kreuzberger Fotografen“ begleiten. Fast genau ein Jahr nach dem Start meines kleinen Projektes.

Nachdem ich ja am Ende der Köthener Straße die Pflastersteine des ehemaligen Grenzverlaufs wieder gefunden habe, fällt es leichter der Kreuzberger Grenze zu folgen. Von der Stresemannallee geht es im Bogen in die Niederkirchner Straße, vorbei am Abgeordnetenhaus von Berlin (Osten), dem gegenüberliegenden Martin-Gropius-Bau (Westen) und der „Topographie des Terrors„. Weiterlesen „Grenzerfahrung XIV“

Grenzerfahrung XIII

Mittelfinger

Mit dieser Folge der „Grenzerfahrung“ schaffen wir am Ende den westlichen Wendepunkt, in den nächsten Folgen geht es dann wieder gen Osten. Wer wissen möchte, um was es hier überhaupt geht, oder sich noch die älteren Folgen anschauen möchte, der klickt einfach hier: #grenzerfahrung

Los gehts: Hinter den Yorckbrücken wird die Grenzverfolgung etwas schwieriger, da sie hier über Parkplätze und durch Kleingärten führt, an die man so direkt nicht rankommt, oder aber man steht plötzlich vor Mauern von Parkplätzen. Also musste ich ein wenig improvisieren und dem Grenzverlauf grob folgen. Weiterlesen „Grenzerfahrung XIII“

Grenzerfahrung XII

Weichenstellung

Nach dem Kurzbesuch des Kreuzbergs geht es zurück an die „Grenze“, die ab dieser Stelle etwas anfängt zu mäandern und oft an Stellen verläuft die nicht ohne weiteres zu erreichen sind. Von der Kreuzbergstraße geht es über einen großen Parkplatz mit einem einsamen „Gourmet Grill“. Leider hatten „Henry und seine Grillfee“ bei meinem Besuch wohl schon Feierabend. Oder vielleicht noch nicht begonnen? Schwer zu sagen. Auf jeden Fall eine interessante Location.

Gourmet Grill
Gourmet Grill – Foto: h|b

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Grenzerfahrung XI

IC vor Häusern, Kreuzberg

Es wird Zeit den letzten Teil meiner „Grenz(er)fahrung“ rund um Kreuzberg das Licht der Welt erblicken zu lassen. Teil X endete ja im April an dem Punkt, wenn die Dudenstraße in die Kolonnenstraße übergeht und aus Kreuzberg Schöneberg wird. Die Brücke (die scheinbar keinen Namen hat, ich konnte jedenfalls keinen finden) spannt sich über die Fern- und S-Bahngleise zwischen Südkreuz und Berlin Hauptbahnhof. Auf dem Titelbild fährt der IC Richtung Hauptbahnhof, im Hintergrund ist der Ballon „Der Welt“ zu sehen, bei dem wir später noch vorbeikommen werden.

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Chillout 25

Gestern Abend war ich das erste mal auf dem ehemaligen Gelände der Bar 25 wo jetzt die Betreiber ein großes, hölzernes Pipi Langstrumpfland namens „Holzmarkt Pampa“ für Hipster und Touris aufgebaut haben. Es ist eine Mischung aus selbst gezimmerten Holzpodesten und Buden, Sofas und Hängematten. An der Spree finden sich auch ein paar Strandkörbe. Die „mainlanguage“ scheint englisch zu sein, immerhin konnte die – natürlich tätowierte – Bedienung die verschiedenen Limosorten auf deutsch aufsagen. Heute in angesagten Lokalen nicht mehr selbstverständlich. Auch von den Besuchern sprechen viele englisch, wahrscheinlich ist das alles längst als Hotspot in diversen Reiseführern zu finden.

Essensbuden gibt es auch, verhungern und verdursten muss niemand. Es ist auch erlaubt eigene Getränke mitzubringen, aber es wird natürlich gern gesehen, wenn man auch vor Ort konsumiert. Ein naturtrübes Radler kostet 3€, eine Rhabarberschorle 2,50€, nicht übermäßig teuer für die nette Location. Wer kann, organisiert sich dann einen Platz direkt am Ufer der Spree und genießt den Sonnenuntergang und den Blick über die Spree auf den Fernsehturm. Perfekt um die Seele nach einem anstrengenden Tag baumeln zu lassen.