34 Millimeter

Herbstliches Farbenspiel - Foto: h|b
Herbstliches Farbenspiel – Foto: h|b

Das letzte Mal als ich einen Fotoapparat mit einer festen Brennweite genutzt habe, muss schon eine ganze Weile her sein, irgendwann in den 80ern würde ich sagen. Für meine analoge Olympus hatte ich ein 50er, ein 35er und ein 28er. Das 50er am lichtstärksten, mit einer 1,4er Offenblende. Mit der digitalen Kamera Anfang 2000 hielten auch die Zooms Einzug. Ein 14-54 und ein 50-200 – da Olympus mit dem Fourthirds-System einen Cropfaktor von 2 hat, muss man die Brennweiten mit 2 multiplizieren – reichten für alle Gelegenheiten aus.
Fotografieren heute - Foto: h|b
Fotografieren heute – Foto: h|b

Mit dem Olympus mFT-System rückten die festen Brennweiten neben den Zooms wieder stärker in den Fokus der Entwicklung. Durch den Wegfall des Spiegels sind andere Auflagenmaße möglich, was die Entwicklung spezieller Objektive reizvoll macht. So ganz genau weiß ich nicht, wieso man Festbrennweiten einem Zoom vorziehen sollte, verliert man doch den Vorteil von jedem Standort den optimalen Ausschnitt wählen zu können. Klar, ein Zoom in einer akzeptablen Preisklasse, hat einen Blendenbereich der viel Licht voraussetzt. Je lichtstärker, desto teurer. Das neue Olympus 12-40 (24-80) mit einer durchgehenden Lichtstärke von 2,8 kostet stolze 1000€.
Herbstliche Farben und Klänge - Foto: h|b
Herbstliche Farben und Klänge – Foto: h|b

Insgesamt also eine gute Gelegenheit mal etwas neues auszuprobieren. Mit der neuen E PL-3 habe ich ja schon abgerüstet, und nun habe ich mir gebraucht ein 17 mm, Blende 2,8 über ebay geshoppt. Das entspricht mit umgerechnet 34 mm Kleinbild der klassischen Linse für Streetfotografie. 34 mm entsprechen in etwa unserem natürlichen Sehverhältnis. Die Kamera wird damit auch noch etwas kleiner und gegenüber dem Kitzoom 14-42 auch ein Stück lichtstärker. Ideal für das fotografieren ohne groß aufzufallen.

Da das Wetter in Berlin heute bedeckt aber trocken ist, bin ich gleich mal los in die freie Wildbahn. Vom Hauptbahnhof laufe ich rüber zum Kanzleramt, wo die Bäume in knalligen Herbstfarben darauf warten auf die Speicherkarte gebannt zu werden. Auf dem Weg zum Alexanderplatz, „Unter den Linden“ entlang, ergeben sich verschiedene Möglichkeiten das Objektiv unter Streetbedingungen zu testen. Da ich mit Begleitung unterwegs bin, muss es auch meist schnell gehen. Der erste Eindruck gefällt mir, das Objektiv hält was es verspricht, Berlin ich komme.

Treppauf, Treppab

Jeden Dienstag, nach Büroschluss, führt mich mein Weg in den Rudolfkiez in Friedrichshain. In einem Backsteinloft am Ende der U-Bahn Abstellanlage der U 1 befindet sich ganz oben unter dem Dach das „Expert-Training“. Früher hieß es mal „Kieser-Training“, aber man hat sich irgendwie verkracht. Eine Weile war auch die Abbuchung der Mitgliedsbeiträge etwas chaotisch, der frühere Franchisenehmer hatte angeblich was damit zu tun, aber zwischenzeitlich funktioniert wieder alles.

Treppab

Jeden Dienstag, es ist wichtig es regelmäßig zu tun, ersteige ich beschwingt die Treppe in der Rudolfstraße, und hole mir am Tresen meinen Spindschlüssel ab. Im Gegensatz zum klassischen Fitnesscenter ist es ruhig und entspannt. Einzelne Männer und Frauen sitzen an den verschiedenen Geräten und ziehen, stoßen oder drücken 90 Sekunden lang ihre Gewichte. Ich ziehe mich um, starte im iPhone die Kieser APP und beginne mit dem Training. 10 Stationen, jeweils 12 Wiederholungen, rund 30 Minuten lang, schön langsam. Muskelaufbau. Irgendwann habe ich mal ausgerechnet was ich pro Training an Gewichten bewege. War ne ganze Menge.

Treppauf

Jeden Dienstag, auch wenn ich mich manchmal motivieren muss, tausche ich, ungefähr 40 Minuten nach Trainingsbeginn, wieder Schlüssel gegen Mitgliedskarte und trolle mich von dannen. Meine Muskeln fühlen sich gut an, ich kann wieder aufrechter gehen. Muss mich nicht so hängen lassen. Das Grundprinzip dieses Trainings ist es ja die Muskulatur zu stärken, die dann, solcherart gestärkt, den Rücken unterstützt. An der Treppe zur U-Bahn-Station Warschauer Straße merke ich zwar meine Beinmuskeln, aber ich komme ohne zu japsen oben an. Der Weg nach Hause vergeht fast wie im Trance, dann wartet die Couch.

Nächsten Dienstag warten sie wieder auf mich. Erst die Treppen. Dann die Gewichte. Dann die Couch. Dienstag, ein fixer Punkt im Ablauf der Gezeiten.

Herbstanfang in Berlin

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Heute ist Herbstanfang. Das Wetter belohnt den Tag, im Gegensatz zur abgelaufenen Woche, mit einem richtig schönen Sonnentag. Obendrüber ein paar Wolken, auch mal Dunkle, aber es ist trocken und teilweise richtig warm. Wir machen uns auf in den Westen, mal sehn, ob noch iPhones im Angebot sind. Der Applestore am Ku’Damm ist gut gefüllt mit Menschen, aber die neue Generation iPhones gibt es heute nur zum anfassen, nicht zum mitnehmen. Die erste Lieferung ist komplett verkauft, wann es Neue gibt, kann niemand sagen. Ist wahrscheinlich auch besser so, am Ende wären wir nur wieder schwach geworden. Weiterlesen „Herbstanfang in Berlin“

Lummerland

Extreme Entschleunigung

Während unseres Wochenendausfluges nach Warnemünde, hatte ich die Gelegenheit einmal mit einem alten Segler in See zu stechen. Zur Warnemünde Woche ist die „Präsident Freiherr von Maltzahn“ aus Övelgönne mit ihrer Crew herübergekommen und bietet die ganze Woche dreieinhalbstündige Touren auf der Ostsee an. Das Schiff lief 1928 als Fischerboot von der Reede und fungiert heute als schwimmendes Museumsschiff. Da sie direkt vor unsere Wohnmobilnase festgemacht hat, gehe ich kurz rüber und nach einem kurzen Schnack von der Mole, darf ich an Bord kommen und mir für 35 Euro mein Ticket für den nächsten Tag mitnehmen.

Erfolgreich angeheuert - Foto: u|b
Erfolgreich angeheuert – Foto: u|b

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Türkische Ansichten

Fotoausstellung auf dem Alexanderplatz - Foto: h|b
Fotoausstellung auf dem Alexanderplatz – Foto: h|b

Im Moment macht die Türkei ja eher negative Schlagzeilen. Polizeigewalt, Tränengas, Bürgerkriegsähnliche Zustände, erschreckende Berichte. Ein völlig anderes Bild zeigt „Time in Turkey“ in Berlin. So heißt die Wanderausstellung, die das Ausstellungs-Forum „art place berlin“ ab heute auf dem Alex und in den Räumen des „Park Inn by Radisson – Berlin Alexanderplatz“ präsentiert. Im Rahmen des „BERLIN FOTOFESTIVALS 2013 – THE BROWSE“ werden dort bis zum 13. Juli die Arbeiten renommierter Fotografen gezeigt – darunter Pulitzer-Preisträger Antony Suau und der ehemalige White House Fotograf Christopher Morris. Die Künstler erzählen Fotogeschichten, die das Leben und spezifische Fragen zur Türkei reflektieren – jeder aus einer anderen Perspektive. Interessant sind auch die Begleittexte neben den Fotostrecken, wie am Beispiel des Fotografen Eric Bouvot, der zusammen mit der türkischen Polizei unterwegs war und deren besonnene Arbeit besonders hervorhebt. Also im krassen Gegensatz zu den aktuellen Geschehnissen. Aber die Ausstellung – die noch bis zum 13. Juli zu sehen ist – ist auch ein gute Gelegenheit sich auf die Türkei und ihre Menschen einzulassen.

Farbrauschen

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Manchmal bietet der Blick über den Deich ein relativ dröges Stück Natur, der Blick durch das Objektiv nichts Aufregendes, nichts wo sich das Auge festhalten kann, was Spannung erzeugt. Warum dann nicht mal die Gelegenheit nutzen, mit der Kamera zu abstrahieren, das Gesehene in ein Gefühl zu übersetzen, dass man am Ende einer langen Fahrradtour am östlichen Ende des Darß verspürte.

Dort stand ich auf einer Aussichtsplattform und schaute Richtung Hiddensee. Über ein wenig grünes Gras, den kurzen Strand, ein wenig Wasser, eine Sandbank und dahinter wieder das offene Meer. Darüber ein schöner blauer Frühlingshimmel. Viele schöne und harmonische Farben, die ich gern gemalt hätte, wenn ich denn Maler wäre. Aber eigentlich bin ich das ja auch, ein Lichtmaler. Also die Kamera raus, Blende zu und ISO runter, so dass eine Belichtungszeit um die 20stel Sekunde angezeigt wird.

Jetzt die Kamera flach aufs Geländer abgelegt und während einer leichten Bewegung von links nach rechts vorsichtig ausgelöst ohne die Bewegung zu unterbrechen. Von rund zehn Versuchen gefiel mir das obige Ergebnis am Besten und bekam noch eine kleine „Nachbehandlung“ am iPad, um den malerischen Charakter ein wenig zu unterstreichen. Könnte ich mir sehr gut an meiner Fotowand vorstellen, als Erinnerung an einen schönen Frühlingstag an der Ostsee.

Aloha

Grünes Meer mit Insel
Südseefeeling an der Ostsee mit kleinem Kameratrick – Foto: h|b

In Zingst wird man ja an jeder Ecke zum Fotografieren ermutigt, immerhin ist hier der „Spirit of Zingst“ zu Hause und einmal im Jahr rücken die Fotografen zum Umweltfotofestival „horizonte zingst“ an. Auf einem der großflächigen Plakate entlang der Straßen entdeckte ich ein Bild das nach einer Südseeinsel aussah. Als Untertitel stand dort allerdings „Weststrand Zingst“. Nun ist der Weststrand in Zingst sicherlich keine Insel und zieht sich kilometerlang den Darß entlang. Vielleicht mit einem Fischauge gemacht? Als ich dann etwas später am äußersten Punkt der Zingster Seebrücke stand fiel mir auf, dass für das Auge der östlichste Punkt im Wasser endet.

Ich habe dann die Kamera so ausgerichtet, dass viel grünes Wasser im Vordergrund zu sehen ist, dass konnte ich später in der Nachbearbeitung noch ein wenig zum leuchten bringen, am oberen Rand der Strand mit Bäumen erscheint um den Inselcharakter zu erzeugen und links der Strand im Wasser endet. In Lightroom das Bild dann am rechten Rand beschnitten etwas nachbearbeitet und einmal vertikal gespiegelt. Als letzten Schritt in Pixelmator die beiden Bilder nun gegeneinander gesetzt und fertig war die Süd-, ähhh, Ostseeinsel. Man könnte jetzt sicherlich noch ein wenig Feintuning an der Spiegellinie ansetzen, um das offensichtliche zu verschleiern, aber mir gefällt es gerade so.

Eigene Welten

Zwei Buchstaben mit Licht gezeichnet
Meine Initialen mit der Taschenlampe und dem Time-Mode der OM-D – Foto: u|b

Der erste der uns auf der Treppe der Berliner Opernwerkstätten am Donnerstagabend entgegenkam war der Schauspieler Peter Lohmeyer, brav mit einer OM-D 5 in der Hand, so wie die vielen anderen Besucher der Vernissage auch. Das war das faszinierendste an diesem Abend, vordergründig eine ganz normale Kunstparty, aber jede und jeder bewaffnet war mit der „kleinen Schwarzen“, der spiegellosen Olympus, immer bereit dem Slogan „Create your own world“ Folge zu leisten. Das habe ich natürlich auch getan und herausgekommen sind eine Menge Bilder, die ich nach der Veranstaltung auf der Speicherkarte mit nach Hause nehmen durfte. Nur die Kamera, die musste ich leider wieder zurückgeben.

Frau hinter buntem Vorhang
Behind the curtain – Foto: h|b

Die Künstler haben ja inzwischen ihre „eigenen Welten“ bereits kreiert und die haben wir uns an diesem Abend zwischen Sekt und Schnittchen in Ruhe angeschaut. Von Pilzkulturen über Laserinstallationen, bis hin zu einer geheimnisvollen Box, in der man von aussen nur ein kleines Guckloch sehen kann. Die Kamera im Weitwinkelmodus durch das Guckloch und zwei Personen innerhalb der Box bringen das „Aha“- Erlebnis. Nachdem wir alle Stationen besucht hatten, inklusive des „Darkrooms“ zum Malen mit Licht, hier kommt der Time-Mode der OM-D wunderbar zum Einsatz, genossen wir den restlichen Abend entspannt bei elektronischer Musik und geistigen Getränken.

Weitere meiner Bilder und einen „offiziellen“ Bericht zur Vernissage findet ihr im Hauptstadtblog.