Manchmal lohnt es sich, beim Spaziergang den Blick nicht nur auf den Weg, sondern auch in den Himmel zu richten. So ging es mir kürzlich in den Feldern hinter Überlingen, als plötzlich ein Rotmilan seine Kreise über der Landschaft zog. Mit seinen langen, schmalen Flügeln und dem tief gegabelten Schwanz – daher auch sein Zweitname „Gabelweihe“ – ist er selbst auf größere Entfernung leicht zu erkennen. Besonders auffällig wirkt sein rostbraunes Gefieder, das in der Sonne beinahe leuchtet.

Der Rotmilan fühlt sich in abwechslungsreichen Kulturlandschaften besonders wohl. Offene Felder, Wiesen und kleinere Waldstücke bieten ihm ideale Bedingungen. Hier findet er ausreichend Nahrung und gleichzeitig geeignete Bäume für seinen Horst. Die Region rund um den Bodensee mit ihren Feldern, Obstwiesen und Waldrändern scheint ihm daher durchaus entgegenzukommen.

Beim Beobachten fiel mir auf, wie mühelos der Greifvogel die Thermik nutzt. Oft genügt ihm ein leichtes Kippen der Flügel, um seine Flugbahn zu verändern. Anders als viele Menschen vermuten, jagt der Rotmilan nicht ausschließlich lebende Beute. Auf seinem Speiseplan stehen Mäuse, kleinere Vögel, Insekten und Regenwürmer, aber auch Aas oder Abfälle von Menschen werden nicht verschmäht. Sein Flug wirkt dabei fast elegant und spielerisch, obwohl er ständig aufmerksam nach Fressbarem Ausschau hält.

Zu hören bekam ich ihn an diesem Tag ebenfalls. Seine Stimme besteht aus einem hellen, etwas klagenden „Wii-üüüh“ oder „Piih“, das besonders während der Brutzeit häufiger zu vernehmen ist. Während ich ihm mit der Kamera folgte, wurde mir einmal mehr bewusst, wie viel Natur direkt vor unserer Haustür zu entdecken ist. Der Rotmilan gehört zu den eindrucksvollsten Greifvögeln Mitteleuropas – und eine Begegnung mit ihm macht selbst einen ganz gewöhnlichen Spaziergang zu etwas Besonderem.
Fotos mit meiner Olympus O-MD E-M 1 Mark III und dem mZuiko 75-300mm (VF: 150-600). Text zum Teil mit Unterstützung von KI (ChatGPT)

