Kaum verliert der Bodensee ein paar Liter Wasser steigt die Panik in Deutschland. Selbst der Tagesspiegel, eine Berliner Tageszeitung, und damit weit weg, am anderen Ende der Republik, beschäftigt sich seit einiger Zeit mit dem Thema. Auch bange Fragen werden gestellt: Wie lange noch bis der Bodensee zu Fuß überquert werden kann? Wann trocknet der See komplett aus?


Okay, ein paar Fakten können helfen. Letztes Jahr hatten wir – begünstigt durch viele Regenfälle und die Schneeschmelze – ein ordentliches Hochwasser. Der Pegel lag zeitweise bei 5.81 m, gemessen in Konstanz. Das führte dazu, dass in Überlingen teilweise die Uferwege überspült wurden, oder Campingplätze am Bodenseeufer unter Wasser standen.



Dieses Jahr fehlen bis heute die Regenfälle. Das Jahr ist bisher sehr trocken und viel Schnee gibt es in den Schweizer und Österreicher Bergen heuer auch nicht. Der aktuelle Pegel liegt daher bei 2,72 m. Das ist schon Niedrigwasser. 2006 lag der Pegel allerdings noch darunter, nämlich bei 2,27 m. Davon sind wir noch ein Stück entfernt. Im Moment stagniert der Pegel auf dem niedrigen Stand.


Kann der Bodensee austrocknen? Klar, irgendwann wird das vielleicht passieren, aber das erleben wir alle nicht mehr. Der Bodensee ist recht tief und ja eigentlich nichts anderes als ein sehr, sehr breiter Rhein. Bei Bregenz fließt der Rhein hinein und bei Konstanz wieder raus. Dazu kommen eine Menge Zuflüsse, die den Bodensee kontinuierlich füllen. Wir waren letzte Woche in Schaffhausen (Bericht folgt), dort stürzen sich immer noch rund 1800 Liter Wasser pro Sekunde den Rheinfall hinab.

Der Bodensee überspannt eine Fläche von 536 qkm und enthält 50 Milliarden Kubikmeter Wasser. Er ist auch das größte Trinkwasserreservoir Europas. Jeden Tag werden etwa 670.000 Kubikmeter Wasser aus dem See entnommen, um Millionen von Menschen im süddeutschen Raum mit frischem Trinkwasser zu versorgen. Mehr zu den wichtigen Fakten rund um den Bodensee gibt es hier zu lesen.

Es lohnt sich also immer noch den Bodensee zu besuchen. Vor allen Dingen Überlingen ist eine lebenswerte und quirlige Stadt und so schlimm, wie es Klaus Stuttmann in seiner Karikatur des heutigen Tagesspiegel darstellt, ist es beim besten Willen noch nicht. Wobei das Thema „Klimawandel“ in der Tat nicht aus den Augen verloren werden sollte. Wir gehen gleich mal runter an den See und schauen nach, ob er noch da ist.


Wer am Rhein aufgewachsen ist, kennt das Hochwasser, bei dem die Wellen schon knapp 10 cm unterhalb der 5m hohen Deichkrone Anschlägen, aber auch die Dürrephasen, in denen die Sandbänke im Fluss so greifbar werden, dass man den Impuls verspürt, mal eben zum anderen Ufer hinüber zu hüpfen. Heutzutage allerdings sind beide Phasen extremer und dauern viel länger. Es kann ja sein, dass trotzdem immer noch genug Wasser für die Bevölkerung am Bodensee da sein wird.Was jedoch bedeutet der Schwund für die nachgelagerten Nutzer, bis hin zum bevölkerungsreichen Rheinland in NRW? Werden da irgendwann noch genügend Wassermengen ankommen?
Viele der Alt-Bergleute und -Ingenieure schütteln zB.innetlich den Kopf, dass Zechenzugaenge immer noch verfüllt und damit unzugänglich werden, anstatt das gigantische, gut mit Elektronetz, Lueftungssystemen und Verkehrsinfrastruktur ausgebaute unterirdische Stollensystem, das ja im Grunde eine zweite Stadt darstellt, u.a.fuer die Wasserspeicherung (oder den Zivilschutz )umzuwidmen.
Der Bodensee versorgt sogar die Bevölkerung im Großraum Stuttgart. Aber ja, es wird spannend und vermutlich ungemütlich. Der April als früher und sehr trockener Vorsommer lässt schlimmes befürchten.