Blick zurück auf 2020

Winter

Der Jahresanfang startet für uns mit 14 Tagen Sonne und Meer. Zum 60sten Geburtstag meiner Frau starten wir unsere vorerst letzte Kreuzfahrt. Kanaren mit Madeira und Marokko. Zu diesem Zeitpunkt ahnt noch niemand, dass sich ein kleines Virus von China auf den Weg um die Welt macht, um eine noch nie dagewesene Pandemie auszulösen. Der fällt dann auch die Kreuzfahrtindustrie, sowie eigentlich der gesamte Tourismus zum Opfer. Nichts geht mehr. Wir hatten Glück und können von unseren gemachten Eindrücken zehren. Ansonsten geht es schnell in den ersten „Lockdown“. Restaurants geschlossen, Spielplätze und Schulen gesperrt, Berlin steht still. Die Stadt ist gespenstisch leer. Dafür ist der Weg zur Arbeit kürzer geworden. Statt 7 Kilometer nur noch fünf Meter. Vom Frühstückstisch nach nebenan ins Homeoffice. Es sollte das ganze Jahr dauern.

Frühling

Endlich bekommen wir die Nachricht von unserem Händler, dass unser neues Wohnmobil eingetroffen ist. Dank Lockdown ist aber erstmal nur anfassen erlaubt, nicht mitnehmen. Die Zulassungsstellen in Berlin sind dank Lockdown völlig überfordert, die Anmeldung verzögert sich. Doch im April können wir endlich das Lenkrad übernehmen und losfahren. Aber wohin? Alles ist gesperrt, keiner soll irgendwohin fahren. Also einfach mal ne Runde über den Berliner Ring. Später verlegen wir uns auf kleine Tagesausflüge. Mal zu den Adonisröschen nach Seelow, mal zum Birnbaum in Ribbeck. Meine neue Drohne ist immer dabei.

Da MeckPomm eins der Bundesländer ist, die relativ schnell und auch lange den Tagestourismus verbieten, fällt unser sonstiges Wochenendziel Warnemünde weg. Wir lernen daher unser näheres Umfeld kennen. Zum Beispiel das Schlaubetal in Brandenburg oder den Senftenberger See. Warum in die Ferne schweifen… Mit Einschränkungen ist damit Kurzurlaub mit dem Wohnmobil möglich. Physical Distancing sowieso.

Am Ende des Frühlings ist dann doch noch eine längere Tour möglich. Von Berlin zum Edersee (Hessen), dann ab in die Südsee (Heide) und am Ende noch mal an die Ostsee nach Kühlungsborn (MeckPomm). Alles nur mit Reservierung. Ganz ungewohnt, unseren Wohnmobilurlaub vorab zu planen. Aber wir sind dankbar, dass es möglich ist.

Sommer

Senftenberg entwickelt sich in diesem Jahr für uns als das neue Warnemünde. Insgesamt sind wir viermal dort, meist auf dem Campingplatz den man prima online buchen kann. Die vielen Seen die dort entstanden sind eignen sich prima zum Wandern oder Radfahren. Es ist nicht überlaufen, eine sehr gute Möglichkeit raus aus Berlin zu kommen, um in der Natur zu entspannen. Warnemünde ist ohne Kreuzfahrtschiffe sowieso langweilig. Die Sommerferien bleiben wir größtenteils in Berlin, die Pandemie ist etwas zurückgetreten und das öffentliche Leben nimmt wieder seinen Gang. Mit Ausnahme der Kultur ist wieder vieles erlaubt was eine Stadt ausmacht.

Zum Sommerabschluss wagen wir es dann noch mal einen längeren Urlaub mit dem Wohnmobil zu starten. Über Schleswig-Holstein und Dänemark geht es nach Süd-Norwegen. Insgesamt 21 Tage testen wir unser Wohnmobil auf Herz und Nieren und gönnen uns eine Auszeit. Weit weg von den Gedanken an Corona. Auch in Norwegen spürt man natürlich die kleinen Einschränkungen, aber das Land bietet sich quasi an anderen Menschen aus dem Weg zu gehen. Das gelingt uns auch prima. Als wir Anfang September wieder in Berlin eintreffen sieht noch alles gut aus. Die Infektionszahlen steigen aber bereits wieder. Die Ferienzeit ist zu Ende, Schule hat begonnen, die Raves in Berliner Parks finden immer mehr Zulauf und die Schwurbler kommen in die Stadt.

Herbst

Der Blick in den Veranstaltungskalender zeigt weiterhin große Leere. Nur Aktionen die draußen stattfinden sind erlaubt. Das Festival of Lights ist dieses Jahr sehr früh, leidet aber – wie alles andere – unter den fehlenden Touristen, die ansonsten den Hotels volle Häuser bescheren. Der Spreepark veranstaltet Führungen mit Kleinkunst, nur nach Anmeldung und mit entsprechenden Slots für die Besucher. Eine sehr gute Möglichkeit den vielen Straßenkünstlern zu Einnahmen zu verhelfen und für mich zu fotografieren. Das hat echt Spaß gemacht. Senftenberg steht wieder auf dem Programm, aber die Saison für Wohnmobile neigt sich langsam dem Ende zu. Zeit die Überwinterung vorzubereiten. Für uns insgesamt eine gute Urlaubssaison, die vielen anderen leider nicht vergönnt war. Zwei Höhepunkte des Herbstes stehen noch an, auch fotografisch: Die Schließung von Tegel und – wirklich, wirklich – die Eröffnung des neuen Flughafen Willy Brandt, besser bekannt als BER. Nur will grad niemand irgendwohin fliegen. Gleich zum Start ein Geisterflughafen.

Im Oktober zeichnet sich leider die 2. Welle der Pandemie ab. Ich habe ja gehofft, dass der Sommer und die Vernunft über das Virus siegen würden, aber leider war die Hoffnung trügerisch. Man kann den Inzidenzwerten täglich beim wachsen zusehen. Kurze Zeit später ist Berlin bereits Corona-Hotspot. Schnell wird auch klar, dass die Herbstferien damit touristisch ausfallen werden. Für alle Berliner Eltern mit Kindern der Super-Gau, sind doch bereits Oster- und Sommerferien mehr oder weniger ausgefallen, was das verreisen angeht. Ost- und Nordsee, bevorzugte Reiseziele der Berliner Familien sind nicht erreichbar. Kreativität zu Hause ist angesagt.

Winter

Nun ist Winter und Berlin steht schon wieder still. Wie im Frühjahr ist alles geschlossen, der harte Lockdown ist notwendig, da die Zahlen unvorstellbare Dimensionen angenommen haben. Viel höher als während der ersten Welle im Frühjahr. Jeden Tag sterben aktuell rund 1000 Menschen an oder mit Corona. Das sind 5 Flugzeuge pro Tag die in Deutschland abstürzen. Das kann man sich kaum vorstellen.

Zum Abschluss des Jahres gibt es noch zwei Eröffnungen, die leider ohne große Feiern auskommen müssen: Die Verlängerung der U5 vom Alex zum Hauptbahnhof geht in Betrieb und das Stadtschloss wird – zumindest von außen – eröffnet. Die Kämpfe wer, wie, wann und mit wem Weihnachten feiern kann sind vorbei, heute Nacht wird es erstmalig vermutlich ruhig bleiben in Berlin. Der Verkauf von Böllern ist untersagt und Berlin hat zusätzlich rund 60 Bereiche gesperrt. Verkauf von Alkohol ist seit 14 Uhr untersagt. Die Polizei wird mit einem Großaufgebot für Ruhe sorgen.

In diesem Sinne wünsche ich allen ein – hoffentlich – frohes und gesundes neues Jahr, lassen wir das Alte möglichst schnell hinter uns, auch wenn es uns gedanklich lange im Kopf bleiben wird. Die Impfungen haben begonnen, so dass ein Ende der Pandemie durchaus wahrscheinlich wird. Hoffen wir das Beste. Vielleicht ist es auch bald wieder möglich sich im realen Leben zu treffen, zu quatschen, was zusammen zu trinken und sich in den Arm zu nehmen. Es reicht langsam mit „Distancing“. Blödes Virus ey!

Ich wünsche ein frohes und gesundes 2021. Bleibt gesund und passt auf euch auf!

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