Zeit zum Auswandern

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Auswandererschicksale in Karteikästchen – Foto: h|b

Lange bevor RTL seine unbedarften Protagonisten, schlecht vorbereitet ins Ausland abdampfen ließ, taten das Millionen von Deutsche seit dem 18. Jahrhundert. Ob Nord- oder Südamerika, ob Australien oder Neuseeland, die Deutschen zog und zieht es immer noch in die ganze Welt. Teils aus wirtschaftlichen Gründen, teils aus politischen Gründen suchten sie damals ihr Heil in der Ferne und der Start in dieses „Abenteuer“ war oft der Überseehafen in Bremerhaven.

Von hier fuhren zuerst Segelschiffe über die Meere – nach Amerika dauerte die Überfahrt dann schon mal mehrere Wochen – die später von stählernen Dampfschiffen abgelöst wurden, die diese Strecke in maximal einer Woche zurücklegen konnten. Mein „persönlicher“ Auswanderer ging als Schneider zuerst nach New York um später in Honululu königlicher Hofschneider zu werden. Viele Einwanderer scheiterten allerdings bereits in Ellis Island aus gesundheitlichen oder anderen Gründen. Die Auslese der Einwanderungsbehörde war hart.

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Abschied und Abreise am Pier in Bremerhaven von der Fallreep aus – Foto: h|b

Wo erfährt man das nun alles, und wieso habe ich einen „persönlichen“ Auswanderer? Das alles ist Bestandteil des pädagogischen Konzeptes des „Deutschen Auswandererhauses“ in Bremerhaven. Das Museum folgt dabei den Schritten einer Auswanderung: Den Gründen wie es dazu kam, dem Abschied und der Ausschiffung in Bremerhaven, die Ankunft z.B. in Ellis Island vor New York und das Schicksal der Auswanderer, soweit es dokumentiert ist. Das alles an Hand eines „Boarding Passes“ mit einer Chipkarte, mit der man an vielen Stationen Informationen abrufen kann. Eben auch die über den mir zugewiesenen Auswanderer mit Namen „Paul Lemke“ der 1886 von Bremerhaven nach Amerika aufbrach.

Das ist alles sehr schön umgesetzt und wird durch Ton und Bildmaterial anschaulich ergänzt. Wir sind gut zwei Stunden durch die Stationen gewandert und haben sicher noch nicht alles gesehen und gehört. Aber einen kleinen Einblick, was es bedeutet das Land und seine Lieben zu verlassen, ohne wirklich exakt zu wissen, was einen am Ziel erwartet, konnte die Ausstellung vermitteln. Eine Empfehlung, nicht nur für einen völlig verregneten Tag wie heute, der einen auch ohne Not mit Auswanderungsgedanken in wärmere und trockenere Gefilde spielen lässt. Vanceremos.

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