Herbstblues

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Künstlerische Aufwertung eines Bunkers am Hafen von Calais – Foto: h|b

Auf dem Parkplatz am Hafen von Calais dominieren die Wohnmobile mit den gelben Nummernschildern und dem Lenkrad auf der falschen Seite. Dazwischen vereinzelt Holländer, Belgier, Franzosen und ein paar Deutsche. Die Fähren fahren hier – im Gegensatz zu Warnemünde – eine hohe Frequenz. Fast immer fährt eine der Fähren gerade raus oder eine andere kommt herein. Ein reger Pendelverkehr zwischen den nur 36 km auseinander liegenden Küsten Frankreichs und England.

Heute morgen sind wir in Boulogne sur mer aufgebrochen und haben auf dem Weg nach Calais die „Site deu Caps“ abgefahren. Zwei Kliffs, Cap Gris-Nez und Cap Blanc-Nez, die ein Stück ins Meer hinausragen. Natürlich heftigst gesprenkelt mit deutscher Bunkerbaukunst. Überall an der Küste sieht man die Hinterlassenschaften des Atlantikwalls, falls der hier auch noch so heisst.

Nach einem kurzen Abstecher zum Eurotunnel, auch hier reger Verkehr, und einem Besuch im Carrefour, steuern wir den Hafen von Calais an und suchen uns ein Plätzchen zwischen den hier stehenden Wohnmobilen. Sind nur 60 Kilometer, aber wir machen diesmal kleinere Etappen. Dazu regnet es inzwischen leider, bei einem unangenehm starken Wind. Da macht Sightseeing nicht mehr so richtig Spaß.

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Das Rathaus von Calais, verborgen hinter bunten Hecken – Foto: h|b

Während einer Regenpause besuchen wir die Altstadt von Calais und schauen uns das imposante Rathaus der Stadt an mit dem imposanten Campanile. Davor wehen Fahnen von Belgien, Amerika, Frankreich (logo), Europa und Kanada. Die sind echt nachtragend diese Franzosen, nur weil diese Nationen damals Calais – und wohl auch Frankreich – befreit haben, pffffff.

Nach dem Abendessen machen wir noch eine kurzen Spaziergang zum Leuchtturm, Traditionen müssen sein, und spielen kurz mit dem Gedanken, morgen mal eben nach England zu hüpfen, das Wetter ist da etwas besser als hier. Aber nein, dafür braucht es Zeit und Vorbereitung.

So Küstenstädte im Herbst haben ja etwas leicht trauriges an sich. Die Saison ist vorbei, die Kinderspielplätze verwaist, viele Bars haben geschlossen und die vielen weißen Umkleidekabinen am Strand haben ihre Bestimmung verloren. Nur die Möwen kreisen noch auf der Suche nach etwas essbaren über der Promenade und stürzen in Scharen vom abendlichen Himmel, wenn aus irgend einem Auto eine Tüte Pommes fliegt, die nicht mehr gegessen werden will. Bon nuit.

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