Reserviert

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Verdutzt rieben sich die Menschen heute morgen gegen halb acht auf dem Weg zum Hauptbahnhof die Augen. Hatte die unselige Angewohnheit der Deutschen und Engländer, die Liegen am Urlaubsstrand morgens in aller Herrgottsfrühe schon mit Handtüchern zu belegen, nun auch den Capital Beach erreicht? Alle verfügbaren Liegen waren weithin sichtbar mit roten Handtüchern belegt.

Ein weißer Schriftzug darauf wies dann allerdings schnell die Lösung. Eine Online-Buchungsplattform, beziehungsweise App, für Hotels, verlängerte kurzerhand – gefühlt – das Urlaubsfeeling der wieder zurückgekehrten Berlinerinnen und Berliner und drapierte die roten, kuscheligen Tücher entlang des Spreebogens. Nach der Aktion – gegen zehn Uhr – konnten diese direkt von den Gästen mitgenommen werden. Für uns das perfekte Utensil für einen herrlichen Wannseetag mit den Enkelkindern.

Abendrot

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Heute Abend gab es mal wieder einen dieser genialen Sonnenuntergänge bei denen sich der Berliner Himmel blutrot verfärbt und mit der richtigen Wolkenformation ein herrliches Bild zeigt. Der Tag begann ja heute morgen mit Blitz und Donner und zeigt sich dafür am Abend versöhnlich, mit einer Verheissung auf weitere schöne Sommertage, die aber nicht mehr so heiss werden. Es hat kräftig abgekühlt und draussen sind es um 22 Uhr gerade noch 20 Grad. Das verspricht eine angenehme Nacht.

Ei verbibbscht

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Elf Reisebusse, 520 Sachsen und Sächsinnen, rund 1000 Stück Gepäck. Das war der Tag heute direkt vor unserem Wohnmobil. Die Ocean Majesty hat direkt vor uns festgemacht und damit wird der unmittelbare Bereich zur Hochsicherheitszone und extraterritoriales Gebiet. Betreten nur noch mit Reisepass und Buchung zulässig.

Zuerst wurde das Schiff einmal entleert, um danach in einem langwierigen Prozess wieder befüllt zu werden. Alle Koffer müssen durchleuchtet werden, ebenso die Passagiere. Da die Busse am laufenden Band ankamen und sich ihrer Fracht entledigten, stand die Schlange der Reisenden teilweise hundert Meter und mehr vor dem Röntgengerät. Die Älteren, und das war die Mehrzahl der Passagiere, durfte sich netterweise auf kurzfristig organisierte Stühle setzen, um nicht in der Hitze zu kollabieren.

Jetzt ist es halb drei, alle Passagier sind an Bord, die letzten Koffer werden gerade gescannt und die Security baut das erste Zelt schon wieder ab. Da an den regulären Piers die AIDA und die COSTA liegen, wurde alles über den Wohnmobilparkplatz organisiert. Alles sehr familiär. In einer halben Stunde legt das Schiff voller Sachsen ab und wird die norwegische Küste bis nach Molde abfahren. Wenn ihnen in Norwegen also die nächsten 7 Tage Menschengruppen begegnen die etwas merkwürdig reden, keine Angst, die tun nichts, die wollen nur spielen.

Lemminge

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Den Menschen zieht es ja immer wieder zum Wasser. Wasser ist Leben und die ersten 9 Monate seines Lebens verbringt der junge Mensch sogar komplett im Wasser. Kein Wunder also, dass, kaum scheint die Sonne vom blauen Himmel, er sich auf den Weg macht, um ans Wasser zu kommen. Dazu setzt er sich zuerst in seine Blechkiste, fährt sodann stundenlang mit vielen anderen auf heissen Betonstrassen, um dann, endlich angekommen, am sandigen Ufer des Meeres mit tausenden eingeölten Individuen dem Sonnenbaden zu frönen.

Bereits ab der dritten Wurfzeltreihe ist das Meer nur noch zu erahnen, während sich um ihn herum Familiendramen abspielen. Bei geschlossenen Augen hört es sich an, als stünde er in der weltgrößten Bahnhofshalle, das leise Meeresrauschen dringt darunter gar nicht mehr hervor. Spätestens nach fünf Stunden nervt der Sand, im Wasser ist auch nur noch stehen möglich und krebsrote Gestalten leuchten heller als die Sonne. Man sehnt sich nach einem kühlen Keller oder einem Zimmer, durch das ein frischer Wind weht, nur um am nächsten Tag pünktlich um zehn Uhr sein Wurfzelt am Strand wieder zwischen vielen anderen Lemmingen aufzubauen. Strandleben macht einfach süchtig.

Papierlose Zeitung

Der digitale Tagesspiegel schlägt den Analogen - Foto: h|b
Der digitale Tagesspiegel schlägt den Analogen – Foto: h|b

Heute morgen hatten wir, zum vorerst letzten Mal, das haptische Erlebnis eine Tageszeitung durchzublättern, ab morgen wird geswiped. Das letzte Mal an der Druckerschwärze riechen und sie anschließend von der Nasenspitze waschen. Das letzte Mal die Zeitung aufteilen, dass jeder seinen Teil zum Lesen bekommt. Ich fange dabei immer mit dem Berlinteil an, meine Frau nimmt den Rest. Der Tagesspiegel ist ja schön praktisch in vier Teile aufgebaut und lässt sich gut trennen. Das letzte Mal diskutieren, wer am Ende die ausgelesene Zeitung wegbringt. Alles vorbei. Weiterlesen „Papierlose Zeitung“

Die Überwachung des Nachtwandlers

Viele "Likes" für Edward Snowden auf der Demo #stopwatchingus - Foto: h|b
Viele „Likes“ für Edward Snowden auf der Demo #stopwatchingus – Foto: h|b

Eigentlich ist heute ein Tag an dem man sich im Kühlschrank einschliessen, oder einen Eiskeller wie die unteren Bahnsteige des Berliner Hauptbahnhofs aufsuchen müsste. Es. Ist. Heiss. Der Körper fühlt sich permanent fiebrig an. Selbst wenn man nichts tut, ist das meist schon zu viel. Die Stadt hat Fieber und ihre Bewohner auch. Aber einfach nur rumliegen ist ja auch blöd, wenn andere aufbrechen um die Welt zu retten, die Digitale. Und Menschenrechte und so. Also habe ich mich dem nicht verschlossen und stehe kurz nach zwei am Mariannenplatz in Kreuzberg mit rund 1500 Gleichgesinnten, die sich gegen #prism, #tempora und anderen paranoiden Irrsinn der Geheimdienste wehren. Die Leute sind gekommen, obwohl es zum Demonstrieren im Grunde viel zu heiss ist. Großes Lob.

Krimilesung im Berliner Applestore - Foto: h|b
Krimilesung im Berliner Applestore – Foto: h|b

Bin dann ein Stück mitgelaufen und habe fotografiert, da ich aber noch einen anderen Termin hatte, bin ich erst mal wieder zum auffrischen nach Hause. Nach kurzer Pause sind wir dann mit der U-Bahn-Sauna zum Applestore auf den Ku’Damm gefahren. Dort hatten wir uns für eine Lesung des Autors Sebastian Fitzek eingetragen. Zur Belohnung gab es neben der sehr interessanten Lesung des Buchs „Der Nachtwandler“, eine gut eingestellte Klimaanlage, die uns beide eine gute Stunde lang den heissen Sommer vergessen ließen. Leider mussten wir aber am Ende wieder auf die Straße und in die Sauna-U-Bahn. Ein schöner Hochsommertag.

Berlin im Fieber

Unbarmherzig knallt die Sonne vom blauen Himmel - Foto: h|b
Unbarmherzig knallt die Sonne vom blauen Himmel – Foto: h|b

„Am Samstag und Sonntag bekommt Deutschland Fieber. Wir erwarten das bisher heißeste Wochenende des Jahres“ sagt Andreas Friedrich, vom Deutschen Wetterdienst (DWD). War es Anfang des Jahres die nordatlantische Oszillation die uns in Berlin einen harten und ewig dauernden Winter bescherte, verdanken wir die aktuellen Sommertage einer „Omega“ Wetterlage. Dabei sind wir in der Mitte eines angenommenen Omegas, von oben strömt trockene, skandinavische Luft zu uns, und um uns herum stabilisieren zwei Tiefdruckgebiete diese Konstellation. Das führte bisher zu einer stabilen und trockenen Hochdrucklage, verhinderte aber auch den dringend notwendigen Regen. Seit dem 2. Juli hat es jetzt in Berlin nicht mehr geregnet. Ab morgen dreht sich das Ganze nun und es strömt heiße Luft aus Nordafrika auf direktem Wege über das Mittelmeer zu uns. Im Zusammenspiel mit der Sonneneinstrahlung steht daher das bisher heißeste Wochenende des Jahres bevor. Ich werde dann wohl den Keller mal wohnlich einrichten gehen.
Brunnen machen das Klima erträglich - Foto: h|b
Brunnen machen das Klima erträglich – Foto: h|b

Weissmacher

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Heute morgen standen die Maler vor unserer Haustür und haben die Tür und die umliegenden Wände wieder mal neu geweißt. In Friedrichshain neigen Wände und Türen nämlich dazu, über kurz oder lang „verziert“ zu werden. Reines Weiß scheint bei bestimmten Personen einen Reflex auszulösen. Sie müssen dann sofort einen Edding oder Schuhcremepads aus der Tasche ziehen und irgendwelche Hieroglyphen hinterlassen. Wohlwollende Menschen sagen „Tags“ dazu und halten das ansatzweise für Kunst und „in Berlin gehöre das eben dazu“. Ich tendiere ja inzwischen eher dazu mir Gedanken über das anbringen unsichtbarer Elektrokabel oder effektiver Selbstschussanlagen zu machen. Aber das wäre natürlich politisch völlig unkorrekt. Aber wehe wenn ich jemanden „in flagranti“ erwische, dann garantiere ich für nichts. Echt jetzt. Ich weiß nämlich wer die Maler letztendlich bezahlt, die immer wieder vorbeikommen müssen, weil irgendwelche Schmierfinken ein gestörtes Selbstwertgefühl haben. Seid also gewarnt.

Pack die Badehose ein

Badevergnügen am Schlachtensee - Foto: h|b
Badevergnügen am Schlachtensee – Foto: h|b

Wenn Berlin über den Sommer stöhnt, begibt es sich zu den zahlreichen Seen im Umland um sich am Wasser zu erholen. Als wir das vor ein paar Jahren mal am Müggelsee versucht haben, mussten wir feststellen, dass die Menge der berlinnahen Seen nicht für die ganzen Sonnenhungrigen ausreicht. Damals war echt jedes freie Dreckplätzchen am See belegt. Und der Müggelsee ist ja nun nicht klein. Da unser Lieblingssee inzwischen im Westen liegt, haben wir heute wieder mal vorbeigeschaut. Hatte vorher noch mal schnell im Blog recherchiert, unser letzter Besuch fand in der frühen Eiszeit statt. Das letzte Bild aus dem März diesen Jahres zeigt einen zugefrorenen Schlachtensee.

Kalt ist es nun heute überhaupt nicht, im Gegenteil, jeder Schattenplatz ist heiß begehrt. Ob am Wasser, auf dem Rundweg, oder später im Cafe. Die Sonne knallt erbarmungslos vom blauen Himmel. Kein Wölkchen trübt den Blick nach oben. Der See ist buntgetüpfelt mit Ruderbooten, zwischen denen vereinzelt die Köpfe der Schwimmer zu sehen sind. In der Luft hängt ein leichter Grauschleier, verursacht durch den Staub, den Jogger, Radler und Hunde vom Weg aufwirbeln. Da nur ein minimales Lüftchen weht, hat er kaum Zeit sich zu setzen. Auch an diesem See sind viele Uferplätze belegt, aber wer will, findet am Mittag immer noch ein kleines Fleckchen für sein Handtuch. Da wir aber nicht vorhaben zu baden, drehen wir nur unsere übliche Runde, rasten bei einem Weizenbier im Cafe und fahren wieder zurück in die mit Hitze aufgeladene Stadt. Müssen den Sommer doch genießen. Bevor die nächste Eiszeit kommt.