Ab durch die Mitte

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Wenn ich mit dem Zug von Berlin nach Frankfurt fahre, gehts ja normalerweise ums Eck. Erst fährt der ICE von Berlin aus rund zwei Stunden nach Westen, bevor er hinter Hildesheim abrupt nach Süden abbiegt, die Geschwindigkeit auf 250 km/h erhöht und sich ab dann überwiegend in Tunneln aufhält. Da diese Strecke bei Magdeburg durch Hochwässerschäden aber aktuell gesperrt ist, fahren wir jetzt den mehr oder weniger direkten Weg nach Frankfurt. Leider fällt für mich dabei der Ostbahnhof als Startort weg. Ist sonst sonst sehr praktisch vor der Haustür einsteigen zu können.

Nun muss ich also zum Hauptbahnhof in den kalten Keller, wo der ICE bereitgestellt wird. Immerhin der klassische Einser, somit ist genug Platz. Auch in der ersten Klasse. Nach kurzer Aufwärmphase hält er noch schnell am Südkreuz, bevor er richtig Gas gibt und versucht Brandenburg schnellstmöglich zu durcheilen. Dabei tangiert er Orte wie Bülzig und Zörnigall. Nie gehört. Aber endlich mal was anderes als das große „Nichts“ zwischen Spandau und Wolfsburg. Wir fahren aber auch durch die Klassiker, Lutherstadt Wittenberg, Halle und Bitterfeld, was ich von ’69 ganz anders in Erinnerung hatte, irgendwie …. farbiger und geruchsintensiver, und erreichen dann bei Naumburg/Saale das Unstruthtal. Wir sind in Thüringen. Weiterlesen „Ab durch die Mitte“

Spiegellos

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Olympus, meine seit Jahren präferierte Marke, wenn es ums fotografieren geht, zieht aktuell übers Land, um ihr neues Flagschiff die OM-D E-M1 zu promoten. Heute war Berlin dran. Im industriellen Ambiente des Wasserwerks am Hohenzollerndamm konnten die Oly-Fan-Boys and Girls die OM-D ausgiebig testen, selbst in die Hand nehmen, eigene Objektive dranschrauben und an vier aufgebauten Stationen ihre Fähigkeiten bewundern. Natürlich bei Bedarf auch vorbestellen, beim Partnerstand von Foto-Erhardt.

Sie ist etwas größer als die E M5 und hat einen hellen und großen Sucher. Das dürfte locker Vollformatniveau haben. Aber … es ist ein elektronischer Sucher. Der ist aber inzwischen so gut, dass man nichts wirklich vermisst. Im Gegenteil, er ist nicht nur der Blick nach draussen, sondern ein Computerdisplay mit allen Möglichkeiten.

Für mich ist sie noch etwas oversized, vor allen Dingen im aktuellen Preisgefüge. Vielleicht erstmal die M5 zu Weihnachten, als Einstieg ins mFT Segment. Mit meiner kleinen E PL-3, meiner aktuellen „immerdabei“ bin ich ja schon fleissig am üben. Aber ich denke auch, dass die Zukunft den spiegellosen Kameras gehört. Zuviel spricht dafür und Olympus setzt hier klar die Trends.

Werbung total

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Die untere S-Bahn Station der Friedrichstraße ist häufig Schauplatz für konsequente Werbung. Jedes Stück Wand, jeder Pfeiler ist vollgepflastert mit aufeinander abgestimmten Werbeplakaten. Als ich heute nachmittag dort ausgestiegen bin, hat mich die volle Bluse des GTA-Groupies fast erschlagen. Jeder Quadratmeter der Station zeigt die Konterfeis des aktuellen Spielehits „Grand theft auto“. Ein „Open World Game“ wo man als Gangster Karriere machen kann, Foltern inklusive. Ob die Bahn weiß, wofür sie da werben lässt. Billig ist das sicher nicht.

Treppauf, Treppab

Jeden Dienstag, nach Büroschluss, führt mich mein Weg in den Rudolfkiez in Friedrichshain. In einem Backsteinloft am Ende der U-Bahn Abstellanlage der U 1 befindet sich ganz oben unter dem Dach das „Expert-Training“. Früher hieß es mal „Kieser-Training“, aber man hat sich irgendwie verkracht. Eine Weile war auch die Abbuchung der Mitgliedsbeiträge etwas chaotisch, der frühere Franchisenehmer hatte angeblich was damit zu tun, aber zwischenzeitlich funktioniert wieder alles.

Treppab

Jeden Dienstag, es ist wichtig es regelmäßig zu tun, ersteige ich beschwingt die Treppe in der Rudolfstraße, und hole mir am Tresen meinen Spindschlüssel ab. Im Gegensatz zum klassischen Fitnesscenter ist es ruhig und entspannt. Einzelne Männer und Frauen sitzen an den verschiedenen Geräten und ziehen, stoßen oder drücken 90 Sekunden lang ihre Gewichte. Ich ziehe mich um, starte im iPhone die Kieser APP und beginne mit dem Training. 10 Stationen, jeweils 12 Wiederholungen, rund 30 Minuten lang, schön langsam. Muskelaufbau. Irgendwann habe ich mal ausgerechnet was ich pro Training an Gewichten bewege. War ne ganze Menge.

Treppauf

Jeden Dienstag, auch wenn ich mich manchmal motivieren muss, tausche ich, ungefähr 40 Minuten nach Trainingsbeginn, wieder Schlüssel gegen Mitgliedskarte und trolle mich von dannen. Meine Muskeln fühlen sich gut an, ich kann wieder aufrechter gehen. Muss mich nicht so hängen lassen. Das Grundprinzip dieses Trainings ist es ja die Muskulatur zu stärken, die dann, solcherart gestärkt, den Rücken unterstützt. An der Treppe zur U-Bahn-Station Warschauer Straße merke ich zwar meine Beinmuskeln, aber ich komme ohne zu japsen oben an. Der Weg nach Hause vergeht fast wie im Trance, dann wartet die Couch.

Nächsten Dienstag warten sie wieder auf mich. Erst die Treppen. Dann die Gewichte. Dann die Couch. Dienstag, ein fixer Punkt im Ablauf der Gezeiten.

Finger weg!

Irgendwann musste es ja passieren. Unser Wohnmobil steht ja auch im öffentlichen Raum. Das gelangweilte Idioten das eines Tages als Unterlage für ihre Schmierereien nutzen würden war uns fast klar. Es war nur eine Frage der Zeit. Wir können noch zufrieden sein, dass es kein großes Tagging geworden ist, auch dass liest man ab und an im Internet, sondern „nur“ ein kleiner, wenn auch unschöner Zusatz zur Typ-Bezeichnung. Aber … und das ist ganz wichtig, sofort reagieren. Dem „Broken Windows“ Effekt vorbeugen.
Vorher
Daher haben wir sofort zu einem Schmutzradierer gegriffen, um den Originalzustand wieder herzustellen. Im Internet gibt es viele Tipps, von Waschbenzin, über Spiritus, oder andere Geheimmittelchen, aber der Radierer führte sofort zum Erfolg. Der kleine „Schwamm“ wird angefeuchtet und dann rubbelt man über das Tagging und sieht zufrieden, wie Buchstabe auf Buchstabe verschwindet. Ich hoffe, dass es der letzte Einsatz dieser Art war. Malt von mir aus die Straße voll, habt ihr doch als Kinder früher sicher mit bunter Kreide auch gemacht, aber lasst anderer Leute Sachen in Ruhe. Finger weg, verstanden!
Nachher

Herbstanfang in Berlin

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Heute ist Herbstanfang. Das Wetter belohnt den Tag, im Gegensatz zur abgelaufenen Woche, mit einem richtig schönen Sonnentag. Obendrüber ein paar Wolken, auch mal Dunkle, aber es ist trocken und teilweise richtig warm. Wir machen uns auf in den Westen, mal sehn, ob noch iPhones im Angebot sind. Der Applestore am Ku’Damm ist gut gefüllt mit Menschen, aber die neue Generation iPhones gibt es heute nur zum anfassen, nicht zum mitnehmen. Die erste Lieferung ist komplett verkauft, wann es Neue gibt, kann niemand sagen. Ist wahrscheinlich auch besser so, am Ende wären wir nur wieder schwach geworden. Weiterlesen „Herbstanfang in Berlin“

Frechheit

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Manchmal kann man ja an der Menschheit zweifeln. Die kriminelle Energie von einigen Räubern führt zu absurden Versuchen zu Geld zu kommen, ohne dafür zu arbeiten. In Berlin ist im Moment die Masche entweder brachial mit Autos direkt in Bankfilialen zu brettern und die Geldautomaten durch rammen zu zerstören, oder Geldautomaten in kleinen Ausgabefilialen durch Sprengstoff aufzusprengen.

So geschehen am Wochenende, direkt schräg unterhalb meines Büros. Seit heute ist uns der direkte Weg zur Kantine gesperrt. Holzplatten decken von aussen die Lücke ab und im Vorraum ist die halbe Decke heruntergekommen. Laut Polizeibericht haben „zwei mit Skimasken vermummte Männer am Sonntag früh gegen 5.50 Uhr den Geldautomaten gesprengt und sind nach Zeugenaussagen mit Geldkassetten entkommen. Nach der Explosion nahmen die Männer die Geldkassetten, stiegen in einen bereit stehenden BMW, in dem eine dritte maskierte Person saß, und flüchteten Richtung Bernauer Straße.“ Frecher gehts nicht. Wer sie findet, darf ihnen gerne von mir eine aufs Maul hauen. Echt ey.

Watt is?

Das Meer macht Pause - Foto: h|b
Das Meer macht Pause – Foto: h|b

Eins der frustrierenden Dinge an der Nordseeküste ist häufig die Erkenntnis, dass das Meer immer mal wieder Pause macht und dann an der Küste durch dieses „Watt“ ersetzt wird. Man kann dann nicht mehr schwimmen gehen und in den Wellen herumtollen, sondern nur noch „wandern“. Im Watt. Barfuss. Muss man mögen. Unsere Kinder haben das damals nur mit Gummistiefeln mitgemacht. Barfuss kam nicht in die Tüte. Wenn man erstmal im Watt unterwegs ist, immer schön auf die Tidezeiten achten, macht das ja durchaus Spaß. Man gräbt nach Wattwürmern, bohrt die Zehen in den Schlick (geht nur ohne Gummistiefel), oder plantscht durch die Priele. Mit einer Führung erfährt man noch eine ganze Menge mehr: Zu den im Wattenmeer lebenden Säugetieren zählen Seehunde, Kegelrobben und Schweinswale. Im Schlick tummeln sich Muscheln und Krebse, Faden- und Strudelwürmer. Eine außerordentlich große Artenvielfalt ist hier zu Hause. Nicht umsonst hat die UNESCO das Wattenmeer 2009 als grenzüberschreitende Weltnaturerbestätte anerkannt. Da kann man schon mal für sechs Stunden auf die Wellen verzichten.

Lummerland

Smugglers Paradise

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Heute morgen um acht Uhr brechen wir auf, um mit dem alten Clipper „Lady von Büsum“ zur roten Insel überzusetzen, die weit draussen vor Büsum mitten in der Nordsee liegt. Früher mal Paradies für Schmuggler und Spione, später unter englischer Flagge, wird sie zu Kaiser Wilhelms Zeiten, im Tausch gegen Sansibar, zu einer deutschen Insel, mit hohem strategischem Interesse. Sie wird zum Stützpunkt der Kriegsmarine und soll im dritten Reich dermaßen ausgebaut werden, Stichpunkt „Hummerschere“, dass hier die ganze deutsche Kriegsmarine unterkommen soll. Aber wie so viele andere Dinge auch, wird – aus bekannten Gründen – daraus nichts.

Nach dem verlorenen Krieg ist die Insel nun wieder britisch, bis in den 50er Jahren erneute Verhandlungen schließlich erfolgreich enden, und die Briten zum zweiten Mal Helgoland an die Deutschen übergeben. Diesmal ohne das die etwas anderes dafür hergeben müssen. Von den Zerstörungen sieht man indes nichts mehr, die Insel gedeiht und floriert, zumindest wenn – wie heute – fünf Schiffe gleichzeitig gegen Mittag im Hafen festmachen und rund 2000 Passagiere an Land „gebördet“ werden. Anstatt nämlich einfach im Hafen anzulegen, liegen alle Schiffe vor Anker und kleine einheimische Motorboote setzen die Passagiere über. Eine durchaus lustige Sache, solange der Seegang nicht zu wild ist. Heute ist es relativ ruhig, kein Problem also.

Die Insel ist aufgeteilt in Unter-, Mittel- und Oberland und dort oben kann man sie auf dem Klippenpfad schön umrunden. Wir gehen gegen den Uhrzeigersinn, so sind wir am Wahrzeichen der Insel, der „Langen Anna“ noch relativ allein. Ein Stück weiter taucht der „Lummenfelsen“ mit tausenden Vögeln und einem Mordsgekreische auf. Und es kommen die anderen Schiffstouristen, die, die im Uhrzeigersinn die Insel umrunden. Auf den schmalen Wegen muss man nun aufpassen, sich nicht gegenseitig auf die Füße zu treten und Fotomotive gibt es nur noch gegen Absprache. Wir gehen noch am Berliner Bären, der die Entfernung nach Berlin anzeigt, vorbei, was immer der hier auch tut, und kaufen zollfrei ein. Wie alle. Echt interessante Preise, wenn man eh schon mal hier ist. Nach drei Stunden verlassen wir die Insel wieder und löschen damit einen weiteren Eintrag in unserer laaaangen „Things to Visit“ Liste.