Gib mir fünf

SeegrundstückSeegrundstück in Norwegen

Nach einem herrlichen Frühherbsttag in Warnemünde, mit einem langen Strandspaziergang nach Wilhelmshöhe und zurück, sitzen wir nun in unserem Wohnmobil bei Bier und Wein. Hier, wo alles seinen Anfang nahm. Heute genau vor fünf Jahren haben wir, gleich hier um die Ecke, in Bargteshagen, unser Wohnmobil vom Händler in Empfang genommen. Im Kühlschrank fand sich eine Flasche Sekt und wir uns kurz darauf auf der Mittelmole in Warnemünde wieder. Dies sollte für die nächste Zeit unser Hotspot für die kleinen Auszeiten werden, aber das wussten wir da noch nicht so genau.

Inzwischen sind 5 Jahre und rund 60.000 Kilometer ins Land gegangen. Im Kopf schwirren Unmengen von Bildern herum, die ich versuche einer unserer vielen Touren zuzuordnen. Wir beide in der Mitternachtssonne auf dem Nordkapp, unter einem riesigen Regenbogen an der Nordsee, vor dem Leuchtturm des Cap Fréhel, in den Schwefelquellen der Toskana, und, und, und…. Es müssen Tausende sein, die irgendwo gespeichert sind. Im Kopf, so wie bei Frederik der Maus. Jederzeit abrufbar. Schöne Erinnerungen, warme Gefühle.

Und soviel liegt noch vor uns, was wir noch sehen wollen, die schottischen Highlands, die Geysire auf Island, die Affen auf Gibraltar, oder die höchsten Schweizer Berge. Ich muss nicht nach Bangkok oder auf die Malediven fahren, es gibt so tolle Sachen in Deutschland und Europa zu entdecken und alle können wir mit unserem rollenden Haus erreichen. Also stoßen wir an, auf fünf Jahre Freiheit und Abenteuer und wünschen uns für die nächsten fünf Jahre – erstmal – viel Neues zu sehen. Herzlichen Glückwunsch „Bergziege“ und begleite uns weiter zuverlässig durch die Welt.

Schöner Wohnen in Friedrichshain

Wohnen auf der Straße - Foto: h|b
Gemütliche Polstersessel entlang des Bürgersteigs, Klamotten hängen zum Trocknen auf den Ästen des Mirabellenbaums, ein Kinderwagen dient zur Aufbewahrung der Habseligkeiten: Gemütlichkeit in der Punker- und Trinkerszene an der Warschauer Brücke in Friedrichshain. Immer neue Möbelkreationen tauchen dort auf und verschwinden genauso schnell wieder.

Der kleine „Park“ dient schon lange als Aufenthaltsort für die Szene, bietet er doch eine gute Gelegenheit an Geld zu kommen. Die vielen Pendler und Besucher lassen hin und wieder Geldstücke in die bereitstehenden Becher fallen, es reicht dann allemal für eine neue Runde „Sterni“. Mit dem Umbau des Bahnhofs soll an dieser Stelle vermutlich ein großer Bike&Ride Platz entstehen. Das wäre sicher das Ende der „Gemütlichkeit“.

Smartphonejunkies

Angespannter Blick auf das Display - foto: h|bAngespannter Blick auf das Display – Foto: h|b

Wenn ich manchmal so drüber nachdenke, frag ich mich ja schon, wie wir eigentlich früher ohne die kleinen Zeitvernichtungsmaschinen ausgekommen sind. Ich bin mit offenen Augen durch die Gegend gelaufen, ohne Blick auf Google Maps. Ich habe nicht nach jeder Vibration in der Hosentasche hektisch nachgeschaut, was grad passiert ist – Mail gekommen, Facebook-Like bekommen, Akku leer. Hab mein Essen nicht fotografiert, sondern gegessen. Hab Mails am Rechner geschrieben und (manchmal) geduldig auf Antwort gewartet, heute tippe ich Nachrichten in Whatsapp und werde ungeduldig wenn zwei grüne Häkchen erscheinen und das Gegenüber nicht sofort anfängt zu tippen. Das ist alles schon ein bisschen krank, wenn man drüber nachdenkt.

Ich hab es natürlich in der Hand das Ganze zu beenden, aber ich will mich ja nicht abkapseln. Es ist ja Teil meines Lebens geworden. Ich WILL Likes für Fotos haben, ich WILL ohne Zeitverlust kommunizieren können, ich WILL im Zweifel wissen, wo genau ich jetzt bin und wann und wo die nächste Bahn fährt, oder das nächste Car2Go rumsteht. Das will ich und ich bekomme es. Wie der Süchtige seine Drogen. Nennt man wohl abhängig. Puhhhh. Gibts auch sowas wie Methadon für Smartphonejunkies? Ein Ersatz? Vielleicht hilft ein Nokia 6110. Nur Telefon und SMS. Ach neee, langweilig. Ich bleibe beim Smartphone. Basta.

Die Anregung für diesen Artikel gab mir das Foto, was schon länger in meinem Fundus liegt, und ein Fundstück auf G+ von heute, wo ein Restaurant beschreibt, wie es mit Filmen aus der Überwachungskamera von 2004 und 2013 herausbekommt, wieso die Gäste sich beschweren, das alles so lange dauert. Ist auf englisch, aber die Quintessenz wird trotzdem klar 😉

Ekschperte am Werk

Die Treppe zu "Expert Training" in Friedrichshain - Foto: h|b Die Treppe zu „Expert Training“ in Friedrichshain – Foto: h|b

Wie oft bin ich diese Treppe in den letzten Jahren hoch und runter gelaufen. Hoch, schleppend, noch von der Mühsal der Arbeit beladen, hinunter, beschwingt, muskelgestählt nach 30 Minuten Training. Vorbei. Als letzte Woche ein Kommentar in meinem Blog erschien, der mich als „Expert-Nutzer“ zum „Betroffenen“ machte, war ich leicht verwirrt. Warum sollte ich – und von was – betroffen sein? Ein Austausch über das Training? Bessere Vernetzung der Trainierenden? Heute bin ich schlauer.

Nach einem längeren Urlaub wollte ich heute Abend endlich wieder meine Muskeln auf Vordermann bringen. Ausnahmsweise beschwingt will ich die Tür zum „Expert Training“ öffnen, um die Treppe zu ersteigen, rumms. Aua. Zu. Häh!?!? Aha, ein neues Schloss über der Tür und jede Menge Din A 4 Zettel mit einer E-Mail Adresse für Betroffene. Auf einem Zettel beschwert sich eine ehemalige Angestellte, dass man sie bitte nicht anrufen soll, sie wüsste auch nichts. Ein „offizieller“ Zettel fantasiert etwas von einer „Havarie“ im Gebäude, wegen der man bis Mitte Juni schließen müsse.

Wahrscheinlicher ist allerdings eine Havarie des Franchisenehmers, der die Kunden jetzt blöd im Regen stehen lässt. Es gibt ja verschiedene Bezahlmodelle und wer noch vor kurzem einen 2-Jahresvertrag abgeschlossen und dafür vorab rund 700€ bezahlt hat, dürfte leichte Verzweiflung spüren. Ich hatte meinen Vertrag bereits zum August gekündigt, verliere also höchstens 2 Monate. Auch ärgerlich, aber verschmerzbar. Ob Firma und Konto noch existieren ist unklar. Bei Google schrieb jemand, das es keinen entsprechenden Handelsregistereintrag mehr gäbe.

So oder so, eine Ära geht zu Ende. Mal sehen was ich künftig machen werde. Die Idee finde ich ja nach wie vor nicht schlecht, auch wenn vermutlich mit ausreichendem Training zu Hause, eine ähnliche Wirkung erzielt werden kann. Vorausgesetzt, man macht es regelmäßig.

Das große Sterben

Verdun
Am Ende bleiben Kreuze – Foto:h|b

Gestern vor einhundert Jahren veränderte ein Doppelmord in Sarajevo die Geschichte der Welt. Vier furchtbare Jahren später waren 20.000.000 Menschen tot. Als ich vor vier Wochen in Verdun war, versuchte ich mir das Grauen vorzustellen, aber es war schlicht unmöglich. Ordentliche aufgereihte Kreuze in der Morgensonne, grasbewachsene Hügel mit wohlgeformten Dellen, dichte Wälder so weit das Auge reicht.

Hier, wo vor langer Zeit über Monate alles umgepflügt wurde, von Mörsern, Granaten. Die Menschen unter sich begrabend, immer und immer wieder. Solange bis nur noch Knochen übrig waren. Diese kann man sich heute noch im Beinhaus von Beaumont ansehen. Aber auch das ist völlig abstrakt. In einer rundherum normalen Welt. Aber was ist schon normal.

Der Wächter

Der S-Bahn-Wächter - h|bDer S-Bahn-Wächter – h|b

Als ich letzte Woche irgendwann mit der S-Bahn durch den Bahnhof „Oranienburger Straße“ fuhr, habe ich mich fast ein wenig erschrocken. Nahm ich doch aus dem Augenwinkel ein Wesen wahr. Rot und dunkel glänzendes Metall, ausgebreitete Arme, bewaffnet mit Ketten und einem starren Blick. Das musste ich mir näher ansehen. Beim nächsten Mal stieg ich also aus und machte mich auf die Suche. Irgendwo musste er sich ja versteckt haben. Ich pirschte mich mit meiner Kamera langsam den Bahnsteig entlang, vorsichtig, ich wollte ihn ja nicht erschrecken. Durch die einfahrende S-Bahn abgelenkt, konnte ich schnell das außergewöhnliche Portrait schießen, dann sprang ich auch schon in die nächste S-Bahn stadtauswärts. Geschafft. Voila: Der S-Bahn-Wächter.

Dorfgeschichten

Sprichwörtliche Haltung in dörflichen Gegenden - Foto: h|bSprichwörtliche Haltung in dörflichen Gegenden – Foto: h|b

Wir waren heute zum fünfzigsten Geburtstag vom Bruder meiner Frau eingeladen, keine Ahnung was der so zu mir ist, aber egal, und nach der obligatorischen Kaffeetafel, drehten wir mit Kind und Enkelkindern eine Runde um den Dorfanger. Die evangelische Kirche, in der wir uns übrigens 1977 das Ja-Wort gaben, hatten wir dabei immer im Blick. Schön auf einer Kuppe mitten im Ort gelegen, ist sie das dominante Bauwerk. Hier gibt es ihn auch noch, den klassischen Zaun aus einzelnen Holzlatten, ein Relikt meiner Kindheit. Eigentlich ist es ja gemein und überheblich ist sicher noch dazu, aber ich konnte an diesem Motiv einfach nicht vorbeigehen. Denise wusste auch sofort was ich von ihr wollte und ergänzte das Bild, so dass der in Gedanken entstandene Spruch über die „Provinz“ bildlich umgesetzt werden konnte.

Na, wer weiss, was das oberste Bild darstellen soll?

Die Kirche im Dorf lassen - Foto: h|bDie Kirche im Dorf lassen – Foto: h|b

Ausflug ans Meer

Der erste Gang gilt stets dem Leuchtturm von Warnemünde - Foto: h|bDer erste Gang gilt stets dem Leuchtturm von Warnemünde – Foto: h|b

Mein kleiner Fotograf hat sich in Schale geworfen – fällt euch die schicke Mütze auf – und ist an die Ostsee gereist. Nach Warnemünde um genau zu sein. Wohin auch sonst. Gilt Warnemünde im Business der Kreuzfahrer doch als Hafen Berlins. So wird der Stop auch offiziell beworben. Daher darf ich mein kleines Projekt, was sich ja eigentlich auf Berlin konzentriert, auch kurz nach Warnemünde ausweiten. Der erste Weg führt natürlich wie immer zum Backbord-Leuchtturm auf der Mole. Der grüne Leuchtturm wird per Handschlag begrüßt. Bringt Glück. Glauben wir jedenfalls fest dran, daher ist es inzwischen ein festes Ritual. Weiterlesen „Ausflug ans Meer“

Die Mitte finden

Ich fühl' mich gut, ich steh' auf Berlin! (Ideal) - Foto: s|bIch fühl‘ mich gut, ich steh‘ auf Berlin! (Ideal) – Foto: s|b

Heute gibt es die Auflösung vom Mittwoch auf die Frage: „Wo bin ich“. Antwort: „Mittendrin“. Es gibt ja viele „Mitten“, vor allen Dingen in Berlin. Es gibt die echte Mitte, also den Bezirk „Mitte„, der allerdings mit Tiergarten und Wedding zwangsfusioniert wurde und damit seine Alleinstellung etwas einbüßte. Dort findet sich auch der politische Mittelpunkt Deutschlands und Berlins, das Regierungsviertel. Hier arbeiten viele Menschen, die für sich reklamieren die politische Mitte zu sein. Eigentlich will das ja jeder sein, bis auf ein paar Linke vielleicht. Und davon ab, Mitte ist ja auch immer irgendwie relativ. Weiterlesen „Die Mitte finden“