Room for a light

Ryan Keen, Singer/Songwriter aus UK beim Videodreh - Foto: h|bRyan Keen, Singer/Songwriter aus UK beim Videodreh – Foto: h|b

Ryan Keen, Singer/Songwriter aus Totnes in Großbritannien, tourt gerade mit Sunrise Avenue durch die deutschen Arenen. Da er von dem Label betreut wird, in dem meine Tochter Sara gerade ihre Ausbildung macht, ergab sich heute nachmittag die Gelegenheit ihn kennen zu lernen. Ein symphatischer junger Mann im dunklen Hoody, vor sich den roten Gitarrenkoffer, begrüßt mich herzlich. Wir treffen noch einen Kameramann, denn es soll einen kurzer Vidoedreh für die Presse geben. Eine gute Gelegenheit für mich, meine E-M5 und mich auf Alltagstauglichkeit zu testen. Vorsichtshalber montiere ich noch den Batteriegriff unter die Kamera, denn draussen ist es kalt und das ist meist nicht gut für die Batterien.
Sara als "supporting act" für Ryan Keen - Foto: h|bSara als „supporting act“ für Ryan Keen – Foto: h|b

Wir suchen uns ein Plätzchen mit nettem Hintergrund, aber das ist an einem sonnigen Sonntagnachmittag im Mauerpark alles andere als einfach. Gefühlt steht jede 50 Meter ein Künstler und buhlt um die Gunst der Mauerparkbesucher. Am Auditorium, wo sonst das sonntägliche Karaoke stattfindet, hat sich „spontan“ ein Flashmob eingefunden. Geht aber prima als Hintergrund. Die Kamera läuft, Ryan singt einen Song aus seinem neuen Album „Room for a light“. Sänger, Kameramann und Fotograf erregen gemeinsam genug Aufmerksamkeit, so dass Besucher stehenbleiben und Ryan zuhören. Sara verteilt derweil fleissig die Flyer, in denen darauf hingewiesen wird, dass Ryan am 21. März ein „free Concert“ im „nhow“, dem Musikhotel direkt an der Spree, geben wird.

Wer also in Berlin wohnt, ist herzlich eingeladen vorbeizuschauen. Die „Room for a light tour“ mit Ryan Keen startet dann im Mai 2014. Die Glücklichen, die Karten für das ausverkaufte Konzert von Sunrise Avenue in der Max-Schmeling-Halle haben, können ihn da morgen schon singen hören.

Paradies für Cineasten

Kino ohne roten Teppich - Foto: h|bKino ohne roten Teppich – Foto: h|b

Im Fernsehen laufen gerade die obligatorischen Interviews am roten Teppich des Berlinalepalastes. Festivalleiter Dieter Koslick freut sich, dass der Winter rechtzeitig eine Pause einlegt und er deshalb seine Ohrschützer zu Hause lassen kann, Cristoph Waltz, diesmal in der Berlinale-Jury, tut kund, dass er gerade in Amerika Inglourious Basterds 2 gedreht hat – und ich Dummchen dachte Hitler wäre tot – und Anke Engelke moderiert wie jedes Jahr im fliegenden Wechsel zwischen Deutsch und Englisch die Premierenfeier.

Es ist Berlinalezeit. Die 64. Berlinale findet in Berlin statt und der Boulevard ist aus dem Häuschen. Im Laufe des Jahres sind ja eine Menge Stars in der Stadt und die meisten deutschen Schauspieler wohnen wohl eh hier, aber das Filmfestival ist sicher der Höhepunkt. Für Cineasten, Groupies, Autogrammsammler und natürlich auch für die Presse. Glücklicherweise sind nicht alle Kinos im „Fieber“, das „Intimes“ in Friedrichshain bietet weiterhin Kinokost etwas außerhalb des Mainstreams. Auch dürfte es hier Kinokarten geben, ohne extra dafür vor der Kasse zu übernachten.

20 Jahre Bahnsinn

Die DB Konzernzentrale in Berlin am Potsdamer Platz - Foto: h|bDie DB Konzernzentrale in Berlin am Potsdamer Platz – Foto: h|b

Als am 28. Januar 1994 im Berliner Ostbahnhof einer der neuen ICEs und eine Dampflok langsam aufeinander zufuhren und exakt an einem vorher bestimmten Punkt aufeinander trafen, saß ich vermutlich noch gemütlich im Rechenzentrum in Frankfurt und haderte mit meinem Schicksal. In Berlin feierte man mit der Gründung der „Deutschen Bahn“ den Zusammenschluss der Deutschen Bundesbahn und der Deutschen Reichsbahn und ich hatte keine Ahnung wie es bei mir beruflich weitergehen würde. In Sichtweite war vor kurzem erst die ehemalige Hauptverwaltung der Bundesbahn gesprengt worden. Eine wilde Zeit, die Wiedervereinigung, auch für die Bahn.

Ich bin zwar Beamter, arbeitslos würde ich also nicht, aber ich hatte irgendwie damit gerechnet meinen Job im Rechenzentrum bis zur Pensionierung weitermachen zu können. Ich weiß, blöde Idee, aber damals war ich so drauf. Wir hatten nun aber mit der Reichsbahn ein weiteres Rechenzentrum geerbt und „meine“ Anwendung wurde seit einiger Zeit von Kollegen in Berlin Mahlsdorf betreut. Aber manchmal braucht man auch einfach so einen Anstoß von außen, um den Arsch hoch zu kriegen.

In der Folgezeit sprang ich jobmäßig durch die Bahn. Ich durfte sogar meinen Beamtenstatus ruhen lassen um Angestellter zu werden, dadurch weiter aufsteigen und irgendwann sogar 1.Klasse fahren. Diese Möglichkeiten sah die Laufbahn des „Mittleren Beamten“ einfach nicht vor. Am Ende landete ich dann in der großen Stadt Berlin, in der Konzernzentrale am Potsdamer Platz. Bahnsinn. „Mein“ Rechenzentrum in Frankfurt wurde irgendwann auch gesprengt, was dem Bahntower bis heute Gottseidank erspart blieb. Mir bleibt da nur zu sagen: Herzlichen Glückwunsch „Deutsche Bahn„, danke für die schöne Zeit und auf die nächsten 20 Jahre. Stößchen.

Straßenbilder

Ausstellung in der "Fotogalerie Friedrichshain" - Foto: h|bAusstellung in der „Fotogalerie Friedrichshain“ – Foto: h|b

Manchmal frage ich mich ja so halb im Spaß, warum ich eigentlich noch keine Vernissage hatte? Ich gehe ja inzwischen öfters in Fotoausstellungen und Galerien und je nach Thema finde ich dort vieles, was so oder ähnlich auch auf meinen Festplatten liegt. So auch in der aktuellen Ausstellung in der Friedrichshainer Fotogalerie am neugestalteten Helsingforser Platz. Uwe Glanz, Baujahr 1956, fotografiert seit 30 Jahren in Berlin. Zu DDR-Zeiten im Jugendclub Impuls im Prenzlauer-Berg fotografisch aktiv, begleitete er das Ende der DDR und den anschließenden Umbruch. Mauerbilder, Mauerspechte, die noch reichlich vorhandenen Brachen prägen den ersten Teil der Ausstellung. Später dann Streetfotografie im eigentlichen Sinne, Menschen in Berlin. Das Meiste in schwarz-weiss, immer noch das bevorzugte Stilmittel für „Straßenbilder“. Es gibt auch farbige Fotos, aber das Publikum kann mit der klassischen Ausprägung dieses Genres sichtbar mehr anfangen. Insgesamt eine gut kuratierte Ausstellung die man sich anschauen kann.

Kleine Wünsche

Einer von vielen Wunschzetteln am Wunschbaum - Foto: hb
Einer von vielen Wunschzetteln am Wunschbaum – Foto: hb

Gestern im Alexa bin ich beim warten auf meine Frau über einen Weihnachtsbaum der besonderen Art gestolpert: Einen Wunschbaum. Kinder aus sozialen Einrichtungen, Heimen, oder einfach aus armen Familien die von Ämtern betreut werden, dürfen einen Wunsch für ein kleines Weihnachtsgeschenk auf einen Zettel übertragen und dieser hängt dann an diesem Baum. Neben vielen anderen versteht sich. Die Wünsche bewegen sich alle in einem normalen Rahmen, also auf keinem der Zettel steht etwas von der neusten Playstation oder einem Smartphone. Die Kinder haben sicher auch solche Wünsche, aber hier hängen eher Wünsche nach einem Hanni & Nanni Buch, nach einer kleinen Armbanduhr, oder nach einer Puppe. Alles mit einer kleinen Spende ohne Probleme finanzierbar. Ich habe mir dann einen der Zettel ausgesucht, ihn zusammen mit dem Gegenwert in die Glastrommel getan und hab nun die Hoffnung, jemanden damit konkret eine kleine Freude zu Weihnachten gemacht zu haben.

Buchstabensammlerinnen

Spätestens nach dem „Psssssssst“ wusste man Bescheid. Der Buchstabendealer Lefty aus der Sesamstrasse war da und wollte Ernie vielleicht ein F verkaufen, oder auch mal ein fettes O. Später konnte man im Fernsehen noch eine blonde Frau sehen, die Buchstaben an einer Wand umdrehte. Auch hier konnte man Buchstaben kaufen. Ein E zum Beispiel, oder ein A. Aber kein G, das ging gar nicht, nur Vokale waren erlaubt.

In den Schluchten der Typographie - Foto: h|b In den Schluchten der Typographie – Foto: h|b

Barbara Dechant und Anja Schulze aus Berlin lassen sich die Buchstaben allerdings lieber schenken. Egal ob Vokal oder Konsonant. Sie sind in der Regel auch viel größer als die aus der Sesamstrasse und auch viel größer als die aus der Buchstabenwand. Und sie müssen vorher schon mal benutzt worden sein. Vielleicht als Leuchtreklame, oder als Firmenname. Von heute nicht mehr existierenden Firmen. Sie prangten einst an Häusern, Bahnhöfen oder Geschäften. Da braucht man dann auch einen schönen Ort um sie zu zeigen. Am Besten ein Buchstabenmuseum. Dem Einzigen in Deutschland. Das steht natürlich in Berlin. Wo sonst. Weiterlesen „Buchstabensammlerinnen“

Verwüstetes Land

Bild eines brüllenden Löwen
Das passende Bild für jedes Managerbüro – Foto: h|b

Bilder in der Größe von bis zu zwei Meter wünscht sich wohl jeder für zu Hause. Entweder die eigenen, oder besser noch die atemberaubenden Bilder von Nick Brandt. In der Ausstellung „Across the Ravaged Land“ in der Berliner Galerie „Camera Work“ brüllen sie einen direkt an, die Löwenportraits, oder, wer es etwas kontemplativer mag, schaut sich die leicht melancholischen Fotos der Elefanten an, die bis in die letzte Runzel magischen Giganten der Steppe. Aber hintern den Bildern steckt auch eine Botschaft, die Warnung vor den schwindenden Lebensgebieten der Giraffen, Elefanten, Löwen und Büffeln.

Die durch Wilderung gefährdete Einmaligkeit der afrikanischen Tierwelt verändert den Kontinent. Bilder von Stoßzähnen, zur Trophäe glorifiziert, bringen das Problem auf den Punkt. 2010 gründete Nick Brandt die „Big Life Foundation“ mit dem Ziel der Erhaltung der afrikanischen Tierwelt. Wer etwas dazu beitragen möchte und sich vielleicht wirklich eins der großformatigen Bilder in seine Wohnung hängen möchte, muss allerdings tief in die Tasche greifen. Zwischen 15.000 bis 125.000 Euro kosten die limitierten Prints. Wer die Bilder noch auf sich wirken lassen möchte muss sich beeilen. Die Ausstellung endet leider bereits morgen. Letzte Gelegenheit also Aug in Aug dem Löwe gegenüber zu stehen.

Mit Luther in den Gulag

Orientierung ist auch in einem Museum wichtig - Foto: h|b
Orientierung ist auch in einem Museum wichtig – Foto: h|b

Am letzten Wochenende haben wir die Gelegenheit beim Schopf ergriffen und sind endlich mal im Deutschen Historischen Museum in Berlin gewesen. Einerseits war das Wetter dafür gut geeignet, grau und regnerisch, andererseits war Museumsfest und der Eintritt daher frei. Wir hatten schon damit gerechnet gar nicht erst hineinzukommen, aber der Besuch war normal, nichts war überlaufen.

Den normalen Museumsbereich haben wir nur durchquert, durch das große Atrium geht es hinüber zum Neubau. Dort findet man aktuell die Sonderausstellungen, die wir uns von unten nach oben angeschaut haben. Im Parterre beginnt es mit der Ausstellung zur Reformation „Leben nach Luther“. Bilder und Exponate zur „Kulturgeschichte des evangelischen Pfarrhauses“, so ist die Ausstellung untertitelt. Portraits von Familien und Situationen im Protestantismus, Hetzplakate der katholischen Kirche zu den lutherischen Neuerungen, sehr interessant. Weiterlesen „Mit Luther in den Gulag“

Singende Balkone

Ursula singt vom BalkonUrsula aus der Gubener Strasse 44

Als ich den Zettel zum ersten Mal an unserer Tür gesehen habe, dachte ich spontan: „Wassn das wieder für ne Schwachsinnsaktion?“. So typisch Berlin, noch typischer Friedrichshain. Es wurden über den Aushang Leute gesucht, die heute Abend von ihrem Balkon ein Ständchen zum Besten geben würden. Egal was. Singer- Songwriter, Acapella, Beat-Boxing, ganz egal. Kurze Zeit später hing ein weiterer Zettel bei uns im Hausflur, der darauf hinwies, das Ursula aus dem dritten Stock mitmacht. Okay. Unsere Nachbarin also. Heute morgen war dann sowohl in der Zeitung als auch auf der Website der Organisatoren Polly & Bob zu lesen, welche Balkone mitmachen. Es sind so viele geworden, dass die Veranstalter drei getrennte Touren organisiert haben, die ab 17 Uhr durch den Kiez ziehen.

Kurz vor 18 Uhr stehen wir vor unserem Haus, mit uns fast die gesamte Hausgemeinschaft. Die Tochter der Sängerin verteilt vom mitgebrachten Tischchen Sekt und Chai-Tee, wir entscheiden uns spontan gegen eine kleine Spende für den Sekt. Mit uns stehen um nach kurzer Zeit noch rund 50 weitere Passanten auf dem Gehweg und schauen gespannt zum illuminierten Balkon, wo Ursula uns mitteilt, das es noch ein paar Minuten dauere, da die Tour gerade auf dem Weg von der Marchlewskistraße sei. Und wirklich, kurze Zeit später stehen rund 200 – 300 Zuschauer vor unserem Haus und lauschen andächtig dem Gesang von Ursula. Nur mit Gitarre und ohne Verstärker. Trotzdem gut zu hören. Nach dem Ende der Darbietung gibt es einen Riesenapplaus und Zugaberufe, aber die Tour ist straff organisiert und muss weiter zu Robin in die Kopernikusstraße, der wartet schon.

Singender Balkon in der KopernikusstraßeDie Jungscombo aus der Kopernikusstraße

Wir beglückwünschen noch schnell die heruntergekommene Künstlerin zu ihrem Mut und der Darbietung und folgen der Crowd über die Warschauer Straße ins Ausgehviertel. Hat fast den Charakter einer spontanen Demonstration gegen Gentrifizierung, viele Familien mit Kindern noch dabei, aber insgesamt ein ganz gemischtes Publikum. Der nächste Balkon arbeitet schon sehr professionell. Zwei Jungs mit Gitarre, Kontrabass und Verstärker geben ein kleines Konzert. Auf der Straße ist nun für die Autos fast kein durchkommen mehr. Hat ein bißchen was von einer aus dem Ruder gelaufenen Facebookveranstaltung. Inzwischen stehen hier sicher 500 Leute und lauschen der Musik. Wie gehabt, nach fünf Liedern zieht die Karawane weiter. Nächstes Jahr nehm ich das mal Ernst und dann schließ ich mich einer der Touren an. Eine Superidee, prima umgesetzt und Chapeau an die Künstler der „Singenden Balkone“.

Winter befohlen

Winterwelt am Potsdamer PlatzWinterwelt am Potsdamer Platz
Wie jedes Jahr, zu einem – wie immer – völlig überraschenden Zeitpunkt, eröffnet heuer die Winterwelt am Potsdamer Platz. Eben saß man noch bei einem Latte Macchiato in der warmen Spätsommersonne im Balzac, genoss den Blick über den weiten Platz hinüber zum Bahntower, schon wächst die große Rodelrampe in den Himmel und wartet nun auf den künstlichen Schnee aus der Skihalle in Senftenberg. Die diversen Holzhütten für die bald kommenden Weihnachtsfeiern und Firmenevents ordnen sich wie Satelliten um den Rodelberg. Ab kommenden Samstag heisst es dann wieder Gummireifenrodeln gut. Spannend wird es dann wieder zu beobachten sein, mit welchem Aufwand der Veranstalter versuchen wird den Schnee vom Tauen abzuhalten. Noch sind in Berlin nämlich keine winterlichen Temperaturen zu erwarten. Aber Winter ist ja schließlich keine Jahreszeit mehr, sondern richtet sich schon längst nach dem jährlichen Berliner Eventkalender.
Aufbau der Hütten vor dem BahntowerAufbau der Hütten vor dem Bahntower