Grenzerfahrung IX

Wenn man im Spätherbst unterwegs ist, und nicht früh genug loskommt, ist das Zeitfenster zum Fotografieren im Hellen recht kurz. Es braucht ja auch immer etwas Zeit ein Motiv zu finden und die richtige Perspektive. Vielleicht macht es auch manchmal Sinn noch etwas zu warten, da dem Bild ein Gleichgewicht fehlt, oder es von leblos in interessant verwandelt werden könnte. So geschehen mit dem heutigen Titelbild meines 9. Abschnittes der Grenz(er)fahrung rund um Kreuzberg. Mein Fahrrad ist natürlich weiterhin Bestandteil der Bilder, aber nur noch als Randnotiz. Weiterlesen „Grenzerfahrung IX“

Grenzerfahrung VI

Vom Kottbusser Tor kommend, wird die Kottbusser Straße am Landwehrkanal zum Kottbusser Damm. Dort an der Kottbusser Brücke macht die Grenze einen Knick und ich fahre mit meinem Fahrrad nun den Kottbusser Damm entlang. Der bildet von diesem Punkt – bis zum Hermannplatz – die Grenze zwischen Kreuzberg auf der westlichen Seite und Neukölln auf der Östlichen. Der Name Kottbusser Damm, der sich trotz der abweichenden Schreibweise von der Stadt Cottbus ableitet, wurde erstmals 1874 erwähnt. Beiden Straßenseiten gemein ist die starke türkische Prägung. Das manifestiert sich in entsprechenden Läden und dem flanierenden Publikum.

Futbol bahisleri – Foto: h|b

Lange Mäntel, Kopftücher oder Tschador sind hier feste Bestandteile des Stadtbildes. Der Kottbusser Damm ist ansonsten eine stark frequentierte sechsspurige Straße mit einem begrünten Mittelstreifen und je zwei Fahrstreifen. Unter der Straße verläuft die Linie U8 der Berliner U-Bahn, mit dem U-Bahnhof Schönleinstraße.

Gelinlik – Foto: h|b

Etwa ein Drittel der Bewohner dieser Straße sind Menschen mit Migrationshintergrund. Der Legende nach wurde die in Deutschland übliche Variante des Döner Kebab im Fladenbrot Anfang der 1970er Jahre in einer türkischen Gaststätte am Kottbusser Damm erstmals verkauft. Seitdem gehört er zum festen kulinarischen Angebot von Berlin.

Grenzerfahrung V

Mit dem Paul-Lincke-Ufer auf der Kreuzberger Seite und dem Maybachufer auf der Neuköllner Seite erreichen wir zwei hochwertige Wohngegenden beiderseits des Landwehrkanals. Hier möchten viele wohnen, nicht alle können es sich leisten und die hier noch wohnen werden wohl sowieso nicht freiwillig wegziehen. Ruhige Straßen, spazierengehen oder joggen entlang des Kanals, der türkische Markt am Maybachufer, idyllisches Wohnen für alle die es schön „kiezig“ haben möchten.

Cinderella – Foto: h|b

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Jenseits der Mauer

Fotografin unter Beobachtung

Was oder wer sich jenseits einer Mauer befindet, liegt ja immer im Auge des jeweiligen Betrachters. Dafür hat ja eine Mauer auch zwei Seiten. Bei der Mauer, um die es bei der Ausstellung „Beyond the wall“ des Künstlers Stefan Roloff an der Rückseite der East Side Gallery geht, handelt es sich um die Berliner Mauer. War die eine Seite der Mauer (West) meist bunt und im Laufe ihres Bestehens eher Folklore, konnte man auf der anderen Seite (Ost) schon mal erschossen werden, wenn man sich ihr unerlaubt näherte. Heute vor 56 Jahren wurde sie geschlossen, damit niemand mehr aus dem Sozialismus abhauen konnte. Das hatten bis zu diesem Zeitpunkt im August 1961, aus Sicht der DDR Führung, nämlich bereits viel zu viele Menschen getan. Das war natürlich Verrat an der Sache und als „versuchter Republikflüchtling“ wurde man auch im Laufe der nächsten Jahrzehnte gern mal länger weggesperrt.

Fotograf – Foto: h|b

Neben Videostills der damaligen Grenzanlagen finden sich Interviews von Betroffenen und deren Silhouetten auf der Rückseite der Mauer. Die großformatige Arbeit erstreckt sich auf 229 Metern entlang der Spree und kann noch bis zum Tag des Mauerfalls am 9. November besucht werden. Die Interviews sind in deutsch, englisch und spanisch, so dass auch die meisten Touristen den Hintergrund der Ausstellung verstehen können.

Ausstellung zur Berliner Mauer
Ausstellung zur Berliner Mauer – Foto: h|b

Nachthell

Berlin ist ja grundsätzlich nicht wirklich dunkel. Die Lichtverschmutzung in großen Städten sorgt dafür, das es selbst in Neumondnächten ausreichend hell ist. Noch stärker macht sich das bemerkbar, wenn es anfängt zu schneien. War der Blick zum Fenster eben noch relativ und erwartungsgemäß dunkelgrau, wechselt das Licht mit jeder fallenden Schneeflocke hin zu einem helleren Grau. Wenn dann alles mit frischem, weißem Schnee bedeckt ist, die Töne nur noch gedämpft das kuschlig, warme Wohnzimmer erreichen, dann ist es draußen auf einmal auch mitten in der Nacht überirdisch hell.

Wachhund

Es fehlte noch ein Kissen, dann wäre das klassische Klischee perfekt gewesen. Ohne sich aus der Ruhe bringen zu lassen, oder hektisch zu werden, beobachtete der Hund die Straße und alles was sich auf ihr bewegte. Wartete er auf sein Herrchen oder Frauchen? Sollte vielleicht die Angebetete vorbeikommen? Oder war ihm langweilig in der Wohnung und er hoffte das Abenteuer beim Blick nach draussen zu entdecken. Da ich wohl nicht seiner Zielgruppe entsprach, ließ er sich auch durch mich nicht stören und so konnte ich den „Wachhund“ in Ruhe auf das digitale Zelluloid bannen.

Look right

Das ist die wichtigste Botschaft für temporäre Besucher der britischen Hauptstadt vor dem überqueren von Straßen: „Look right“. Denn von dort kommen die Autos. Es gibt zwar auch Ampeln, aber für die Fußgänger scheinen die nur Empfehlungscharakter zu haben. Als Berliner zwar nicht ganz ungewohnt, aber hier bleibt man ja doch oft „Der Kinder wegen“ stehen. Die werden aber dort einfach mit über die Straße gezogen.

Da es ja ein dienstlicher Besuch war, hatte ich meine Kamera zu Hause gelassen und war nur mit dem iPhone unterwegs. Durch den Ausfall meines Frühfluges zurück nach Berlin, hatte ich dann auch noch etwas Zeit gewonnen und so die Gelegenheit, die Hotspots mit der Tube abzuklappern und ein paar Sofortbilder zu schießen. Here they are…

Zwischen den Steinen

Streetfoto vom Holocaust Mahnmal Berlin

Thomas Leuthard und Thomas Adorff rufen mit dem „Feedback Studio“ (YouTubeLink) Fotografen auf, monatlich Bilder zu einem bestimmten Thema zu erstellen. Diese Bilder werden dann in den eigenen Flickraccount hochgeladen und einer bestimmten Gruppe zugeordnet.

Aus diesen suchen sie sich dann ein paar aus (wieviele wird sicher von der Menge der Uploads abhängen) und besprechen sie in der nächsten Folge im „Feedback.Studio“. Ein guter Anlass für das erste Mal – später dürfen nur frischgemachte Fotos eingereicht werden – auf der Festplatte zu stöbern und nach Linien zu suchen.

Erstaunlicherweise achte ich doch mehr darauf als ich dachte, denn am Ende musste ich mich für ein Bild entscheiden, da nur 1 pro Monat erlaubt sind. Linien sind jede Menge darauf, inklusive unsichtbare Blicklinien. Da ich natürlich auf dem Blog mehr als ein Bild hochladen kann, werde ich den Januar nutzen, um noch ein paar Linienbilder zu posten. Viel Spaß schon mal …

[Olympus E-M5 – 150mm -ƒ/9.0 – 1/320 – ISO 800]

Gute Reise

Älterer Mann vor ICE - schwarz-weiss

Es war eine herrliche Winternacht;
Ich habe Dich schweigend zum Bahnhof gebracht,
Und auf der Heide im Mondenstrahl
Da küßt‘ ich Dich zum letzten Mal.

Wie flossen so schmerzlich beim letzten „Ade“
Die brennenden Thränen hinab in den Schnee!
Dann riefen die Glocken — es kam der Zug,
Der fort mein Liebstes auf ewig trug.

Er brauste von dannen — ich stand allein
Bis fern erlosch der Laternen Schein;
Dann kehrte ich stumm in die Heide zurück:
Ade, meine Liebe! Ade, mein Glück!

August Freudenthal Quelle: Deutsche Gedichtebibliothek

Teenies und Touristen

Passanten auf einer Treppe mit Papiertüten von Primark

Wer ein T-Shirt für zwei Euro kauft, muss wissen, dass jemand anderes den Preis dafür bezahlen muss.“ – Hubertus Thiermeyer, Landesfachbereichsleiter Handel der Vereinten Dienstleistungsgesellschaft in Bayern.

In Berlin am Alex sind die großen, braunen Tüten der irischen Bekleidungskette Primark inzwischen Teil des Stadtbildes wie Punker und Gaudihütten. Was früher die H&M Kunststofftüte war ist heute der große Papiersack. Meist gut gefüllt, mit allem was sich von der Stange für wenig Geld mitnehmen lässt. Sicher kein „Fair Trade“, sondern eher billig produziert in Bangladesh und anderswo.

Daher ist die bevorzugte Käuferschicht eher in der Taschengeldgeneration zu finden, neben Touristen, die hier nach modischen Schnäppchen für zu Hause suchen. So wie es aussieht ist der Kampf um die besten Stücke in den – meist – mehreren 1000qm großen Geschäften auch so anstrengend, dass man sich danach erstmal ausruhen muss.