Allesfresser

Seit kurzem haben wir im Büro vor dem Fenster eine Art Futterhäuschen aufgehängt und warten eigentlich auf kleine Meisen, Spatzen, oder was auch immer so an Kleingeflügel am Nordbahnhof so herumfleucht. Aber wie das in Berlin so ist, erscheinen auch gleich die großen Nebelkrähen. Fressen sie sonst ja so weg, was der Wohlstandsbürger auf Berlins Straßen so fallen lässt, Pizza, Döner, Nudelpfanne süßsauer, geben sie sich wohl auch mal mit schmackhaften Körnern zufrieden, wenn das Angebot gut erreichbar ist. Die Meisen kommen auch, aber hier muss ich nochmal ran, die Bilder sind alle unscharf geworden. Da hat wohl der manuelle Fokus doch nicht gesessen. Ach ja, das Fenster sollte ich vorher wohl auch mal putzen.

Krähe am Futterhäuschen
Naschvogel – Foto: h|b

Alle Bilder mit der Olympus E-M5 II und dem Lumix 35-105 2.8

Grenzerfahrung III

2 Kilometer nach dem Start der Tour, erreichen wir das nordöstliche Ende von Kreuzberg. Dort wo sich heute das Partyvolk nach einer durchzechten Nacht im Freischwimmer oder im Club der Visionäre im Flutgraben zum Frühstück trifft, war 28 Jahre für die Kreuzberger das Ende der Welt. Dahinter beginnt der Bezirk Treptow, wo man noch heute in einem kleinen Park den alten Wachturm der DDR Grenzanlage sehen kann. Jetzt wird er für Veranstaltungen genutzt. Es handelt sich um einen von drei noch erhaltenen Wachtürmen der Berliner Mauer im Stadtgebiet

Wasserspiegelung
Wasserspiegelung – Foto: h|b

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Ein Du im Jetzt

Seit 35 Jahren fotografiert Dietmar Bührer „Menschen in Galerien“ und „Bilder einer Ausstellung“ ist der Titel seiner Werkschau zum siebzigjährigen Geburtstag in der Fotogalerie Friedrichshain am Helsingforser Platz. „Seit nunmehr 35 Jahren hält Fotograf Dietmar Bührer die Wechselwirkungen zwischen Kunstwerken und Ausstellungsbesuchern in magischen Bildern fest und erschafft damit eine neue künstlerische Dimension“ schreibt die Galerie in ihrer Einladung zur Vernissage, die gestern Abend stattfand.

Ich habe das dann mal auf die Spitze getrieben und Menschen fotografiert, die Bilder betrachten, auf denen Menschen zu sehen sind, die Bilder betrachten. Ein schönes Thema wie ich finde.

Die Schriftstellerin Alexandra Lüthen hielt die Laudatio und die Überschrift des Artikels „Ein Du im Jetzt“ stammt aus ihrem Text. Sie bezieht sich damit auf den flüchtigen Moment, in dem Besucher von Museen oder Galerien das Kunstwerk betrachten. Durch das Festhalten genau dieses Augenblicks durch den Fotografen, wird daraus etwas Beständiges.

Dietmar Bührer ist seit 1987 Ehrenmitglied im Deutschen Verband für Fotografie (DVF) und wurde für seine besonderen Verdienste im beruflichen, persönlichen und fotografischen Umgang mit Inhaftierten vor und hinter den Mauern der JVA Tegel 2011 mit dem Bundesverdienstkreuz.

Fotogalerie Friedrichshain, Helsingforser Platz 1, 10243 Berlin. Die Ausstellung ist bis zum 21. Dezember 2017 zu sehen.

Alle Fotos h|b: Olympus OM-D E-M5 II / 17 mm

Aleppo – Dresden – Berlin

In Dresden standen sie direkt vor der Frauenkirche und zogen sich damit den Protest der „besorgten Bürger“ und den Pegida-Anhängern zu. In Berlin stehen sie nun an einem ähnlich geschichtlichem Platz, dem Brandenburger Tor: Drei – von deutschen Nahverkehrsbetrieben ausrangierte – Linienbusse, hochkant aufgestellt vom Künstlers Manaf Halbounis im Rahmen des 3. Berliner Herbstsalons des Maxim Gorki Theater. Das Werk bezieht sich auf ein Bild aus Aleppo in Syrien, auf dem eine errichtete Straßensperre aus hochkant aufgestellten Bussen, Zivilisten vor den Scharfschützen schützen soll. Auch wortwörtlich ein schöner Widerspruch.

Die Berliner und Touristen sind da etwas entspannter als die Dresdener, bisher gibt es weder Tumulte noch Gegendemonstrationen, höchstens ein wenig Berliner Gemaule über „ditte, wat man so unter Kunst vastehn tut“ und das übliche Facebookbashing. Laut Künstler steht der Ort am Brandenburger Tor auch für Barrikadenkämpfe zur Zeit der Märzrevolution 1848. Die drei Busse somit als Beispiele modernen Barrikadenbaus. Der Künstler bringt die Gegenwärtigkeit von Krieg und Zerstörung mit seinem #monument zurück. Die Kunstaktion ist noch bis zum 26. November zu besichtigen

Monument
Die 3 Schrottbusse – Foto: h|b

Grenzerfahrung II

Auf der Köpenicker Straße und in Sichtweise der Spree geht es mit der „Grenzerfahrung“ weiter entlang der nördlichen Grenze von Kreuzberg. Die Spree war zu DDR Zeiten die natürliche Grenze zwischen Kreuzberg und Friedrichshain, wobei die gesamte Spree zur DDR gehörte. In dem kleinen Park kurz vor der Oberbaumbrücke haben es sich ein paar Kunstwerke gemütlich gemacht. Das Kunstprojekt läuft unter dem Namen „Menschenlandschaft“ und wurde dort 1987 im Rahmen der Berliner 750 Jahrfeier installiert. Das im Titel des Artikels sichtbare Kunstwerk trägt den Namen „Stehende Figur vor Reliefkörpern“ und wurde von Andreas Frömberg erschaffen. Weiterlesen „Grenzerfahrung II“

Grenzerfahrung I

Passend zum heutigen Tag der Grenzöffnung in Berlin vor 28 Jahren starte ich mein kleines Fotoprojekt „Grenzerfahrung“. Der Begriff ist doppeldeutig und meint einerseits die Erfahrung einer Grenze, mit der Kreuzberg lange Zeit die letzte Bastion zum sozialistischen Nachbarn war und andererseits eine Grenzer“fahr“ung mit meinem Fahrrad. Ich fahre die Grenze von Kreuzberg mit dem Fahrrad ab und setze an markanten Punkten mein Fahrrad fotografisch in Szene. Weiterlesen „Grenzerfahrung I“

Striped

Schimpanse hinter verschwommenen Gittern

Ein Bild aus dem Archiv vom letzten Besuch des Berliner Zoos. Die Schimpansin schaut direkt zu mir heraus. Die Streifen habe ich bewusst mit ins Bild aufgenommen, um die Zoo-Situation darzustellen.

Foto: h|b – Olympus OM-D E-M5II und dem Olympus 75-300 mm

Panta Rhei

Kleiner Fluss mit Langzeitbelichtung

In Norwegen hat es ja an Wasserfällen, Flüssen und Bächen kein Mangel und bei der diesjährigen Tour hatte ich endlich auch mal mein Stativ dabei.  Das Titelbild des Beitrag entstand in Norwegen am Treppensteig hoch zum Geiranger Norsk Fjordsenter. 327 Treppenstufen führen hinauf und immer wieder bieten sich auf Plattformen herrliche Blicke auf das gischtende Wasser, das hier von weit oben zum Geirangerfjord hinunterstürzt und fließt. Mit einer Langzeitbelichtung wird das Wasser natürlich sehr weich und alles fliesst.

Kleiner Wasserfall mit Langzeitbelichtung
Weiches Wasser – Foto: h|b

Das zweite Bild ist spät Abends an einem kleinen Bach entstanden, der, gespeist vom Jostedalsbreengletscher, vorbei am Campingplatz Briksdalsbreen in den Oldevatnet fließt. Da ich hier das Stativ nicht dabei hatte, musste das stabile und flache Brückengeländer herhalten, was aber kein Problem für eine Belichtungszeit von knapp 20 Sekunden war. Die malerischen und bunt bemoosten Felsen, runden den Naturblick ab.

Titelbild: OM-D E-M5 II / 12-50mm (27 mm) / Belichtung: 30 Sek bei f22 und ISO 100

2. Bild: OM-D E-M5 II / Lumix 35-100 mm (68 mm) / Belichtung: 20 Sek bei f22 und ISO 100

 

In Motion

Marathonläufer in Bewegung

Über 43.000 Läufer aus 137 Nationen waren gestern in Berlin unterwegs, um beim 44. BMW Marathon ihren persönlichen Schweinehund zu überwinden, einen neuen persönlichen Rekord aufzustellen, oder einfach den Flow zu spüren, wenn der Körper über seine Leistungsgrenzen hinaus gefordert wird. Dabei wurden sie von unzähligen Berlinern entlang der Strecke begeistert angefeuert. Am Gendarmenmarkt rund anderthalb Kilometer vor dem Ziel sahen die Meisten, die so in der Zeit zwischen 3 und 4 Stunden ins Ziel kommen werden, zum großen Teil noch sehr entspannt aus. Da war allerdings der Sieger Eliud Kipchoge aus Kenia mit einer Zeit von 2.03.32 schon lange im Ziel. Den Weltrekord hat er knapp verpasst, aber das Nieselwetter war gestern auch nicht so ganz zuträglich.

Am selben Tag waren die Berliner auch aufgerufen den nächsten Bundestag zu wählen. Dabei gaben alleine in Berlin 224.957 Wähler (12%) einer Partei ihre Stimme, die offen ausländerfeindlich auftritt. Wie das in einer weltoffenen und toleranten Stadt wie Berlin zusammenpasst, wird mir ein ewiges Rätsel bleiben.

Perspektiven

Ein Pärchen schaut auf eine Costa

Wenn ich in das kleine Städtchen Geiranger in Norwegen komme, ob mit dem Wohnmobil wie diesmal, oder mit einem Kreuzfahrtschiff, wie beim letzten Mal, laufe ich meist hoch zur kleinen Kirche und hoffe, das sich auf der Bank, oder auf dem Friedhof jemand eingefunden hat, den ich als fotografischen Vordergrund nehmen kann. Das bietet eine schöne Gelegenheit um die Dimension der oder des im Geirangerfjord ankerndem Kreuzfahrtschiff(e) zu visualisieren. Mit dem Wohnmobil hatte ich diesmal auch wieder Glück mit dem Wetter, beim Besuch mit der Costa Favolosa vor ein paar Wochen, hat es leider den ganzen Tag geregnet und so musste Sara als Vordergrund herhalten. An dem Tag war der Friedhof der kleinen Kirche recht menschenleer. Weiterlesen „Perspektiven“