Lust auf mehr Europa

Heute war zum Thema Europa ein Artikel im Tagesspiegel, der beschrieb, wie sich das Reisen Ende der 60er Jahre in Europa darstellte. Ohne Internet und gemeinsame Währung, dafür mit Grenzen und telegrafischen Geldanweisungen, Geldautomaten waren auch noch nicht erfunden. Wieviel einfacher ist es doch heute geworden, gerade für uns, die wir mit dem Wohnmobil kreuz und quer durch Europa fahren. Aber auch für junge Leute, die am Erasmusprogramm teilnehmen, mit Interrail Europa und deren Bewohner und Bewohnerinnen kennenlernen und sich vielleicht verlieben, oder für junge arbeitslose Spanier die in einem anderen europäischen Land arbeiten möchten. Die Europäische Union macht es möglich.

Diese Art Freizügigkeit gefällt nicht jedem und so wird leider versucht das Rad wieder zurückzudrehen und Nationalismus wieder für das Maß der Dinge zu erklären. Grenzen dicht, eigene Währung, Stolz aufs Vaterland, Country first (Beliebiges Land einsetzen). Ich kann damit ehrlich gesagt nichts anfangen. Ich bin überzeugter Europäer und ein Fan eines großen und einigen Europas, trotz aller – politischen – Unzulänglichkeiten, die einen sicher oft verzweifeln lassen. Aber es geht um die Idee, das große Ganze. Daher ist es auch wichtig Flagge zu zeigen und stolz auf das Erreichte zu sein, was heute vor 60 Jahren – aller Widrigkeiten zum Trotz – seinen Anfang nahm. Nicht einfach den Miesepetern den öffentlichen Raum überlassen, sondern ihn selbst besetzen: #pulsofeurope

Zusammen stehen

Heute ist Donnerstag, zwei Tage nach dem furchtbaren Anschlag an der Gedächtniskirche. Ein Anschlag auf unsere Art zu leben, ein Anschlag gegen die Menschlichkeit, anders kann man es nicht bezeichnen. Dienstagabend war ich in Frankfurt, 600 Kilometer entfernt von zu Hause und trotzdem verbunden. Im Schrecken. In der Ohnmacht. Im Nichtverstehen.

Ich hatte bisher gehofft wir bleiben verschont, dass der Terror Deutschland doch nicht erreicht. Aber das war wohl Wunschdenken. Und dann noch auf diese unvorstellbar perfide Weise. Aber auch wenn die Bildzeitung am Tag danach über die halbe Seite „ANGST“ tituliert, gehen die Berliner weiter ihren Beschäftigungen nach, besuchen die Weihnachtsmärkte, machen letzte Weihnachtseinkäufe und gedenken der Opfer. Und demonstrieren gegen die, die aus dem Anschlag politisches Kapital schlagen wollen. Gegen die Pauschalierer und rechten Populisten. Gegen die Angstmacher und Rattenfänger. Das macht Hoffnung.

Ich wünsche allen Lesern meines kleinen Blogs trotz unruhiger Zeiten ein ruhiges und friedvolles Weihnachtsfest.

Weltrekord!

Die Zahl 1300 war heute zu schlagen und Berlin hat es geschafft. Vorderrad an Hinterrad – kilometerlang auf der Landebahn des Tempelhofer Flugfeldes in Berlin. Ich mit der Teilnehmernummer 657 mittendrin. Mit etwas über 1400 Fahrrädern wurde der Weltrekord als „längste stehende Fahrradschlange der Welt“ erreicht. Zugleich war der Rekordversuch auch Auftakt zur bundesweiten Aktion „Ich fahr mit Herz“, die für mehr Verständnis im Straßenverkehr wirbt.

Zuerst in zwei, später sogar in drei langen Reihen standen die Radler ab 13 Uhr auf der Nordbahn des Tempelhofer Flughafens, bis um kurz vor drei die magische Zahl erreicht war. Joey Kelly, Mitinitiator und selber Inhaber von Weltrekorden, klatschte die Teilnehmer einzeln ab. Zum Schluss flogen die Luftballons in den sich verdunkelnden Berliner Himmel und in den „Stau“ kam endlich wieder Bewegung.

Dafür oder dagegen?

Heute war das Zentrum von Berlin von allen Seiten umzingelt. Die Kumpels aus der Lausitz demonstrieren vor dem Kanzleramt für Braunkohle und damit gegen die Umweltziele der Bundesregierung. Rund 15.000 Demonstranten sind diese Ziele heute Schnuppe, schließlich geht es um Arbeitsplätze. Um ihre Arbeitsplätze und die Zukunft einer ganzen Region. Großer Beifall, wenn vom IG-BCE-Vorsitzenden Michael Vassiliadis ein Horrorszenario gemalt wird, dass die Lausitz in ein Revier von Hartz 4 Beziehern verwandelt.

Kumpel aus der Lausitz - Foto: h|b
Kumpel aus der Lausitz – Foto: h|b

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