Vor gefühlten hundert Jahren stand der Bahnhof auf dem Bild in voller Blüte. Pendler die nach Kassel fuhren bevölkerten morgens die Bahnsteige und standen an jedem Ersten Schlange für die neuen Monatskarten. Schüler die aus den umliegenden Dörfern ankamen waren auf dem Weg zur Realschule und Urlauber die erst ihre Koffer bei uns aufgaben, fuhren später mit dem D-Zug in den Urlaub. Und ich mittendrin in der Ausbildung zum Bundesbahnassistenten (NT). 1972 war das und das NT stand für „nicht technisch“. Da hießen Tickets noch Fahrkarten und kamen entweder auf kleinen Pappdeckeln aus der Druckmaschine, oder mussten per Hand geschrieben werden. Die Kilometer zwischen Start- und Zielbahnhof musste man sich dabei aus dicken Wälzern selbst berechnen und statt einer APP gab es das „Kursbuch„. Weiterlesen „Heimatbahnhof“
Gute Reise
Es war eine herrliche Winternacht;
Ich habe Dich schweigend zum Bahnhof gebracht,
Und auf der Heide im Mondenstrahl
Da küßt‘ ich Dich zum letzten Mal.
Wie flossen so schmerzlich beim letzten „Ade“
Die brennenden Thränen hinab in den Schnee!
Dann riefen die Glocken — es kam der Zug,
Der fort mein Liebstes auf ewig trug.
Er brauste von dannen — ich stand allein
Bis fern erlosch der Laternen Schein;
Dann kehrte ich stumm in die Heide zurück:
Ade, meine Liebe! Ade, mein Glück!
Temporäre Baulücke

Knapp 4 Monate liegen zwischen den beiden Bildern. Während im März gerade die Absperrungen für den bevorstehenden Abriss der beiden Gebäude in der Joachimsthaler aufgestellt wurden und die schmuddelige Ladenpassage bereits kleinen Baggern zum Opfer gefallen war, ist seit ein paar Wochen der freie Blick zum Bahnhof Zoo möglich.
Das wird natürlich nicht so bleiben, ist doch die City West gerade in einem architektonischen Aufschwung. Neben dem Waldorf Astoria, dem neuen „Bikini-Haus“ und dem gerade entstehenden „Upper West“ wird hier ein sechsgeschossiges Geschäftshaus entstehen und die Runderneuerung der Gegend um den Bahnhof Zoo vorantreiben. Mit der Umgestaltung des Hardenbergplatzes und der Wiedereröffnung der Zoo-Terrassen sind weitere Schritte geplant, um das Schmuddelimage rund um den Bahnhof Zoo loszuwerden. Es darf wieder flaniert werden.
Panoramafreiheit
Eins der hier abgebildeten Hochhäuser hat auf den letzten beiden Etagen eine Plattform die sich „Panoramapunkt“ nennt. Von dort werden täglich vermutlich tausende Fotos geschossen, die Berlin im Panorama zeigen. Natürlich inklusive jeder Menge Gebäude, aus denen eine Stadt nun mal besteht.
Geht es nach einem Gesetzentwurf zum EU Urheberrecht darf man diese Fotos zwar weiterhin aufnehmen, sollte sie aber tunlichst in der Kamera lassen. Also nicht in irgendwelchen sozialen Medien posten, oder in seinem Blog, die sind in der Regel oft kommerziell. Gefordert wird vom Fotografen, dass er sich vor der Veröffentlichung der Bilder die Rechte des Urhebers einholt. Das wären in meinem Fall vermutlich die Architekten der Bauwerke am Potsdamer Platz. Bliebe die Frage, ob ich die Erben von Walter Ulbricht noch fragen müsste, da auf dem Bild ja auch ein Stück der alten Mauer zu sehen ist.
Wer das auch für – sagen wir mal vorsichtig – ein wenig weltfremd hält, darf gern die entsprechende Petition von Julia Reda zeichnen, die versucht zu retten was hoffentlich noch zu retten ist.
TEE Rheingold
Am Freitag hatte ich ganz spontan die Möglichkeit mit einem TEE aus dem DB Museum Koblenz eine Runde um Berlin zu fahren. Zu den Stiftungswochen präsentierte sich die DB mit ihrer hauseigenen „DB Stiftung„. Dazu lud sie Pressevertreter und Betroffene zur Vorstellung verschiedener Aktionen ein.
Diesmal wollte ich ihn mir eigentlich nur anschauen, aber es ergab sich dann doch spontan die Möglichkeit mitzufahren. Den letzten TEE habe ich ungefähr 1974 betreten, da durften wir mit unserer Ausbildungsgruppe von Bebra nach Würzburg mit dem TEE fahren. Wie die Kings saßen wir damals im Großraumabteil in der 1. Klasse, 2. Klasse gab es nicht im TEE, und machten den Larry. Weiterlesen „TEE Rheingold“
ICE – Polaroid Series #20
Bluristic – Polaroid Series #16
Für Tag 2 der #bwchallenge habe ich mir ein Subjekt ausgesucht, dass sicher schon 1000fach auf Zelluloid gebannt wurde (falls noch jemand weiß was das ist :). Da ich die Fotos zur Challenge aktuell mit dem iPhone mache, wollte ich das oft gesehene aber etwas verfremden. Dazu habe ich seit kurzem eine neue App – Bluristic – die mir selber noch etwas fremd ist.
Darauf aufmerksam geworden bin ich durch einen Beitrag von #kwerfeldein, einem sehr zu empfehlenden Fotoblog. Seit dem habe ich die 89 Cent teure App auf dem iPhone in meinem Fotoordner, mit weiteren – mehr oder weniger sinnvollen – Apps liegen. Aber hier bot sich die Grundfunktionen dieser App – die Mitte scharf, drumrum „blur“, also unscharf – an. Also Mitte anvisiert, Display gedrückt, iPhone leicht im Kreis bewegt, bis das Ergebnis stimmt. Lässt sich in Echtzeit nachvollziehen. Und … hier ist das Ergebnis. Vielleicht weiß ja jemand – trotz Verfremdung – was es ist…
Die Lichtgrenze

Es war ein gigantisches Fest, und die Idee die Grenze zum 25-jährigen Jubiläum des Mauerfalls mit rund 8000 Ballonen zu markieren fand ich sehr gelungen. Das Ende am Sonntag Abend war weniger spektakulär als erwartet, die Ballons entschwanden – kaum vom Lichtmast getrennt – in der dunklen und trüben Nacht. Aber die drei Tage in denen man die Grenze ablaufen konnte, im Hellen, bei herrlichem Sonnenschein am Samstag, in der Nacht, wenn allein die Lichter die Grenze markierten, es war faszinierend. Weiterlesen „Die Lichtgrenze“
Die Siemensbahn

Das erforschen von stillgelegten Fabriken, Krankenhäusern, Kasernen oder ähnlichem erfreut sich ja großer Beliebtheit. Die Bilder zeigen dann das morbide Ambiente unbewohnter Gebäude. Abblätternde Farbe an den Wänden, verblasste Wandgemälde, Artefakte der früheren Bestimmung wie Schreibtische oder OP-Tische. Das wollte ich nun auch endlich mal machen, aber lieber etwas oberirdisches. Ich hatte keine Lust irgendwo rumzukrabbeln, über halbkaputte Treppen zu balancieren, immer auf der Hut vor irgendwelchen Wachdiensten. Viel zu viel Schiss. Weiterlesen „Die Siemensbahn“
Schöner Wohnen in Friedrichshain

Gemütliche Polstersessel entlang des Bürgersteigs, Klamotten hängen zum Trocknen auf den Ästen des Mirabellenbaums, ein Kinderwagen dient zur Aufbewahrung der Habseligkeiten: Gemütlichkeit in der Punker- und Trinkerszene an der Warschauer Brücke in Friedrichshain. Immer neue Möbelkreationen tauchen dort auf und verschwinden genauso schnell wieder.
Der kleine „Park“ dient schon lange als Aufenthaltsort für die Szene, bietet er doch eine gute Gelegenheit an Geld zu kommen. Die vielen Pendler und Besucher lassen hin und wieder Geldstücke in die bereitstehenden Becher fallen, es reicht dann allemal für eine neue Runde „Sterni“. Mit dem Umbau des Bahnhofs soll an dieser Stelle vermutlich ein großer Bike&Ride Platz entstehen. Das wäre sicher das Ende der „Gemütlichkeit“.


