Minimalistisch 49/52

Gelbe Kacheln in einem Berliner U-Bahnhof

Minimalismus in der Fotografie ist eine ästhetische Herangehensweise, die auf die Reduktion von Elementen zielt, um eine klare und einfache Bildaussage zu schaffen. Dabei werden störende oder unnötige Details vermieden, und das Hauptmotiv tritt klar in den Vordergrund. Durch die bewusste Begrenzung von Farben, Formen und Komplexität entstehen oft starke visuelle Wirkungen. Der minimalistische Ansatz ermöglicht es, die Essenz eines Motivs einzufangen und den Betrachter dazu zu bringen, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Leerflächen, klare Linien und eine sorgfältige Komposition sind zentrale Merkmale, die dazu beitragen, die Einfachheit und Schönheit der Fotografie im minimalistischen Stil zu betonen (ChatGPT)

Berlin-Blues #11

Blick von der Leipziger Straße auf den Potsdamer Platz

Neben unserer Wohnung, habe ich sicher die meiste Zeit in Berlin am Potsdamer Platz zugebracht. Im dortigen Hochhausensemble steht nämlich der „Bahntower“, die Zentrale der Deutschen Bahn AG. Seit 2001 mein fester Arbeitsplatz in der internen Kommunikation. Zuerst im 20. Stock, später etwas nach unten gerutscht, in den 8. Stock. Zentraler ging zu der Zeit nicht. Hier hab ich Medwedew in seiner schwarzen Limousine im gegenüberliegenden Hotel vorfahren, zigmal die Winterwelt auf- und abbauen sehen, Demos, Streiks, Promiaufläufe im Sony-Center. Mittendrin statt nur dabei.

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Berlin-Blues #6

Der Portikus des Anhalter Bahnhof in Berlin

Als Reichsbahner, in einem anderen Leben, wäre ich vielleicht in den 30er Jahren, mit dem D356 von Frankfurt/M aus, am Anhalter Bahnhof in Berlin angekommen, statt mit dem ICE erst 2001 am Bahnhof Zoo, um meine neue Stelle anzutreten. Aber so war er kurz nach meiner Geburt bereits Geschichte. Seit der Sprengung der Bahnhofshalle 1959 steht nur noch der Portikus. Einst ein wichtiger Berliner Fernbahnhof, wurde er im Krieg stark beschädigt, so dass – trotz Proteste der Berliner Bevölkerung – ein Abriss erfolgte und nur das Portal erhalten blieb. Die beiden Figuren „Tag & Nacht“ stehen heute im Technikmusem in Berlin.

Ich kann mich dunkel entsinnen, Mitte der 80er Jahre mal in Berlin gewesen zu sein, als im Rahmen der 750 Jahrfeier und der Ausstellung „Mythos Berlin“, der Aktionskünstler Wolf Vostell eine komplette Dampflokomotive wie eine Schildkröte auf den Rücken legte. Die auf dem Kopf stehende Skulptur nannte er La Tortuga. Sie sollte als Mahnmal auf den Missbrauch von Industrie und Technik für den Krieg hinweisen und symbolisch den Niedergang alter Industriezweige versinnbildlichen. Ich habe damals auch ganz sicher Fotos gemacht, aber die sind leider im Orkus der Vergangenheit verschwunden.

Das ist nur einer der vielen Bahnhöfe meines Lebens, wo die Weichen für später gestellt wurden, ohne dass ich zu der Zeit davon auch nur geahnt hätte.

Nummer 27/52

ICE Wagen 12, 1. Klasse, Nahaufnahme

Was liegt näher als meine Wochenendaufenthalte am Berliner Bahnhof dafür zu nutzen eine Nummer zu ziehen, ähhm, zu suchen und zu fotografieren. Schließlich ist #Nummer, der aktuelle Begriff der Woche 27 in der #52WochenFotoChallenge. Jeder Zug hat natürlich irgendwo Nummern, sei es Wagennummern, oder Platznummern, oder die „große“ Nummer, die den Pöbel von den Eliten trennt. Bei der Bahn wird „Klassenbewusstsein“ schließlich groß geschrieben. Als aktiver Mitarbeiter der Bahn durfte ich ja die letzten 20 Jahre auch die „bessere“ Klasse nutzen, als Pensionär bleiben mir nur noch die Holzbänke. Na gut, so schlimm ist es ja gottseidank auch nicht, Zug fahren ist generell eine tolle Sache, solange die Züge fahren und einigermaßen pünktlich sind. Mit beidem klappt es im Moment nicht so wirklich, es kann nur besser werden. Hoffe ich mal.

Am Lido

Am Osterwochenende ist das Strandbad Wannsee in Berlin traditonell geöffnet. Der Eintritt ist frei. Eine gute Gelegenheit mehrere Dinge miteinander zu verbinden. Zum Einen bietet das 29€ Ticket, was in Berlin noch bis Ende des Monats genutzt werden kann, an Wochenenden und Feiertagen eine Fahrt mit der Bahn für zwei Personen. Der Bahnhof Wannsee ist dabei die letzte Station im Bereich B, also noch erreichbar. Zum Anderen kann man im Strandbad bis August diesen Jahres die Ausstellung „Am Lido“ besuchen. Die Künstlerin Christina Kisorsy kontrastiert in der kleinen Ausstellung farbige Bilder vom Strandbad Wannsee, mit schwarz-weißen Bilder vom Lido an der Côte d’Azur in Nizza.

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Dos Locos

Drei Männer vor einem Auto

Viele halten uns ja schon für verrückt, mit dem Wohnmobil über Monate unterwegs zu sein, um im warmen Spanien zu überwintern. Allerdings haben wir Zeit. Viel Zeit. Monate Zeit. Die beiden Verrückten, nichts anderes heißt das spanische“Dos Locos“ auf deutsch, die uns gestern mit ihrem „Rallyeauto“ kurz in Los Alcazares besucht haben, fahren mit ihrem Auto in rund drei Wochen von Berlin bis nach Banjul, in die Hauptstadt Gambias. Rund 7000 Kilometer. Das Ganze für einen guten Zweck.

Seit Samstag sind Kai und Karsten auf der „Rallye Dresden-Dakar-Banjul“ als Team „Dos Locos“ unterwegs und legen dabei pro Tag im Schnitt 900 Kilometer zurück. Über Frankreich, Andorra, Spanien, Gibraltar fahren sie zur Fähre nach Algeciras, von wo sie morgen nach Afrika übersetzen. Von dort geht es durch Marokko, Mauretanien und dem Senegal – hier liegt das berühmte Ziel einer anderen klassischen Rallye, der „Paris – Dakar“ – nach Banjul, der Hauptstadt von Gambia.

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Reisendenlenker

Fassade des Berliner Hauptbahnhofs in der Abenddämmerung

Seit Anfang Juli bin ich im Berliner Hauptbahnhof im Auftrag der DB Regio und über die DB Zeitarbeit als Reisendenlenker unterwegs. So als Ferienjob, wie so’n Studi in den Semesterferien. Aber irgendwie ist das Rentnerleben auch öde, wenn man nicht unterwegs sein kann. Und Menschen helfen, meinen alten Arbeitgeber unterstützen und dabei noch ein wenig Geld verdienen ist ja auch nicht schlecht. Immerhin für 14€ die Stunde. Der Diesel wird ja nicht billiger.

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17885 Tage

Solange ist es jetzt hier, plus/minus ein paar Tage wegen Schaltjahren und so, als ich meinen Dienst am Freitag dem 1. September 1972 am Bahnhof in Gensungen-Felsberg bei der deutschen Bundesbahn begonnen habe. Als Bundesbahnassistentenanwärter (nt) – das steht für „nichttechnischer Dienst“ – stelle ich mich als neuer Mitarbeiter meinem neuen Chef vor, Herrn Kranz, seines Zeichens grummeliger Bahnhofsvorsteher meines neuen Heimatbahnhofes. Zu meinen zukünftigen Aufgaben zählt es auch – morgens, wenn ich die Frühschicht in der Fahrkartenausgabe habe – vor seinem Eintreffen, den Ofen in seinem Büro soweit vorgeheizt zu haben, dass er es zu Dienstbeginn warm hat. Mit Papier und Kohlen.

Es waren lehrreiche Jahre in der Ausbildung, die mich fit gemacht haben für fast ein halbes Jahrhundert Bahnleben. Einen recht großen Anteil meiner Ausbildung, als auch meinem späteren Start danach, habe ich in der Blockstelle meines Wohnortes Wolfershausen verbracht. Früh/Spät/Nacht/Wochenende mit Ticketverkauf und Signale stellen. Für Eingeweihte: Es war die damalige KBS 520 Kassel – Frankfurt. Kürzere Wege zur Arbeit hatte ich nie wieder.

Ein Mann beim umlegen eines Signalhebels in einer Blockstelle der Bahn
Ich in der Blockstelle Wolfershausen – Foto: unknown

Ab heute kommen zu den 17885 Tagen noch 86 Tage dazu, bis mein Arbeitsleben bei der DB AG nach dann 49 Jahren und 4 Monaten endgültig zu Ende geht und einem neuen Lebensabschnitt Platz macht, dem Letzten. Offiziell Schluss ist eigentlich am 31.12.21 aber ich habe mir meinen Jahresurlaub so eingeteilt, das am 26.11. mein letzter Arbeitstag sein wird. Schon am nächsten Tag brechen wir – wenn alles gut geht – mit unserem Wohnmobil Richtung Spanien auf. Wir testen dann, ob es sich an den südlichen Gestaden Europas angenehmer überwintern lässt als im kalten Berlin. Wieviele Tage es am Ende in diesem letzten Lebensabschnitt noch werden, weiß nur das Schicksal, ich jedenfalls nicht und das ist auch gut so. Bis dahin wünsche ich mir und meiner Frau eine schöne, spannende und erlebnisreiche Zeit.