Le canal

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Gerade ist die Sonne als roter Feuerball im Atlantik versunken. Am Horizont glänzen noch die Klippen von Dover herüber und ich stehe auf den Klippen von Boulogne sur mer. Nach rund 1000 Kilometern haben wir die Küste von Frankreich erreicht. Den ersten Teil von Berlin nach Köln ist Ulla vorgefahren, ich bin mit dem Zug am Freitag nachgekommen, den zweiten Teil haben wir heute gemeinsam unter die Räder unseres Wohnmobils genommen.

Vom Ufer des Rheins aufgebrochen Richtung Westen, durchqueren wir später ein kleines Stückchen Holland, bevor wir Belgien erreichen. Unser erstes Ziel ist die heimliche Hauptstadt Europas, Brüssel, und dort das Wahrzeichen, das Atomium. Unser Navi hat uns punktgenau dort hingeführt und so können wir gegen Mittag die in der Sonne gleißenden Silberkugeln bewundern.

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Danach geht es weiter auf der Autobahn und kurze Zeit später überqueren wir die Grenze zu Frankreich, unserem vierten Land heute. Minieuropa sozusagen. Gegen Abend erreichen wir dann die Küste von Frankreich und stehen hoch über dem Meer auf einem Stellplatz für rund 40 Wohnmobile mit weitem Blick auf den Ärmelkanal. Nach einem kleinen Spaziergang runter in die Stadt, Beine vertreten, genießen wir das Abendbrot zurück im Wohnmobil bei einem Bierchen und erfreuen uns am kitschigen, aber schönen Sonnenuntergang. Morgen bleiben wir hier und erkunden ein wenig die Gegend. Bon nuit.

Technik die begeistert

Frontansicht eines Zuges
Das DB Ufo für den Verkehr der Zukunft – Foto: h|b

Heute war ich das erste Mal auf der Innotrans, der Fachmesse für alles rund um die Eisenbahn. Zur Verstärkung hatte ich drei Tf Kollegen dabei, die wenigstens etwas technischen Background haben, im Gegensatz zu mir klassischem Nichttechniker. In den Hallen schauten wir kurz am DB Stand vorbei, in dem ein Mockup des künftigen ICx zu sehen war, der ab 2016 die alte IC Flotte ersetzen soll.

Das war allerdings auch der einzige Hallenpunkt, durch die wir uns ansonsten mehr oder weniger interessiert in Richtung Freigelände treiben ließen. Vorbei an neuen Bremsanlagen (bestimmt wichtig), Weichenzungen (Komfort) und Brandschutzanlagen (gaaanz wichtig) stellten wir schnell fest, dass die Innotrans nicht unbedingt eine Consumermesse ist. Man braucht schon einen entsprechenden Sachverstand, um daran Gefallen finden zu können.

Drei Männer zeigen auf einen Schriftzug
Fototermin mit Technikvorstand Volker Kefer (re) nach der Übergabe der neuen Hybridlok – Foto: h|b

Draußen war es dann schon interessanter, gab es doch hier echte Züge zu bestaunen. Der neue Regionalexpress der ODEG, ein Talgo AVRIL, viele Straßenbahnen, die neue 430er S-Bahn für Stuttgart und die Bahn bekam von MTU eine neue Hybridlok übergeben. Nach rund drei Stunden war ich doch dann etwas technikmüde und nahm die gute alte Berliner S-Bahn zurück in die City.

Im Wandel der Zeiten

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Als ich eben so, gemütlich auf der Couch mit einem Glas Rosé sitzend, mit dem iPad dem Konzert von Norah Jones beim iTunes Festival lausche, schweifen meine Gedanken ab. In eine Zeit, lange vor MTV oder VIVA. Musikvideos gab es auch nicht, höchstens DISCO mit Ilja Richter oder die Hitparade mit Dieter Thomas Heck.

Was es damals schon gar nicht gab, waren Konzertmitschnitte, da es ja noch gar keine Trägermedien dafür gab. Mit Einführung der VHS Kassetten in den 80er Jahren sollte sich das ändern, allerdings nicht in Deutschland. Ich weiß noch wie begeistert ich war, als ich bei einem Tripp nach London in einen Musikladen am Trafalgersquare geriet. Die ganzen Wände voll Kassetten mit Konzerten von David Bowie, Paul Mc Cartney und vielen anderen Musikgrößen. Channel 5 war damals der führende Musiksender Englands und die Kassetten lagen in einem Preissegment was durchaus erschwinglich war.

Nach einigem Zaudern entschloss ich mich dann zwei Kassetten mit nach Hause zu nehmen und fühlte mich wie King Louie. Heute sitze ich hier zu Hause und zeitgleich läuft in England im Roundhouse eine Konzertreihe mit vielen Stars an der ich „over the air“ teilhaben kann. Das ist schon faszinierend. Die Qualität, sowohl vom Ton als auch vom Bild (HD) ist fantastisch, kein Vergleich mit den damaligen Kassetten, und wenn ich will, kann ich mir die Musik auch noch gleich herunterladen. Schöne neue Welt.

Boulevard der Stars

Eine ganze Zeitlang konnte ich vom Bahntower aus beobachten, wie alte Sterne neu poliert und neue Sterne hinzugefügt wurden. Auch die rote Oberfläche wurde penibel gereinigt und wirkt wieder original rot. Im Rahmen der IFA und der heute stattfindenden MediaNight 2012 erfuhr der „Boulevard der Stars“ am Potsdamer Platz ein Brush-Up und darf sich über zwei Hände voll neuer Sterne freuen.

Kenneth Adam
Boulevard der Stars – Ein Stern für Sir Kenneth Adam – Foto: h|b

Dabei unter anderem Thomas Gottschalk, Bully Herbig, Produzentin Regina Ziegler und Hannelore Hoger. Eröffnen durfte das der „Neusterninhaber“ Sir Kenneth Adams, der mit Klaus Wowereit das goldene Band durchschnitt. Kenneth Adams ist Filmarchitekt und schuf die Bauten zu den James Bond Filmen der 60er und 70er Jahre.

Hier ein kleines Portfolio der anwesenden Stars am heutigen Nachmittag.

Esparanza

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Während wir im Wohnmobil sitzen und auf die Ausfahrt der Seven Seas of Voyager warten, echot im Hintergrund die Band Irish Coffee, die am alten Strom in Warnemünde zum Stromfest singt. Das Stromfest ist das Pendant zum Stromerwachen im Mai und läutet langsam das Ende der Saison ein.

Die ist in Warnemünde zwar nicht mehr unbedingt an den Sommer gebunden, da auch im Herbst und Winter viele Gäste kommen, aber es wird in Kürze sicher insgesamt ruhiger, da auch die Kreuzfahrtsaison sich dem Ende zuneigt. Gegen acht Uhr hat bereits die Costa Fortuna unter lautem Tuten Warnemünde Richtung Kopenhagen verlassen.

Wir haben es heute auch endlich mal geschafft, die Mittelmole bis zum Ende zu gehen, wo die neue, goldene Figur „Esparanza“ die Schiffe begrüßt und verabschiedet. Dazu ein dramatischer Himmel mit verblassendem Sonnenuntergang. Ein schöner Spätsommertag in Warnemünde geht damit zu Ende. Gute Nacht.

Historiale im Nikolaiviertel

Des Lebens müde

Ein Pandabär beim Fressen
Mein Besuch im Berliner Zoo im Jahr 2008 brachte mich auch zu Bao Bao – Foto: h|b

Heute morgen verstarb mit 34 Jahren der einzige noch lebende Großpanda in einem deutschen Zoo in Berlin. Seit 28 Jahren war er mehr oder weniger allein in seinem Glaskäfig, da er sich nicht recht mit Weibchen seiner Art vertrug. Vielleicht wollte er nun einfach seine Ruhe haben. Ich wünsche dir viele leckere Bambusspitzen da wo du jetzt bist.

„Weine nicht, weil es vorbei ist, sondern lächle, weil es schön war“ (Alte chinesische Weisheit)

Schräge Töne

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>> Die erste Reihe der Big Band Spandau – Foto: h|b <<

Eigentlich ist es ja heute viel zu warm, um auch nur die Nähe des offenen Kühlschranks zu verlassen, aber ein wenig Bewegung tut ja auch gut. Also schnell die Fahrräder vom skandinavischen Staub befreien und los Richtung Treptower Park. Um die frühe Uhrzeit ist noch nicht so viel los, so dass der Weg entlang der Spree gut zu fahren ist.

Am Zenner machen wir eine Pause, um den Tönen der Big Band Spandau zu lauschen. Allerdings machen die gerade eine Pause, als wir angeradelt kommen. Wir setzen uns also solange mit einem Alster in den Schatten und schauen uns das klassische Zennerpublikum an einem Sonntagvormittag an. Die vorherrschenden Farben sind bedeckt, irgendwas mit grau und beige, und Herrentäschchen sind wohl immer noch en vogue. Das Durchschnittsalter toppt selbst klassische Kreuzfahrtschiffe.

Auch nachdem die Band wieder zu spielen beginnt, tanzt heute niemand, die Betonfläche, auf der die älteren Semester sonst dem Schieber oder dem Foxtrott frönen, liegt voll in der Sonne. Viel zu heiss. Im Schatten, mit einem Berliner Kindl, oder einer Berliner Weisse, lässt sich besser den manchmal leicht schrägen Tönen lauschen.

Wir fahren dann noch bis zur Fähre und zurück ein wenig kreuz und quer durch den Plänterwald. Durch eine Phalanx von Polizeiwannen auf der Warschauer Brücke – die Heinis von Pro Deutschland sind heute auf Berlin-Sightseeing – erreichen wir wieder Friedrichshain und sind rechtzeitig zum Kaffee zu Hause.

Den Rest des Tages, laut Medien der heisseste in diesem Jahr, verbringen wir dann doch vor dem offenen Kühlschrank. Nein, natürlich nicht, wäre ja ökologisch nicht zu vertreten, aber einen gewissen Reiz hätte es schon. So müssen wir halt einfach so vor uns hintranspirieren.

Paaaarty

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Vorbei an der esoterischen Harfespielerin am Beginn der Warschauerbrücke gehen wir gegen halb neun abends Richtung Oberbaumbrücke. Dort feiert das Watergate heute Abend sein zehnjähriges Bestehen mit einem Openairset auf der Freifläche direkt an der Spree.

Am Bahnhof Warschauer Brücke strömen die Massen – wie an jedem Wochenende – aus den S-Bahnen heran, um sich auf der Brücke in beide Richtungen zu verteilen. Was sich hier Abends noch bewegt, würde einem mittlerem Großstadtbahnhof im Berufsverkehr alle Ehre machen. Die Party beginnt Abends.

Vor dem Eingang zur U-Bahn am anderen Ende der Warschauer Brücke spielt die nächste Künstlerin, diesmal mit Gitarre und leisem Stimmchen, das Publikum lauscht gebannt. An der Kreuzung zur Eastside-Gallery wummern zum ersten Mal die Bässe die Spree herüber und am Ufer des Universal Gebäudes stehen dicht an dicht die Zaungäste. Über die Oberbaumbrücke treiben viele Partywillige und am Kreuzberger Ende ist der Durchgang durch die Arkaden kaum noch möglich. Dafür zeigt das DJ Set hier seine maximale Wirkung. Die ganze Brücke ist hier eine Partyzone, während die Sonne hinter der Fernsehturm am Alex glutrot untergeht.

Es ist uns dann doch ein wenig zu voll, so dass wir uns wieder auf dem Heimweg machen, wir haben sicher kurzfristig das Durchschnittsalter der Anwesenden signifikant erhöht. Am anderen Ende der Oberbaumbrücke spielt ein Solokünstler gegen den DJ an und wird von Besuchern dafür gefeiert. Auf der Warschauer Brücke strömen auch auf unserem Rückweg immer noch die Massen heran. Die Nacht ist schließlich noch jung. Wir nicht mehr so ganz, daher ziehen wir uns mit einem Bierchen auf die Couch zurück, bevor wir ins gekühlte Bett fallen.

Das Ende der großen Ferien

Junge mit Sonnebrille vor blauem Himmel
Den Sommer muss man cool genießen – Foto: h|b

Es wird Zeit Abschied zu nehmen, Abschied von Berlin, Abschied von den Großeltern, Abschied von der Kindheit, Abschied … Okay, Okay, das ist vielleicht etwas zu melodramatisch. Schließlich bringen wir Colin nach fast 14 Tagen nur zurück zu seinen Eltern, da wo er hingehört. Wir werden ihn ein bisschen vermissen, so wie er uns vielleicht auch, aber so wie wir unsere „Freiheit“ wiedererlangen, wird er seine sicher auch genießen.

Am Mittwoch wird Colin eingeschult, für ihn und seine Familie ein neuer Lebensabschnitt, der sie vielleicht 13 lange Jahre begleiten wird. Das ist einem Erstklässler sicher nicht bewusst, sonst würde er sich das vielleicht überlegen, aber letztendlich gewinnt er ja ein Stück Freiheit, die Freiheit so zu Leben wie er möchte. Später mal. Jetzt wird es ihn sicher manchmal nerven, er wird keinen Bock haben im Winter um halb acht im Dunklen zur Schule zu müssen, oder an einem sonnigen Nachmittag über den Hausaufgaben zu schwitzen, statt draussen zu spielen, aber ich denke viele Kinder in der Welt würden ihn beneiden, für sie gibt es keine Schule.

Also Colin: „Vita Brevis“ wie deine Tante sagen würde, nutze dein Leben, mach das beste draus.