Das schöne am Zugfahren ist ja, dass man ganz entspannt sitzen kann, sich nicht um andere Verkehrsteilnehmer kümmern muss und höchstens dann in Panik verfällt, wenn die Stimme des Zugchefs etwas von Tieren auf der Strecke, Personen am Gleis, oder Schaden an der Lok durch die Lautsprecher verkündet. Ansonsten bewegt man sich leise durch Raum und Zeit. Will heißen, es vergeht einige Zeit – mal mehr mal weniger – und durchquert dabei einen Raum. Alles zusammen ergibt also die Raumzeit.

Ich war ja vor Kurzem rund 1000 Kilometer mit der Bahn unterwegs und ich muss sagen, lange nicht so entspannt gereist. Ich hatte jedesmal einen Fensterplatz, konnte meinen Blick schweifen lassen und der ICE war – für seine Verhältnisse – recht pünktlich. Man ist ja inzwischen froh, überhaupt anzukommen.

Ich hatte allerdings auch einen Vorteil, ich musste nicht umsteigen. Meine Fahrt ging nur von F wie Frankfurt nach B wie Berlin und ein paar Tage später den selben Weg wieder zurück. Was ich dabei schon immer gern gemacht habe, mein iPhone ans Fenster zu klemmen und den Auslöser zu drücken. Mal einfach so, mal mit einer App, mit der man die Belichtung verlängern kann.

Die Fotos die so entstehen, haben etwas Mystisches, so als wenn ich die Augen unscharf stelle und die Landschaft einfach an meinen Augen vorbeiziehen lasse. Ich schaue, also bin ich. Je höher die Geschwindigkeit des ICE – auf der Neubaustrecke zwischen Erfurt und Berlin sind das schon mal 250 km/h – desto malerischer die Ergebnisse als Foto. Wenn ich Gerhard Richter hieße, würde ich diese Fotos auf 3 x 5 Meter Leinwand malen und für ein paar Millionen zum Verkauf stellen. So zeige ich sie euch nur hier im Blog.

