Beringt und besendert

Noch heißen sie A19_100 oder A23_100 im Animaltracker. Der siebenköpfige Nachwuchs der Überlinger Waldrapp hält sich im Moment auf den Wiesen unterhalb von Leustetten auf, um sich auf die Migration im Herbst vorzubereiten.

Vor kurzem konnte man die Kolonie noch in der Nähe von Hohenfels finden, wo das Waldrappteam die sieben Jungtiere kurzfristig eingefangen, anschließend beringt und besendert hat. Dabei wurden den Vögeln auch Federn entnommen, um das Geschlecht bestimmen zu können.

Nach der Bestimmung bekommen auch die Jungvögel sprechende Namen wie ihre Eltern. Etwa Ciop, Urmel, Samo oder Vincino. Ursprünglich sind in diesem Jahr 12 Junge in der Spalte am Katharinenfelsen in Überlingen geschlüpft, fünf davon haben leider nicht überlebt. Genaue Gründe sind unbekannt.

Auf den Wiesen suchen sie nun den ganzen Tag nach Insekten und deren Larven, Regenwürmern, Schnecken, Heuschrecken, Spinnen, seltener nach kleinen Säugetieren, Reptilien und Amphibien. Die Nahrung suchen sie, indem sie mit ihrem Schnabel im Boden stochern. Lang genug ist er ja. 150 – 250 Gramm kommen so pro Tag und Tier zusammen.

Im Zuge der Wiederansiedlungsprojekte in Mitteleuropa beschwerten sich die Landwirte schon mal, dass die Vögel die Wiesen systematisch nach Regenwürmern absuchen und den Boden schädigen könnten. Das Waldrappteam entkräftet diese Sorgen mit wissenschaftlichen Daten. Fazit: Den Wiesen tut das Gestochere eher gut.

Es fasziniert mich immer wieder diese Vögel aus direkter Nähe zu sehen und zu fotografieren. Sie lassen sich bei ihrer Nahrungssuche und Federpflege nicht stören, so dass schöne Portraits entstehen, auch wenn der einheitliche Tenor oft ist „Mein Gott, sind die hässlich“. Aber das ist vielleicht das Schöne daran. Was meint ihr?

Alle Fotos mit meiner Olympus OM-D E-M1 III und dem 75-300 (VF: 150-600) im Abstand von gut 10 Metern.

7 Antworten auf “Beringt und besendert”

  1. 😄 Tatsächlich erinnern sie mich sehr an bestimmte, schaurige, österreichische Fastnacht- Figuren. Vielleicht hat man so Masken mal dem Waldrapp angeschaut!😄 Was ja auch fast schon wieder ein Kompliment ist.😃

    1. So bin ich überhaupt auf sie aufmerksam geworden. Bei der ersten Fasnet habe ich beim Umzug Masken gesehen, die mich an Pestmasken erinnerten. Auf meine Nachfrage, wurde mir dann mitgeteilt, dass es doch Waldrappmasken wären. Von solchen Vögeln hatte ich allerdings bis dato nie etwas gehört, somit war meine Neugier geweckt 😉

      1. Das gibt es doch nicht! 😄
        Übrigens lief auf ARTE ein Film über Nordmarokko. Dort gibt es auch ein Schutzprogramm für Waldrappe.Sie brüten dort in Felssteilhaengen direkt am Meer und in der Nähe von Steineichenwäldern sehr erfolgreich. Die Kolonie ist von 100 Voegeln auf 800 Tiere mittlerweile angewachsen. Eine richtige Erfolgsgeschichte.

      2. Ja, dort sind sie fest etabliert. Die Kolonie in Spanien wächst auch, immer wieder ergänzt durch neue Vögel aus Salzburg aus der Handaufzucht. Die Überlinger Kolonie fliegt ja in die Toskana, was leider oft zu Verlusten durch Wilderei führt. Mal sehen, wie es dieses Jahr ausgeht.

  2. Schön sind sie meiner Meinung nach ganz und gar nicht. Aber darum geht es ja nicht. Faszinierend finde ich sie schon. Wie schön, dass das Wiederansiedlungsprojekt Früchte trägt.

    1. Noch ein bis zwei Jahre, dann sollen sich die Bestände soweit erholt haben, dass weitere Aufzucht durch Menschen nicht mehr nötig sein soll. Vorausgesetzt, die Wilderei in Italien zerstört nicht wieder die Bemühungen. In Spanien läuft es schon recht gut. Ich drücke die Daumen

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