Trotz der vielen Rückschläge der Überlinger Waldrappkolonie gibt es Grund zur Hoffnung. Derzeit befinden sich wieder neun Waldrappe im Brutgebiet in Überlingen, drei davon sind Weibchen. Samo, die inzwischen bereits brütet, wurde aus einer Kolonie in Salzburg an den Bodensee gebracht und erfolgreich in die Gruppe integriert. Was ist passiert?

Die beiden Waldrappe Dr. Saurier und Espi waren die ersten Vögel, die im letzten Jahr den Weg aus Spanien an den Bodensee geschafft hatten. Auf den Erfolg folgte nun die Ernüchterung. Die Sender der beiden Vögel meldeten dem Waldrappteam, dass die Tiere auf dem Rückflug gestorben waren. Helfer in Spanien bargen die Kadaver der Tiere für weitere Untersuchungen. Vermutlich wurden sie Opfer größerer Raubvögel.

Ebenfalls im letzten Jahr wurden in Italien zwei Waldrappe aus der Überlinger Kolonie namens Zoppo und Zaz kurz nach ihrer erfolgreichen Alpenüberquerung erschossen. Dies löste große Bestürzung aus, da beide Vögel zu den bekanntesten und wichtigsten Tieren des Projekts gehörten. Der Wilderer wurde zwar gefasst, aber das bringt die Waldrappe nicht wieder zurück.


Neben dem Verlust der Jungvögel hat vor allem der Tod von Waldrapp Zoppo das Team schwer getroffen. Denn Zoppo war einer der ältesten Waldrappe der Überlinger Kolonie. Er lernte 2017 den Weg in das Winterquartier in der Toskana und kehrte drei Jahre später als einer der ersten Waldrappe zurück nach Überlingen, um dort zu brüten. Im Herbst 2025 zeigte Zoppo noch einmal dem Jungvogel Zaz den Weg über die Alpen nach Italien.

Im Großen und Ganzen sind es am Ende doch noch gute Nachrichten. Samo hat sich in Überlingen schnell eingelebt und mit Ciop schnell einen Brutpartner gefunden. Es brüten jetzt wieder drei Paare in der Felsnische. Die anderen beiden Brutpaare sind Vincino und Paride und Marcello und Urmel. Sogar ein neues Nest wurde angelegt. Das erste mal seit der Bereitstellung der Felsnische für die Waldrapp.

Im Moment kann man beobachten wie die Vögel regelmäßig die Felsnische verlassen, runter zum See fliegen, um neues Nistmaterial zu holen. Schließlich muss so ein Nest gut gepolstert werden. Manchmal übernimmt sich allerdings der Vogel, wie man auf den Fotos sehen kann. Den langen Stock musste er während des Fluges leider aufgeben. Das war wohl etwas zu viel des Guten.
Weitere Waldrappgeschichten auf meinem Blog finden sich unter dem folgenden Link.

