Bei dem ganzen fiesen, dunklen und regnerischen Novemberwetter wird es Zeit für ein wenig Farbe. Dazu bewegen wir uns vom Potsdamer Platz kommend ein wenig Richtung Norden und finden ein sehr berühmtes Tor. Das folgende Bild ist aus einem Frühlingstag aus den mittleren 2000ern. Der Keukenhof hatte im Herbst 55.000 Blumenzwiebeln am Pariser Platz eingesetzt, die dann zum Frühling in leuchtender Pracht standen. Die schöne Tradition gibt es leider nicht mehr.

Als wir 2001 nach Berlin gezogen sind, durften noch Taxen und Busse durch das Brandenburger Tor fahren. Den autofreien Pariser Platz in der heutigen Form gab es noch nicht. Nach der Renovierung im Jahr 2002, wurde das Tor endgültig für den Durchgangsverkehr gesperrt. Die FDP sprach von einem „verkehrs- und wirtschaftspolitischen Anschlag auf die Mitte Berlins“. Damit hätten sich „die notorischen Autofeinde und Straßenblockierer“ von SPD und PDS durchgesetzt. Die Partei ist sich einfach auch für nichts zu blöd, wenn es um ihr „Lieblingskind“, das Auto geht. Unglaublich. Leider hat sich daran auch nichts geändert. Während andere große Städte wie Paris, London oder Barcelona, den MIV immer weiter zurückdrängen, kann man in Berlin genau das Gegenteil bestaunen. Das Auto ist hier weiterhin das Maß der Dinge. Germany in a nutshell.

2006 stand das Brandenburger Tor ganz im Zeichen der WM. Ein riesengroßer Fussball wurde aufgebaut, schließlich erwartete man nichts anderes als den Titel und das „Sommermärchen 2006“. „Schland“ war das geflügelte Wort, überall Fahnen und Fähnchen, aber leider reichte es – noch – nicht für den Titel. Die Stimmung aber war nicht zu toppen.
Am Brandenburger Tor finden natürlich eine ganze Menge Veranstaltungen statt, die Größte ist definitiv die – auch im TV übertragene – jährliche Silvesterfeier. Dort waren wir einmal, gleich im ersten Jahr, haben das Euro-Starter-Paket auf den Kopf gehauen und gleichzeitig für uns beschlossen, das nicht zu wiederholen. Mal am Nachmittag auf ein Sektchen bei Tommys Getränkebude vorbei, okay, aber nicht die Menschenmassen in der Nacht. Braucht kein Mensch.

Auch das Festival of Lights taucht das Brandenburger Tor in immer neue Farben, bis hin zu ganzen Choreografien und Trickfilmen, die das Tor mit Fenstern versehen, oder pixelgleich einfach auflösen. Von den ganzen Selbstvermarktern auf dem Pariser Platz gar nicht zu reden, die sich als GI, Mickey Maus, Trump, oder was auch immer, verkleiden, um den Touristen als Beiwerk zu den Selfies zu dienen, als wäre das Brandenburger Tor nicht genug.


Aber in der Nacht, oder am Abend, wenn das Tor leuchtet, ist es schon sehr stimmungsvoll. Die Quadriga – die im Jahr 1806 von Napoleon entführt wurde, bevor man sie 1814 „befreite“ und zurückholte – schaut weiterhin nach Osten, dorthin wo jeden Morgen die Sonne aufgeht und heute wieder das Stadtschloss steht. Ein spannender Ort, mitten in Berlin.

Mein Weg von oder zur Arbeit am Potsdamer Platz führte mich mit dem Rad öfter durch das Brandenburger Tor und eines Nachmittags ergab sich das Bild mit dem nur angeschnittenen Tor, den Akteuren im Bild und der „Goldelse“ ganz im Hintergrund. Jahrelang war dies auch das Titelbild meines Berlin Blogs, bevor sich das Reisen dazugesellte und Berlin „nur noch“ eine Nebenrolle spielte. Wobei ich jetzt bei der Suche nach Bildern für den Berlin-Blues feststellen musste, dass rund 60.000 Berlin-Bilder auf meiner Festplatte liegen. Ich war dann wohl doch öfters unterwegs, als ich dachte 😉

