Die Digitalisierung der Bücher

Bücher und Zeitschriften ohne Papier - Foto: h|b
Bücher und Zeitschriften ohne Papier – Foto: h|b

Der Beitrag ist etwas länger geraten als sonst üblich, nur so vorab als als Warnung 😉

Vor ungefähr zwei Jahren hatte ich ihn in der Hand, den klassischen Kindle von Amazon. Für Buchpuristen zweifelsfrei ein Sakrileg, für mich ein Selbstversuch: Geht es auch ohne Papier? Ich lese gerne Bücher. Spannende Geschichten. Je mehr Seiten desto besser. Also so 1000 Seiten sind durchaus okay, bis 500 auch noch, darunter muss es schon sehr gut sein. Will ja auch etwas davon haben, in die Geschichte eintauchen können. Kein Geschwafel um Seiten zu füllen, das mag ich wiederum nicht. Auch das ein unschätzbarer Vorteil von eBooks, man kann sich jederzeit, egal von welchem Buch, eine Leseprobe zukommen lassen, ist in 5 Sekunden da. Sind meist so die ersten 20 bis 50 Seiten des Buchs, je nachdem wie viele Seiten es insgesamt hat. Hat mir oft schon als Orientierung gereicht, unabhängig von den Rezensionen, ob ich am Ende gerne weiterlesen möchte. Wenn ja, dann fehlt nur noch ein weiterer Klick und ich kann mich ins Abenteuer stürzen.

Inzwischen haben wir in der Familie zwei Kindle, die natürlich auf die Welt von Amazon angewiesen sind, einen Tolino Shine der das Format ePub verwendet und im dunkeln leuchtet, plus iPad mini und iPad 3. Also Endgeräte für alle Formen des Lesens. Als Nachtlektüre empfehlen sich die iPads oder der Tolino, am Tag oder in der Sonne die Kindles und der Tolino. Durch die Möglichkeit für Autoren sich jetzt quasi selbst verlegen zu können, unter Umgehung eines Verlages, der natürlich auf der einen Seite ein bestimmtes Programm hat und dem sicher auch mal die eine oder andere Perle durch die Lappen geht, findet man das eine oder andere Highlight beim stöbern, dass es nie in den Buchhandel geschafft hätte. Manchen der Bücher hätte ein guter Lektor sicher gut getan, und ein wenig Sorgfalt kann man auch bei einem kleinen Preis erwarten, aber immerhin… sie hätte es ansonsten nie gegeben.

Ich habe jetzt schätzungsweise an die 200 Bücher gelesen. Ein Reader schafft einen ganzen Urlaub von drei Wochen zu überstehen, ohne ihn einmal aufzuladen, trotz intensivem Gebrauchs. Von der Leichtigkeit des Transportes ganz zu schweigen. Aber nicht nur Bücher lese ich inzwischen auf diese Art und Weise. Als sich die Gelegenheit bot, unterstützt durch ein nettes Zusatzgeschenk, habe ich meine Tageszeitung ebenfalls auf elektronisch umgestellt. Kein morgendlicher Gang zum Briefkasten, die Zeitung ist beim Aufruf der App bereits geladen und lesebereit. Übrigens auf beiden iPads. Keine Diskussion mehr am Frühstückstisch, wer welchen Teil der Zeitung lesen darf. Apropos Frühstückstisch, den haben wir auch gleich verkleinert. Okay, das war jetzt eh geplant, aber ohne große Tageszeitung hat es keine Auswirkung. Den letzten Schritt bin ich jetzt mit meinem Fotomagazin gegangen. Nachdem sich jede Menge davon bereits im Regal stapeln, zwei Jahrgänge mit fast einem Meter Höhe, habe ich mir die Dezemberausgabe elektronisch gekauft.

Hier bin ich noch zwiespältig, ein Hochglanzmagazin mit schönen Fotos durchzublättern ist auch ein haptisches Vergnügen, aber anderseits war ich damit auch in einer guten Stunde durch und schon erhöhte die Zeitschrift den Stapel um weitere Zentimeter. Die selben Bilder auf einem 10 Zoll Monitor mit Hintergrundbeleuchtung wirken aber auch sehr gut und ergänzend zum normalen Heft gibt es hier weitere Bilderstrecken, kleine Videos mit Testberichten, weitere Zusatzinformationen die halt nur so publiziert werden können. Ich werde wohl bis auf weiteres die „Photographie“ elektronisch beziehen, bei anderen Zeitschriften wie „wired“ ist es ja inzwischen zum Prinzip geworden.

Vermisse ich irgendwas? Das Gefühl eine Buchseite umzublättern? Den Geruch von Papier? Druckerschwärze an den Fingern vom Zeitungslesen? Den wöchentlichen Gang zum Altpapiercontainer? Nein, ehrlich gesagt nicht. Ich stelle mir auch keine Bücher ins Regal. Wenn ich ein Buch gelesen habe, lese ich es auch nicht ein zweitesmal. Ich kenne doch jetzt die Geschichte. Und nichts ist doch älter als die Zeitungsausgabe am Morgen. Hat man doch alles in den sozialen Medien, bei Twitter und Facebook bereits gelesen. Die Zeitung ist für die Hintergründe. Die kann ich aber auch als Pixel lesen. Dafür müssen keine Bäume gefällt werden.

Das Einzige was mir noch missfällt ist die Preispolitik bei den Büchern. Ein Hardcover kostet bei erscheinen des Buches zwischen 20 und 30 Euro. Kann ich verstehen. Ist aktuell, viel Papier, ein Haufen Logistik bis zur Buchhandlungen und schön angerichtet. Allerdings kostet das eBook exakt den selben Preis. Dafür habe ich es aber dann nicht mal gekauft, sondern nach den AGBs von Amazon lediglich geliehen, ich kann es nicht mal weiterverschenken. Wenn dann nach einem Jahr das Paperback erscheint, sinkt auch der Preis für das eBook. Und das war es dann. Eine weitere Preisstufe für die die noch länger warten würden gibt es nicht. Das heisst ein – in den Augen der Verlage – Bestseller kostet bis zum Ende aller Tage – um die 10 Euro. Beim Buchhändler bekomme ich die Remittenden irgendwann für 3,50 oder ich kaufe es mir auf dem Flohmarkt. beim eBook? Pustekuchen.

Daher jetzt auch mal der Versuch sich von Amazon zu lösen. Der Tolino Shine der von Weltbild, Hugendubel und Thalia, in Zusammenarbeit mit der Telekom, angeboten wird, verarbeitet Bücher im offenen ePub Format und bietet sie teilweise sogar ohne DRM an. Im Gegensatz zum Kindle erkennt der Rechner den Reader als ganz normalen Speicher und ich kann Bücher hineinpacken, oder herausnehmen. Also könnte ich DRM-freie Bücher auch nach dem Lesen weiterverschenken, oder welche geschenkt bekommen. Die Amazonlösung ist für Verlage wahrscheinlich die angenehmere, aber der ganze DRM Quatsch hat bei Musik auch nicht funktioniert. Erst als man davon abgelassen hat, den Zugang erleichterte und die Preise harmonisierte stiegen die Verkäufe. Die illegalen Austauschplattformen sind in der Zwischenzeit nur noch etwas für Jäger und Sammler. Ich bin bereit für elektronische Produkte Geld auszugeben, es sollte aber ein fairer Deal sein und mir die selben Freiheiten gewähren, die ich z.B. mit einem normalen Buch auch habe.

Bin auf jeden Fall gespannt wie es weiter geht. Noch sind eBooks ein Nischenprodukt, immer noch. Von 2011 auf 2012 konnte sich der Verkauf zwar verdoppeln, allerdings nur von 1 auf nunmehr 2%. 99% aller Bücher werden weiterhin in Papierform gekauft. Das wird sich für 2013 wahrscheinlich ähnlich darstellen, aber man bescheinigt den eBooks inzwischen zumindest „Marktrelevanz“. Klar, wenn ich erst ein „teures“ Gerät benötige, um ganz normale Bücher zu lesen, was seit 500 Jahren auch ohne Zusatzhilfe funktioniert, stellt das eine nicht zu unterschätzende Hürde dar.

Mehr über die Entwicklung im eBook-Markt findet sich auf www.e-book-news.de. Ich werde diesen elektronischen Weg weiter gehen, auch wenn mir sicher ab und an auch mal ein richtiges Buch in die Finger fällt.

Ein Gedanke zu „Die Digitalisierung der Bücher“

  1. Ich lese schon seit einer weile auf den kindle. Meine Regale waren voll mir Büchern, die vor sich hinstaubten. So habe ich mehr Platz und lebe staubfreier. Klar lese ich auch „richtige“ Bücher, aber eben nur sehr, sehr selten.

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