Nach langem hin- und herüberlegen habe ich heute meine Olympusausrüstung in der Verkauf gestellt. Die Zeit ist reif für Neues und das Neue kommt ohne Spiegel aus. Was bisher Spiegelreflex war und mich mit Unterbrechungen aus den 70er bis heute fotografisch begleitet hat, muss für die Zukunft ohne Spiegel auskommen. Zumindest für mich. Die neuen Systemkameras, allen voran Olympus, haben den Trend eingeleitet und es wird spannend zu sehen sein, wie es sich die nächsten Jahre weiterentwickelt. Werden die Anderen auch über kurz oder lang auf den Spiegel verzichten? Leiten die Spiegellosen nur eine Epoche der Verirrung ein? Werden wir später alle wieder analog fotografieren? Wer muss in die Nische? Interessante Fragen, die ich für mich jetzt erstmal entschieden habe: Die Zeit der Spiegellosen beginnt. Die Olympus OM-D EM5 wird mich ab Dezember fotografisch begleiten, geübt habe ich ja bereits mit der E-PL3 und das kleine aber trotzdem hochwertige System begeistert mich. Wer Interesse am Verkaufsangebot hat, kann hier nachschauen.
Vom Ballaste befreit
Lange haben wir es vor uns her geschoben, die Kellertür nur noch vorsichtig geöffnet, aber heute ergab sich die Gelegenheit sich von dem äußeren und damit auch dem inneren Ballast zu trennen. Sara war schlussendlich der Initiator der Aktion, der dortige WG-Keller war noch besser gefüllt. So stehen wir heute morgen um kurz vor acht in der üblichen Robben&Wientjes Samstagsschlange. Berliner ziehen ja gerne mal um, ich glaube fest daran, dass die Autos mit der blauen Robbe nicht ganz unschuldig daran sind. Leichter kann man nicht umziehen.
Mit Luther in den Gulag

Am letzten Wochenende haben wir die Gelegenheit beim Schopf ergriffen und sind endlich mal im Deutschen Historischen Museum in Berlin gewesen. Einerseits war das Wetter dafür gut geeignet, grau und regnerisch, andererseits war Museumsfest und der Eintritt daher frei. Wir hatten schon damit gerechnet gar nicht erst hineinzukommen, aber der Besuch war normal, nichts war überlaufen.
Den normalen Museumsbereich haben wir nur durchquert, durch das große Atrium geht es hinüber zum Neubau. Dort findet man aktuell die Sonderausstellungen, die wir uns von unten nach oben angeschaut haben. Im Parterre beginnt es mit der Ausstellung zur Reformation „Leben nach Luther“. Bilder und Exponate zur „Kulturgeschichte des evangelischen Pfarrhauses“, so ist die Ausstellung untertitelt. Portraits von Familien und Situationen im Protestantismus, Hetzplakate der katholischen Kirche zu den lutherischen Neuerungen, sehr interessant. Weiterlesen „Mit Luther in den Gulag“
Singende Balkone
Ursula aus der Gubener Strasse 44
Als ich den Zettel zum ersten Mal an unserer Tür gesehen habe, dachte ich spontan: „Wassn das wieder für ne Schwachsinnsaktion?“. So typisch Berlin, noch typischer Friedrichshain. Es wurden über den Aushang Leute gesucht, die heute Abend von ihrem Balkon ein Ständchen zum Besten geben würden. Egal was. Singer- Songwriter, Acapella, Beat-Boxing, ganz egal. Kurze Zeit später hing ein weiterer Zettel bei uns im Hausflur, der darauf hinwies, das Ursula aus dem dritten Stock mitmacht. Okay. Unsere Nachbarin also. Heute morgen war dann sowohl in der Zeitung als auch auf der Website der Organisatoren Polly & Bob zu lesen, welche Balkone mitmachen. Es sind so viele geworden, dass die Veranstalter drei getrennte Touren organisiert haben, die ab 17 Uhr durch den Kiez ziehen.
Kurz vor 18 Uhr stehen wir vor unserem Haus, mit uns fast die gesamte Hausgemeinschaft. Die Tochter der Sängerin verteilt vom mitgebrachten Tischchen Sekt und Chai-Tee, wir entscheiden uns spontan gegen eine kleine Spende für den Sekt. Mit uns stehen um nach kurzer Zeit noch rund 50 weitere Passanten auf dem Gehweg und schauen gespannt zum illuminierten Balkon, wo Ursula uns mitteilt, das es noch ein paar Minuten dauere, da die Tour gerade auf dem Weg von der Marchlewskistraße sei. Und wirklich, kurze Zeit später stehen rund 200 – 300 Zuschauer vor unserem Haus und lauschen andächtig dem Gesang von Ursula. Nur mit Gitarre und ohne Verstärker. Trotzdem gut zu hören. Nach dem Ende der Darbietung gibt es einen Riesenapplaus und Zugaberufe, aber die Tour ist straff organisiert und muss weiter zu Robin in die Kopernikusstraße, der wartet schon.
Die Jungscombo aus der Kopernikusstraße
Wir beglückwünschen noch schnell die heruntergekommene Künstlerin zu ihrem Mut und der Darbietung und folgen der Crowd über die Warschauer Straße ins Ausgehviertel. Hat fast den Charakter einer spontanen Demonstration gegen Gentrifizierung, viele Familien mit Kindern noch dabei, aber insgesamt ein ganz gemischtes Publikum. Der nächste Balkon arbeitet schon sehr professionell. Zwei Jungs mit Gitarre, Kontrabass und Verstärker geben ein kleines Konzert. Auf der Straße ist nun für die Autos fast kein durchkommen mehr. Hat ein bißchen was von einer aus dem Ruder gelaufenen Facebookveranstaltung. Inzwischen stehen hier sicher 500 Leute und lauschen der Musik. Wie gehabt, nach fünf Liedern zieht die Karawane weiter. Nächstes Jahr nehm ich das mal Ernst und dann schließ ich mich einer der Touren an. Eine Superidee, prima umgesetzt und Chapeau an die Künstler der „Singenden Balkone“.
Winter befohlen
Winterwelt am Potsdamer Platz
Wie jedes Jahr, zu einem – wie immer – völlig überraschenden Zeitpunkt, eröffnet heuer die Winterwelt am Potsdamer Platz. Eben saß man noch bei einem Latte Macchiato in der warmen Spätsommersonne im Balzac, genoss den Blick über den weiten Platz hinüber zum Bahntower, schon wächst die große Rodelrampe in den Himmel und wartet nun auf den künstlichen Schnee aus der Skihalle in Senftenberg. Die diversen Holzhütten für die bald kommenden Weihnachtsfeiern und Firmenevents ordnen sich wie Satelliten um den Rodelberg. Ab kommenden Samstag heisst es dann wieder Gummireifenrodeln gut. Spannend wird es dann wieder zu beobachten sein, mit welchem Aufwand der Veranstalter versuchen wird den Schnee vom Tauen abzuhalten. Noch sind in Berlin nämlich keine winterlichen Temperaturen zu erwarten. Aber Winter ist ja schließlich keine Jahreszeit mehr, sondern richtet sich schon längst nach dem jährlichen Berliner Eventkalender.
Aufbau der Hütten vor dem Bahntower
Abenteuerspielplatz Berlin – Stadt
Der Anstieg beginnt mit dem Victory-Zeichen – Foto: h|b
Die Kinder werden ja heute, wie wir damals, mit den Helden aus den Comics groß. Nur hatten wir die Hefte, die Kids von heute haben die Filme. So wie sich Spiderman durch die Hochhausschluchten von New York hangelt, mit Leichtigkeit die Gebäude erklettert, so möchte manches Kind auch die Menschen vor dem Bösen retten. Eine gute Gelegenheit und mit ein wenig Phantasie bietet sich rund um den Berliner Fernsehturm. Zwar sind die eigentlichen Rampen inzwischen mit Gittern vor dem Erklettern geschützt, aber an den vier Ecken zur Zwischenetage gibt es noch die glatten Rampen, die geradezu einladen, ein wenig Spiderman, oder besser Spidergirl, zu spielen.
Mit Schwung die Rampe hinauf – Foto: h|b
Mit Anlauf und ohne Netz und doppelten Boden hat man die obere Brüstung erreicht und kann nun auf dem Hosenboden wieder herunterrutschen. Geht natürlich auch auf dem Bauch. Wer möchte kann sich auch in Spinnenhaltung auf der Rampe hin- und her bewegen, ist aber dank der Schräge nicht ganz so einfach. Ach ja, für Väter eignet sich die Aktion, ein wenig Vertrauen in das kleine Spinnenmonster vorausgesetzt, um ein paar Actionfotos zu schießen, die aus der richtigen Perspektive nah an das wirkliche Abenteuer herankommen.
Über den Dächern der Stadt – Foto: h|b
Abenteuerspielplatz Berlin – Natur
Abwurf vom Twister – Foto: h|b
Da kann man sich noch so schöne Spielplätze ausdenken, um die Kinder zu bespaßen, aber manchmal bietet das Vorhandene zusammen mit ein wenig Phantasie durchaus auch genug Spielanreiz. Nicht dass die Spielplätze und Spielgeräte am neuen Park am Gleisdreieck nicht genug bieten. Die chaotisch anmutende Verwendung von Holzblöcken regt zum balancieren und klettern an, die riesigen Schaukeln am Weg, lassen einen fast bis in den Himmel schaukeln und sich auf dem Twister zu halten, bedarf einer guten Körperbeherrschung.
Ein echtes Steckenpferd für Denise – Foto: h|b
Aber trotzdem ist es dann ein Baum, der uns – trotz leichten Regens – länger im Park hält als geplant. Ein verwildertes Gelände direkt neben dem großen Abenteuerspielplatz beherberg einen alten Baum, der seine dicken, knorrigen Äste dicht über dem Boden klettergerecht entlangwachsen lässt. Einer der Astenden endet wippend gut einen Meter über dem Boden und eignet sich in den Augen von Denise hervorragend als Pferd. Man kann es reiten, striegeln, an der Trense herumführen und auch hin und wieder mit Blättern füttern. Nach drei gewonnen Rennen mit Jockey Denise und Jessica dem Vollblüter war es dann aber genug. Nur mit meinem Versprechen, ab und an mal nach Jessica zu sehen, konnte ich sie loseisen, um das nächste Abenteuer in Berlin zu suchen.
Pferde brauchen Zuwendung – Foto: h|b
East Side Gallery Reloaded

Der neue farbenfrohe „Jim Avignon“ an der East Side Gallery – Foto: h|b
Die East Side Gallery wird von ihren künstlerischen Erschaffern gern schon mal zu einem der wichtigsten Weltwunder hochstilisiert, dabei ist es lediglich eine Hinterlandmauer, auf denen sich viele internationale Künstler in der Nachwendezeit 1990 mit großformatigen Bildern verewigten. Das konnte auch nur diese Mauer sein, da die anderen Mauern meist schon bunt verziert waren und dadurch in kürzester Zeit den Mauerspechten zum Opfer fielen. Die so entstandenen Bilder „dürfen“ eigentlich nur restauriert werden, sollte der Zahn der Zeit zu sehr an ihnen genagt haben. Das ist auch bereits mehrfach geschehen.
Schattenmann

Da die Sonne jetzt immer früher untergeht, steht sie auch sehr früh, sehr tief und ich kann kaum Bilder machen, ohne selbst auf dem Foto als Schatten zu erscheinen. Aber man kann ja auch das Problem zur Lösung machen und so entstand die kleine Serie „Schattenmann“. Neben mir sollte es noch grafische Elemente geben, um die Schattensituation noch stärker zu unterstreichen.

Im ersten Bild sind das die rostenden Stangen an der Bernauer Straße, die den ehemaligen Mauerverlauf symbolisieren und hier sehr schön verjüngend aus dem Bild laufen. Das zweite Bild entstand im Inneren der Versöhnungskirche, auch ein Teil der Mauergedenkstätte, deren Außenwand aus Holzlatten besteht und so der Sonne Gelegenheit gibt die Streifen zu malen, in denen ich mich verstecken kann. Das letzte Bild ist mit künstlichem Licht entstanden, daher auch der exakt abgegrenzte Schatten. Im Rahmen des Festival of Lights werfen starke Strahler die Muster auf den Potsdamer Platz und wer vor dem Strahler steht ist einfach Teil des Kunstwerks.

Herbstwirbel
Der Herbst im Wirbel der Farben – Foto: hb
Aus langweiligen Blättern auf der Erde lässt sich mit einem kleinen Dreh noch ein interessantes Motiv herzaubern. Die Blende zu, dadurch eine etwas längere Belichtungszeit und während des Auslösens möglichst ohne zu verziehen, die Kamera leicht um die eigene Achse drehen. Ein Element des Bildes sollte scharf abgebildet werden, da sonst das Foto nur als unscharf wahrgenommen wird. Ein wenig Farbsättigung hinzu und schon hat man ein schönes „indian summer“ Foto.
Daten: Olympus E PL-3 mit Festbrennweite 17mm (34mm/Kleinbild) Blende 5.6, 1/20 Sekunde, ISO 200.







