East Side Gallery Reloaded

Jim Avignon, East Side Gallery
Der neue farbenfrohe „Jim Avignon“ an der East Side Gallery – Foto: h|b
Die East Side Gallery wird von ihren künstlerischen Erschaffern gern schon mal zu einem der wichtigsten Weltwunder hochstilisiert, dabei ist es lediglich eine Hinterlandmauer, auf denen sich viele internationale Künstler in der Nachwendezeit 1990 mit großformatigen Bildern verewigten. Das konnte auch nur diese Mauer sein, da die anderen Mauern meist schon bunt verziert waren und dadurch in kürzester Zeit den Mauerspechten zum Opfer fielen. Die so entstandenen Bilder „dürfen“ eigentlich nur restauriert werden, sollte der Zahn der Zeit zu sehr an ihnen genagt haben. Das ist auch bereits mehrfach geschehen.

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Schattenmann

Schattenmann #1
Da die Sonne jetzt immer früher untergeht, steht sie auch sehr früh, sehr tief und ich kann kaum Bilder machen, ohne selbst auf dem Foto als Schatten zu erscheinen. Aber man kann ja auch das Problem zur Lösung machen und so entstand die kleine Serie „Schattenmann“. Neben mir sollte es noch grafische Elemente geben, um die Schattensituation noch stärker zu unterstreichen.
Schattenmann #2
Im ersten Bild sind das die rostenden Stangen an der Bernauer Straße, die den ehemaligen Mauerverlauf symbolisieren und hier sehr schön verjüngend aus dem Bild laufen. Das zweite Bild entstand im Inneren der Versöhnungskirche, auch ein Teil der Mauergedenkstätte, deren Außenwand aus Holzlatten besteht und so der Sonne Gelegenheit gibt die Streifen zu malen, in denen ich mich verstecken kann. Das letzte Bild ist mit künstlichem Licht entstanden, daher auch der exakt abgegrenzte Schatten. Im Rahmen des Festival of Lights werfen starke Strahler die Muster auf den Potsdamer Platz und wer vor dem Strahler steht ist einfach Teil des Kunstwerks.
Schattenmann #3

Herbstwirbel

Der Herbst im Wirbel der Farben - Foto: hb Der Herbst im Wirbel der Farben – Foto: hb

Aus langweiligen Blättern auf der Erde lässt sich mit einem kleinen Dreh noch ein interessantes Motiv herzaubern. Die Blende zu, dadurch eine etwas längere Belichtungszeit und während des Auslösens möglichst ohne zu verziehen, die Kamera leicht um die eigene Achse drehen. Ein Element des Bildes sollte scharf abgebildet werden, da sonst das Foto nur als unscharf wahrgenommen wird. Ein wenig Farbsättigung hinzu und schon hat man ein schönes „indian summer“ Foto.
Daten: Olympus E PL-3 mit Festbrennweite 17mm (34mm/Kleinbild) Blende 5.6, 1/20 Sekunde, ISO 200.

Demonstrare!

Viele bunte Fähnchen für Verschwörungstheoretiker - Foto: h|b
Viele bunte Fähnchen für Verschwörungstheoretiker – Foto: h|b

Vom Kanzleramt kommend sieht man zuerst eine Wiese voller kleiner, bunter Fähnchen. Sieht schön aus in der klaren Herbstluft vor den herbstlich verfärbten Bäumen, aber was ist das? Ein Kindergeburtstag bei dem die Gäste fehlen? Beim Näherkommen sehe ich, dass es Flaggen von Ländern sind. Europäische und Weltweit. Dahinter eine Plakatwand die auf eine Organisation hinweist, die unter staatenlos.info im Internet zu finden sein soll. Diese Domain ist allerdings gesperrt. Wenn ich es richtig verstanden habe, sind da wilde Verschwörungstheoretiker am Werk, die alle Deutschen für staatenlos halten, da die Voraussetzungen für einen deutschen Staat nie geschaffen wurden. Weiter bin ich nicht gekommen, danach wurde es mir zu obskur. Weiterlesen „Demonstrare!“

34 Millimeter

Herbstliches Farbenspiel - Foto: h|b
Herbstliches Farbenspiel – Foto: h|b

Das letzte Mal als ich einen Fotoapparat mit einer festen Brennweite genutzt habe, muss schon eine ganze Weile her sein, irgendwann in den 80ern würde ich sagen. Für meine analoge Olympus hatte ich ein 50er, ein 35er und ein 28er. Das 50er am lichtstärksten, mit einer 1,4er Offenblende. Mit der digitalen Kamera Anfang 2000 hielten auch die Zooms Einzug. Ein 14-54 und ein 50-200 – da Olympus mit dem Fourthirds-System einen Cropfaktor von 2 hat, muss man die Brennweiten mit 2 multiplizieren – reichten für alle Gelegenheiten aus.
Fotografieren heute - Foto: h|b
Fotografieren heute – Foto: h|b

Mit dem Olympus mFT-System rückten die festen Brennweiten neben den Zooms wieder stärker in den Fokus der Entwicklung. Durch den Wegfall des Spiegels sind andere Auflagenmaße möglich, was die Entwicklung spezieller Objektive reizvoll macht. So ganz genau weiß ich nicht, wieso man Festbrennweiten einem Zoom vorziehen sollte, verliert man doch den Vorteil von jedem Standort den optimalen Ausschnitt wählen zu können. Klar, ein Zoom in einer akzeptablen Preisklasse, hat einen Blendenbereich der viel Licht voraussetzt. Je lichtstärker, desto teurer. Das neue Olympus 12-40 (24-80) mit einer durchgehenden Lichtstärke von 2,8 kostet stolze 1000€.
Herbstliche Farben und Klänge - Foto: h|b
Herbstliche Farben und Klänge – Foto: h|b

Insgesamt also eine gute Gelegenheit mal etwas neues auszuprobieren. Mit der neuen E PL-3 habe ich ja schon abgerüstet, und nun habe ich mir gebraucht ein 17 mm, Blende 2,8 über ebay geshoppt. Das entspricht mit umgerechnet 34 mm Kleinbild der klassischen Linse für Streetfotografie. 34 mm entsprechen in etwa unserem natürlichen Sehverhältnis. Die Kamera wird damit auch noch etwas kleiner und gegenüber dem Kitzoom 14-42 auch ein Stück lichtstärker. Ideal für das fotografieren ohne groß aufzufallen.

Da das Wetter in Berlin heute bedeckt aber trocken ist, bin ich gleich mal los in die freie Wildbahn. Vom Hauptbahnhof laufe ich rüber zum Kanzleramt, wo die Bäume in knalligen Herbstfarben darauf warten auf die Speicherkarte gebannt zu werden. Auf dem Weg zum Alexanderplatz, „Unter den Linden“ entlang, ergeben sich verschiedene Möglichkeiten das Objektiv unter Streetbedingungen zu testen. Da ich mit Begleitung unterwegs bin, muss es auch meist schnell gehen. Der erste Eindruck gefällt mir, das Objektiv hält was es verspricht, Berlin ich komme.

Sysiphusarbeit

20131009-214728.jpgDer Kleber klebt Plakate – Foto: h|b
Wer ab und an durch Friedrichshain läuft, speziell die Gegend um die Warschauerbrücke, wird Laternenmasten sehen, die meterdick von Plakaten ummantelt sind, Stromkästen, die doppelt so tief sind, wie zu ihrer Aufstellung und Mauern gegen die man fallen könnte, ohne sich zu verletzen. Auf den Plakaten wird für alles mögliche geworben, hauptsächlich aber für Partys, Konzerte, neue CDs, Künstler….

Zu bestimmten Zeiten ziehen die Kleber durch den Kiez, zu Fuß oder auf dem Fahrrad, mit Wägelchen und Leiterchen. Aber immer mit einer Menge neuer Plakate, Kleistereimer und dickem Pinsel. Manchmal folgen sie so dicht hintereinander, dass die erste Plakatschicht kaum trocken ist, bevor die nächste Schicht geklebt wird. Was das Ganze bringt, hat sich mir auch noch nicht so recht erschlossen. Ich vermute es gehört zur Kiezfolklore.
20131009-214832.jpgDie BSR sammelt sie wieder ein – Foto – h|b
Aber an und ab ist „Ausmisttag“. Da zieht die BSR durch den Kiez, bewaffnet mit Spachtel und Messern und fetzt alle Plakatschichten der letzten Wochen ab. Von den Mauern, vom Stromkasten, von Laternen- und Ampelmasten. Die versammelte Clubkultur liegt zerfetzt und vermatscht auf der Erde und wartet auf die nachfolgenden Aufräumkommandos. Ab morgen gilt dann wieder: Gott gebe, es klebe.

Ab durch die Mitte

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Wenn ich mit dem Zug von Berlin nach Frankfurt fahre, gehts ja normalerweise ums Eck. Erst fährt der ICE von Berlin aus rund zwei Stunden nach Westen, bevor er hinter Hildesheim abrupt nach Süden abbiegt, die Geschwindigkeit auf 250 km/h erhöht und sich ab dann überwiegend in Tunneln aufhält. Da diese Strecke bei Magdeburg durch Hochwässerschäden aber aktuell gesperrt ist, fahren wir jetzt den mehr oder weniger direkten Weg nach Frankfurt. Leider fällt für mich dabei der Ostbahnhof als Startort weg. Ist sonst sonst sehr praktisch vor der Haustür einsteigen zu können.

Nun muss ich also zum Hauptbahnhof in den kalten Keller, wo der ICE bereitgestellt wird. Immerhin der klassische Einser, somit ist genug Platz. Auch in der ersten Klasse. Nach kurzer Aufwärmphase hält er noch schnell am Südkreuz, bevor er richtig Gas gibt und versucht Brandenburg schnellstmöglich zu durcheilen. Dabei tangiert er Orte wie Bülzig und Zörnigall. Nie gehört. Aber endlich mal was anderes als das große „Nichts“ zwischen Spandau und Wolfsburg. Wir fahren aber auch durch die Klassiker, Lutherstadt Wittenberg, Halle und Bitterfeld, was ich von ’69 ganz anders in Erinnerung hatte, irgendwie …. farbiger und geruchsintensiver, und erreichen dann bei Naumburg/Saale das Unstruthtal. Wir sind in Thüringen. Weiterlesen „Ab durch die Mitte“

Spiegellos

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Olympus, meine seit Jahren präferierte Marke, wenn es ums fotografieren geht, zieht aktuell übers Land, um ihr neues Flagschiff die OM-D E-M1 zu promoten. Heute war Berlin dran. Im industriellen Ambiente des Wasserwerks am Hohenzollerndamm konnten die Oly-Fan-Boys and Girls die OM-D ausgiebig testen, selbst in die Hand nehmen, eigene Objektive dranschrauben und an vier aufgebauten Stationen ihre Fähigkeiten bewundern. Natürlich bei Bedarf auch vorbestellen, beim Partnerstand von Foto-Erhardt.

Sie ist etwas größer als die E M5 und hat einen hellen und großen Sucher. Das dürfte locker Vollformatniveau haben. Aber … es ist ein elektronischer Sucher. Der ist aber inzwischen so gut, dass man nichts wirklich vermisst. Im Gegenteil, er ist nicht nur der Blick nach draussen, sondern ein Computerdisplay mit allen Möglichkeiten.

Für mich ist sie noch etwas oversized, vor allen Dingen im aktuellen Preisgefüge. Vielleicht erstmal die M5 zu Weihnachten, als Einstieg ins mFT Segment. Mit meiner kleinen E PL-3, meiner aktuellen „immerdabei“ bin ich ja schon fleissig am üben. Aber ich denke auch, dass die Zukunft den spiegellosen Kameras gehört. Zuviel spricht dafür und Olympus setzt hier klar die Trends.

Werbung total

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Die untere S-Bahn Station der Friedrichstraße ist häufig Schauplatz für konsequente Werbung. Jedes Stück Wand, jeder Pfeiler ist vollgepflastert mit aufeinander abgestimmten Werbeplakaten. Als ich heute nachmittag dort ausgestiegen bin, hat mich die volle Bluse des GTA-Groupies fast erschlagen. Jeder Quadratmeter der Station zeigt die Konterfeis des aktuellen Spielehits „Grand theft auto“. Ein „Open World Game“ wo man als Gangster Karriere machen kann, Foltern inklusive. Ob die Bahn weiß, wofür sie da werben lässt. Billig ist das sicher nicht.

Treppauf, Treppab

Jeden Dienstag, nach Büroschluss, führt mich mein Weg in den Rudolfkiez in Friedrichshain. In einem Backsteinloft am Ende der U-Bahn Abstellanlage der U 1 befindet sich ganz oben unter dem Dach das „Expert-Training“. Früher hieß es mal „Kieser-Training“, aber man hat sich irgendwie verkracht. Eine Weile war auch die Abbuchung der Mitgliedsbeiträge etwas chaotisch, der frühere Franchisenehmer hatte angeblich was damit zu tun, aber zwischenzeitlich funktioniert wieder alles.

Treppab

Jeden Dienstag, es ist wichtig es regelmäßig zu tun, ersteige ich beschwingt die Treppe in der Rudolfstraße, und hole mir am Tresen meinen Spindschlüssel ab. Im Gegensatz zum klassischen Fitnesscenter ist es ruhig und entspannt. Einzelne Männer und Frauen sitzen an den verschiedenen Geräten und ziehen, stoßen oder drücken 90 Sekunden lang ihre Gewichte. Ich ziehe mich um, starte im iPhone die Kieser APP und beginne mit dem Training. 10 Stationen, jeweils 12 Wiederholungen, rund 30 Minuten lang, schön langsam. Muskelaufbau. Irgendwann habe ich mal ausgerechnet was ich pro Training an Gewichten bewege. War ne ganze Menge.

Treppauf

Jeden Dienstag, auch wenn ich mich manchmal motivieren muss, tausche ich, ungefähr 40 Minuten nach Trainingsbeginn, wieder Schlüssel gegen Mitgliedskarte und trolle mich von dannen. Meine Muskeln fühlen sich gut an, ich kann wieder aufrechter gehen. Muss mich nicht so hängen lassen. Das Grundprinzip dieses Trainings ist es ja die Muskulatur zu stärken, die dann, solcherart gestärkt, den Rücken unterstützt. An der Treppe zur U-Bahn-Station Warschauer Straße merke ich zwar meine Beinmuskeln, aber ich komme ohne zu japsen oben an. Der Weg nach Hause vergeht fast wie im Trance, dann wartet die Couch.

Nächsten Dienstag warten sie wieder auf mich. Erst die Treppen. Dann die Gewichte. Dann die Couch. Dienstag, ein fixer Punkt im Ablauf der Gezeiten.