Ekschperte am Werk

Die Treppe zu "Expert Training" in Friedrichshain - Foto: h|b Die Treppe zu „Expert Training“ in Friedrichshain – Foto: h|b

Wie oft bin ich diese Treppe in den letzten Jahren hoch und runter gelaufen. Hoch, schleppend, noch von der Mühsal der Arbeit beladen, hinunter, beschwingt, muskelgestählt nach 30 Minuten Training. Vorbei. Als letzte Woche ein Kommentar in meinem Blog erschien, der mich als „Expert-Nutzer“ zum „Betroffenen“ machte, war ich leicht verwirrt. Warum sollte ich – und von was – betroffen sein? Ein Austausch über das Training? Bessere Vernetzung der Trainierenden? Heute bin ich schlauer.

Nach einem längeren Urlaub wollte ich heute Abend endlich wieder meine Muskeln auf Vordermann bringen. Ausnahmsweise beschwingt will ich die Tür zum „Expert Training“ öffnen, um die Treppe zu ersteigen, rumms. Aua. Zu. Häh!?!? Aha, ein neues Schloss über der Tür und jede Menge Din A 4 Zettel mit einer E-Mail Adresse für Betroffene. Auf einem Zettel beschwert sich eine ehemalige Angestellte, dass man sie bitte nicht anrufen soll, sie wüsste auch nichts. Ein „offizieller“ Zettel fantasiert etwas von einer „Havarie“ im Gebäude, wegen der man bis Mitte Juni schließen müsse.

Wahrscheinlicher ist allerdings eine Havarie des Franchisenehmers, der die Kunden jetzt blöd im Regen stehen lässt. Es gibt ja verschiedene Bezahlmodelle und wer noch vor kurzem einen 2-Jahresvertrag abgeschlossen und dafür vorab rund 700€ bezahlt hat, dürfte leichte Verzweiflung spüren. Ich hatte meinen Vertrag bereits zum August gekündigt, verliere also höchstens 2 Monate. Auch ärgerlich, aber verschmerzbar. Ob Firma und Konto noch existieren ist unklar. Bei Google schrieb jemand, das es keinen entsprechenden Handelsregistereintrag mehr gäbe.

So oder so, eine Ära geht zu Ende. Mal sehen was ich künftig machen werde. Die Idee finde ich ja nach wie vor nicht schlecht, auch wenn vermutlich mit ausreichendem Training zu Hause, eine ähnliche Wirkung erzielt werden kann. Vorausgesetzt, man macht es regelmäßig.

Das große Sterben

Verdun
Am Ende bleiben Kreuze – Foto:h|b

Gestern vor einhundert Jahren veränderte ein Doppelmord in Sarajevo die Geschichte der Welt. Vier furchtbare Jahren später waren 20.000.000 Menschen tot. Als ich vor vier Wochen in Verdun war, versuchte ich mir das Grauen vorzustellen, aber es war schlicht unmöglich. Ordentliche aufgereihte Kreuze in der Morgensonne, grasbewachsene Hügel mit wohlgeformten Dellen, dichte Wälder so weit das Auge reicht.

Hier, wo vor langer Zeit über Monate alles umgepflügt wurde, von Mörsern, Granaten. Die Menschen unter sich begrabend, immer und immer wieder. Solange bis nur noch Knochen übrig waren. Diese kann man sich heute noch im Beinhaus von Beaumont ansehen. Aber auch das ist völlig abstrakt. In einer rundherum normalen Welt. Aber was ist schon normal.

Urbane Wiedereingliederung

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Nach einer längeren Auszeit als Reisender ohne festes Ziel, jede Nacht unter einem anderen Sternenzelt, immer den Blick auf das weite Meer, fällt mir die Wiedereingliederung in die Millionenstadt Berlin gar nicht so leicht. Zuerst sind schon die vielen Menschen leicht befremdlich, haben wir doch in unserem Urlaub die größeren Ansiedlungen in der Regel gemieden. Einsame Strände, leere Campinggrounds, kleine Küstendörfchen waren unsere bevorzugten Locations. Jetzt bewege ich mich durch Häuserschluchten, nutze wieder städtische Infrastruktur und….. muss wieder arbeiten. Okay, das ist wichtig. Nur so ist die nächste Auszeit, das nächste ausbrechen wieder möglich. Aber schwer ist es trotzdem. 

Le Tréport

Le Tréport und Mers-les-Bains

Hoch oben über der Stadt, direkt auf der Klippe befindet sich der Stellplatz für die Wohnmobile. Zwischen Klippenrand und Stellplatz ist nur die Straße und ein kleiner, grüner Rasenabschnitt. Dahinter geht es rund 100 Meter in die Tiefe. Aber keine Gefahr, wir stehen sicher. Um es den Bewohnern der Stadt etwas zu erleichtern, hat man direkt in die Klippen einen „Fahrstuhl“ eingebaut, die „Tréport Terasse“. Dieser erspart einem immerhin 350 Treppenstufen nach oben steigen zu müssen.

Le Tréport ist ein nettes kleines Hafenstädtchen und liegt auf der Südseite des Hafens. Mers-les-Bains liegt direkt auf der anderen Seite, mit großem Strand und einer langen Promenade und bunten Holzhäusern in einer Art Bäderarchitektur. Auch hier wird noch wie verrückt geputzt und gewienert, denn in knapp 14 Tagen beginnen in Frankreich die zweimonatigen Sommerferien. Dann bricht hier, wie in vielen anderen Orten wo wir die letzten drei Wochen waren, der Sommerwahnsinn aus. Alle Franzosen stürmen dann die Küsten und jedes Zimmer und jeder Stellplatz wird dann belegt sein.

Ein guter Grund für uns hier langsam die Zelte abzubrechen. Morgen fahren wir die letzte Etappe nach Boulogne-sur-mer, sagen dem Ärmelkanal „Atschöö“ und begeben uns auf den langen Rücksturz nach Hause. Nach Deutschland. Nach Berlin. Merci Frankreich, war „très bien“ bei dir.

Étretat

Der Elefant trinkt Wasser

Heute morgen sind wir bei Le Havre über die „Pont de Normandie“ gefahren, eine gigantische Brücke mit zwei riesigen Pylonen und mächtigen Drahtseilen, die hier die Seine überspannt. Damit haben wir das letzte Teilstück unserer Tour erreicht. Weit sind wir danach nicht mehr gefahren, denn wir wollen ja die weißen Felsen von Étretat besuchen. Der, den wir hier auf dem Bild sehen, hat den Namen „Porte d’Aval“ und sieht, mit etwas Fantasie, aus wie ein Elefant, der mit seinem Rüssel Wasser trinkt. Die Felsnadel daneben nennt sich „Aguille“. Étretat ist ein netter, kleiner Küstenort, der sich, eingerahmt von den berühmten Felsen, zum Ärmelkanal öffnet. Auf jeden Fall ein Besuch wert.

Honfleur

Heute Nachmittag haben wir nach fünf Tagen den Bereich der Landungsstrände in der Normandie mit vielen persönlichen Eindrücken verlassen. Wir haben viele Mahn- und Denkmäler gesehen, Museen besucht, anrührende Filme angeschaut, und trotzdem ist das alles nicht wirklich fassbar. Was letztendlich bleibt sind Kreuze. Daher ohne weitere Worte, drei Bilder von Friedhöfen der Gefallenen. In der Reihenfolge: Amerika – Colleville-sur-mer – 9387 Gräber, England – Douvres-La-Délivrande – 1123 Gräber und Deutschland – La Cambe – 21 222 Gräber. Ruht in Frieden.

Amerikanischer Soldatenfriedhof in der Normandie

Britischer Soldatenfriedhof in der Normandie

Deutscher Soldatenfriedhof in der Normandie

Vierville-sur-mer (Omaha Beach, Normandie)

John Steel am Kirchturm von Saint-Mére-Eglise
John Steel am Kirchturm von Saint-Mére-Eglise – Foto:h|b

Heute sind wir an den Landungsstränden der Alliierten in der Normandie angekommen. Da der Jahrestag erst eine Woche zurückliegt und weitere Feiern noch den ganzen Juni über stattfinden, ist hier alles bunt geschmückt. Aus den Häusern hängen die Fahnen der Befreier, die Straßen sind überspannt mit kleinen Fähnchen, selbst die Schaufenster sind mit entsprechenden Motiven bemalt. Die Normandie ist voll im D-Day-Fieber. Viele Amerikaner sind unterwegs, besuchen ihre „Memorials“, ihre Friedhöfe und die vielen Museen entlang der Küste.

Fast jede Waffengattung hat irgendwo ein speziell für sie aufgestelltes Denkmal, zur Zeit alle mit Blumengebinden und Gedenkschleifen verziert. Das beste Museum bisher, steht in Sainte-Mére-Eglise. Dieser Ort erlangte Berühmtheit, weil hier ein Fallschirmspringer der Luftlandedivisionen mit Namen John Steele am Kirchturm hängenblieb. Diese Szene findet auch im Film „Der längste Tag“, u.a. mit John Wayne, seine Verwendung. Der damalige Bürgermeister der Stadt setzte sich für das Gedenken ein und daher ist hier das Museum der Luftlandetruppen beheimatet, ein sehr gut umgesetztes Museum. Hat mir gut gefallen.

Omaha Beach in der Abendsonne
Selfie vor Omaha Beach in der Abendsonne – Foto: h|b

Anschließend besuchen wir noch Utah Beach am Strand von „La Madeleine“, auch hier wieder Memorials und ein Museum und zum Abschluss des heutigen Tages fahren wir zum riesigen deutschen Soldatenfriedhof bei „La Cambe“. Das reicht uns dann auch als Geschichtslektion für einen Tag und wir beenden Tag 1 der „Operation Overlord“ auf einem Campingplatz in Vierville-sur-mer, auf Klippen direkt oberhalb des Omaha Beach. Uns bleibt nur ein „Danke“ an die vielen Freiwilligen, die das Andenken bewahren und ein hoffnungsvoller Ruf: „Nie wieder Krieg!“ Aber das bleibt wohl auch in Zukunft auf der Welt lediglich ein frommer Wunsch. Vielleicht wenigstens in Europa.

Cap de la Hague

Hague, de Maulwurfn hier, de große Phare steht direkt vor uns mitten im Meer. Im Sonnenuntergang. Ohne de Baabe. Ganz alleine, arme Phare 🙂

Kaum haben wir die Bretagne verlassen, haben wir auch schon die ganze Südküste der Normandie von Granville, über Barneville-Carteret und der französischen Wiederaufarbeitungsanlage, bis zum Cap de la Hague abgefahren. Im Gegensatz zur Bretagne ist dieser ganze Abschnitt eher Strandtauglich und daher folgen die Badeorte dicht hintereinander. Da aber noch keine Sommerferien in Frankreich sind, ist es hier eher Vorsaison. Extreme Vorsaison. Obwohl es ja in gut 2 Wochen losgeht. Überall wird noch geputzt, der Rasen gemäht, die Straßen ausgebessert und die Restaurants werden auf Vordermann gebracht. Für frühe Touristen wie uns ist man noch nicht so recht eingerichtet. Das macht es einfacher, eher alles so „en Passant“ mitzunehmen. Leuchttürme gibt es ja auch hier genug, so dass sie inzwischen bereits für 2 Jahreskalender reichen. Schöne Exemplare dabei. Ab morgen beginnt nun die „Operation Overlord“, wir besuchen die Strände des D-Day.

Mont St-Michel

Der Mont St-Michel in der Normandie

Heute Mittag haben wir die Bretagne verlassen und sind hinüber in die Normandie gewechselt. Dort steht gleich ein architektonischer Höhepunkt an, den tausende Menschen täglich besuchen. Der Mont St-Michel. Als Hotspot ein Muss. Daher reihen wir uns in die Mengen ein und steigen einmal bis ganz nach oben empor. Treppenstufe um Treppenstufe geht es hinauf, bis der Blick weit bis zum Horizont reicht. Viel Sand drumherum, und ganz hinten irgendwo … das Meer.