Herzenssache

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Während die schweren Stiefel durch den trockenen Schnee knirschen, schieben sich nebenan in der Spree glitzernde Eisplatten in der Wintersonne langsam übereinander. Ein wunderschöner Tag zum flanieren. Noch ein paar Tage strenger Frost und die Spree wäre wieder mal komplett vereist. Aber diese Woche steht eine kleine aber entscheidende Wetteränderung an: 20 Grad mehr als heute. Klingt zwar nach Frühling, bedeutet aber nur 9 Grad plus, nach aktuell 11 Grad minus. In Sachsen waren es letzte Nacht sagenhafte 21 Grad minus. Der Winter hat Deutschland immer noch fest im Griff, wenn auch mit kleinen Unterbrechungen.

Die Luftballons in Herzform am Ufer ließen uns etwas rätseln. Ein winterlicher Hochzeitsantrag? Ein romantisches Teté a Teté? Ein paar der Ballons hatten schon ihre Form eingebüßt, aber der Großteil wehte tapfer im eisigen Wind.

Hart im Nehmen

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Während ich mich jeden Morgen bibbernd aus dem Haus quäle, sind die taffen Berliner unverzagt immer noch auf ihren Rädern unterwegs. In der Strassenbahn M10 ist es halbwegs warm und trocken, auch wenn nach meinem Empfinden die Tür zu oft aufgeht. Aber es wollen ja auch noch andere Leute ein- und wieder aussteigen, da will ich mal nicht so sein. Die öffentlichen Verkehrsmittel füllen sich zusätzlich im Laufe ihres Arbeitstages nach und nach mit dem Split, den die Fahrgäste – neben Schneeresten – an ihren Schuhen kleben haben. Winter: Eine bescheuerte Jahreszeit die abgeschafft gehört. Wie war das mit der Klimaerwärmung, oder, na gut, auswandern wäre auch eine Alternative. Mal sehen was zuerst kommt.

Down by the beach

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Wenn ich jetzt morgens früh – noch schlaftrunken – an der Endstation aus der Straßenbahn falle, oder – nachdem ich mal zur Abwechslung – die Stufen der S-Bahn am Nordbahnhof schnaufend erklommen habe, sehe ich immer zuerst diesen riesigen Schriftzug.

Im Winter ist er natürlich nur ein Versprechen. An eine Zeit, die hoffentlich bald wieder kommt und auf die alle Berliner warten wie Verdurstende. Aber sie kommt, ganz sicher. Dann muss ich zum Mittagessen nicht mehr in die volle Kantine, sondern kann mich draussen, direkt gegenüber meiner Arbeitsstelle, bei einem alkoholfreien Daiquiri und dem Anblick knapp bekleideter Sportlerinnen kurz entspannen. Freu ick mir schon druff.

Crossing Borders

Menschen vor Stäben
Eine aktuelle Grenze als Foto auf einer ehemaligen Grenzanlage – Foto: h|b

Die Rückseite der East Side Gallery ist inzwischen sehr bunt geworden und steht an manchen Stellen der künstlerischen Vorderseite in nichts nach. Sie ist nur vergänglicher, da sie regelmäßig geweißt wird. Zumindest wurde sie das bisher. Am oberen Ende, zur Oberbaumbrücke hin, hat dort jemand ein Riesenbild aufgeklebt, was die mexikanisch/amerikanische Grenze aus mexikanischer Sicht zeigt. Sie ist sichtlich durchlässiger als ihr Pendant auf das sie geklebt ist, aber nicht weniger martialisch bewacht. Wenn man das drumrum ausblendet, ist das Gefühl, vor dem „gelobten Land“ zu stehen recht ausgeprägt. Nur rein kommt man auch sicher durch die Stangen nicht.

Parallelität

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Das ist das wichtigste Prinzip der abgebildeten Linien. Ohne die Einhaltung dieser Eigenschaft, wäre die Aufgabe zu der sie existieren nicht zu erfüllen. Die beiden äußeren Linien dienen nebenbei zur Beförderung von Millionen von Menschen jeden Tag von A nach B, oder von C nach D, gern auch wieder zurück. Die kleinere innere Linie hilft dabei diese Beförderung maximal zu beschleunigen. Der Vorsitzende des „Vereins“ in dessen Besitz sich diese Linien befinden, redet oft vom „Brot und Buttergeschäft“ wenn er darauf Bezug nimmt. Na, wer weiß welche Linien hier zu sehen sind? Das Prinzip dieser Linien funktioniert im übrigen bereits seit mehr als 175 Jahren.

Das kleine Schwarze

Verwischte Menschen vor Bildern einer Ausstellung
Allen Models ist eins gemein, sie tragen das zeitlose „kleine Schwarze“ von Chanel – Foto: h|b

Wer es sich leisten will, muss es sich leisten können. Es ist definitiv kein Schnäppchen, zumindest nicht für Otto Normalverdiener. Andererseits sieht es sehr zeitlos aus und man kann es zu allem tragen. Das kann man auf den vielen Bildern bekannter Models und anderer Prominenten aus Film und Wirtschaft noch bis zum 14. Dezember in Berlin bestaunen. Im schummrigen Ambiente des Geister-U-Bahn-Tunnels am Potsdamer Platz hat Modemeister Karl Lagerfeld seine Idee vom „Little Black Jacket“ in Bilder gegossen und daraus eine Ausstellung gemacht. Das Dunkle und Stille erinnert fast an einen Andachtsraum und passt daher durchaus zum unerreichbaren Produkt, kreiert von Coco Chanel in den 50er Jahren, mit dem Anspruch: „Frauen sollten stets in der Lage sein, im Laufen einen Bus zu erreichen.“ Die „kleine Schwarze“ ist kurz, meist kragenlos, mit Seide gefüttert und durch dünne Ketten im Saum beschwert. So fällt sie perfekt und ist bequem wie eine Strickjacke. Ach ja, der Preis. Was genaues findet man im Internet nicht, aber im Laden soll sie wohl um die 3000 Euro kosten. Eine kleine, kurze, schwarze Jacke.

Goldener Herbst

Herbstlicher Wald spiegelt sich in einem See
Herbstwald im Spiegel des Schlachtensees – Foto: h|b

Heute stand wieder die Schlachtenseerunde auf unserem Plan. Konnten wir vor 14 Tagen fast noch im T-Shirt laufen, so war heute schon Fleece und Schal angebracht. Standen doch heute morgen grad mal knapp über null Grad auf dem Thermometer. Bei dem schönen Herbstwetter war der Rundweg  heuer gut besucht, an engen Stellen mussten Jogger, Radfahrer, Hunde und Spaziergänger sich den Durchgang fast erkämpfen. Auch an der Fischerhütte waren die Plätze gut besetzt und die Schlange an der Essens- und Getränkeausgabe nahm kein Ende. Sogar Wespen (was machen die eigentlich noch um diese Jahreszeit?) stürzten sich in Scharen auf die Menschen und die Kuchenreste. Ein schöner Herbsttag dem laut Wetterprognose noch ein paar folgen sollen.

Ach ja, herzlichen Glückwunsch Berlin, du bist heute 775 Jahre geworden. Erzählt man sich so 😉

Schreckliche Aussichten

Des Lebens müde

Ein Pandabär beim Fressen
Mein Besuch im Berliner Zoo im Jahr 2008 brachte mich auch zu Bao Bao – Foto: h|b

Heute morgen verstarb mit 34 Jahren der einzige noch lebende Großpanda in einem deutschen Zoo in Berlin. Seit 28 Jahren war er mehr oder weniger allein in seinem Glaskäfig, da er sich nicht recht mit Weibchen seiner Art vertrug. Vielleicht wollte er nun einfach seine Ruhe haben. Ich wünsche dir viele leckere Bambusspitzen da wo du jetzt bist.

„Weine nicht, weil es vorbei ist, sondern lächle, weil es schön war“ (Alte chinesische Weisheit)