Schreckliche Aussichten

Als ein Scheppern und Rasseln einsetzte und laute Stimmen an der Querseite des Brandenburger Tores zu hören waren, schnappten die zahlreich anwesenden Pressefotografen ihre Kameras fester und konzentrierten sich auf die Ankunft des Folterwagens mit Pestopfer, Weißer Frau und Folterknecht. Diese drei waren laut ihrer Ausrufe auf der Suche nach einem „langen, grauen Alex“.Von den herumstehenden Touristen, wollten sie unter Androhung von Folter, wie dem Einsatz der Zungenzange, wissen, wo sie diesen Alex denn finden würden. Dabei wedelten sie mit einem Stadtplan herum, der am äußeren Einband schon erkennen ließ, um was es hier eigentlich ging: Eine Promotion für das „Berlin Dungeon„. Neben Hamburg wird im Frühjahr 2013 in Berlin auf rund 2500 qm, zwischen Hackeschem Markt und Alexanderplatz, eine zweite Dependance in Deutschland eröffnet. Merlin Entertainment, die bereits das Sea-Life, Madame Tussaud und das Legoland in Berlin betreiben, schaffen mit dem Dungeon eine weitere Touristenattraktion.

Denn es ist ja nicht einfach nur ein weiteres Gruselkabinett was hier entsteht, sondern es soll den Besuchern „700 Jahre der dunkelsten Berliner Geschichte“ nahebringen. Dazu gehören z.B. die „Weiße Frau“ die im Stadtschloss gespukt haben soll und der Massenmörder Carl Großmann, der vielleicht für den Tod von hundert Mädchen Anfang des letzten Jahrhunderts verantwortlich war. Ich hätte da auch noch ein paar Ideen, um die man die Attraktion möglicherweise erweitern könnte:

  • Regelmäßige Durchsagen, wie „Willkommen am internationalen Berliner Flughafen Willy-Brandt“ mit sofort danach einsetzendem infernalischem Gelächter, würde die Besucher bestimmt irre erschrecken.
  • Der ehemalige Berliner Finanzsenator Sarrazin könnte als Räuber verkleidet, versuchen den Besuchern die Geldbörse, oder wahlweise das letzte Hemd zu klauen und dabei aus seinem Buch rezitieren.
  • In der Partyzone wäre dann noch Klaus Wowereit in einer Dauerschleife dabei, Sekt aus einem roten Damenschuh zu trinken und vor sich hin zu murmeln „Ich habe das doch alles nicht gewusst“.
  • Am Ausgang würde Heinz Buschkowsky die Besucher eindringlich und mit verzerrtem Gesicht vor falscher Rücksichtnahme auf finstere Gesellen warnen, die sich einfach nicht im Dungeon integrieren wollen.

Stell ich mir ganz lustig vor. Wahrscheinlich wird es aber total langweilig und nur ein paar ehemalige Piratenvorstände bespritzen die Besucher mit Liquid Democrazy und erschrecken unverkleidet und mit Birkenstocksandalen an den Füßen kleine Kinder mit der Grusel-App auf ihren Smartphones.

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