November Rain

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Mein Timehop von vor drei Jahren zeigt mir ein Instagramfoto von der Warschauer Brücke mit dem ersten Schnee und ein Screenshot der Wetterapp mit prognostizierten Temperaturen von bis zu -8 Grad. Aus der Sicht gesehen, macht mir aktuell das bisschen Novemberregen bei fast angenehmen Plusgraden gar nichts aus. Im Gegenteil, lädt es doch geradezu ein, ein paar Fotos mit Lichtspielereien auf nassen, sich spiegelnden Flächen zu schießen. Da es inzwischen auch dunkel ist, wenn ich auf dem Weg nach Hause bin, sieht das gleich noch schöner aus. Die Kamera setze ich dabei auf eine längere Belichtungszeit, suche mir einen Laternenmast als stabilen Halt und schon kann ich locker ein paar Sekunden belichten. In diesem Sinne: „It’s raining man, hallelujah…“

Vogel-Flug-Linie

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Ich denke diese drei Begriffe, die ja auch an anderer Stelle gemeinsam existieren, beschreiben das Bild ganz gut. Als ich morgens zur Straßenbahn gelaufen bin, kreisten die Krähen über der Oberleitung und ließen sich immer wieder für kurze Zeit nieder. Dahinter die pittoresken rosa Wölkchen und als ich mir das Bild später anschaute, war sogar noch ein Flugzeug darauf zu erkennen, dem die Krähe sehnsuchtsvoll hinterherschaut. Tut sie doch, oder?

Roll, Roll

Die rollenden KofferDie rollenden Koffer

Bereits die Blechbüchsenarmee der Augsburger Puppenkiste wusste die Vorteile des Rollens zu schätzen, kam sie doch auf diese Weise schnell und mühelos den Berg hinab. Trotzdem dauerte es noch ein ganzes Weilchen bis sich dieses Prinzip auch bei den Koffern durchsetzte. Erst ein Pilot in den 80er Jahren hatte die zündende Idee und montierte zwei Rollen direkt an den Koffer. Ein ausziehbarer Griff ermöglichte das einfache hinterherziehen dieses Koffers.

Er war nicht der Erste der die Idee hatte, Rollen gab es schon länger, aber bis dahin zog man die Koffer umständlich an einem Gurt hinter sich her. Das war wenig attraktiv und es wollte auch kein Händler verkaufen. Früher war es durchaus auch noch üblich Träger zu beschäftigen, die einem die Koffer hinterhertrugen. Das war auch gleichzeitig ein sichtbares Statussymbol. Wer sich keine Träger leisten konnte, musste seine Koffer halt selbst tragen. Da das Reisen in den 80er Jahren immer mehr zunahm, Flugreisen wurden erschwinglich, Dienstreisen nahmen zu, setzte sich das Prinzip dann schnell durch und heute kann man sich gar nicht mehr vorstellen, dass es jemals Koffer ohne Rollen gegeben hat. Danke Robert Plath.

Wir denken heute …

Gegen das Vergessen - Foto: h|b
Gegen das Vergessen – Foto: h|b

… an die Opfer von Gewalt und Krieg,
an Kinder, Frauen und Männer aller Völker. (Joachim Gauck)

Sonne für die Ohren

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In der dunklen und zugigen Passage zwischen Karl-Liebknecht-Straße und Alexanderplatz steht der schwarzhaarige Geiger und versucht die vorbeihastenden Einkäufer einen Moment innehalten zu lassen, um zu lauschen, die Musik aufzunehmen. An diesem grauen Samstag streicht er beharrlich ein wenig Sonne für die Ohren in die Luft. Ab und an klingelt es im bereitliegenden Geigenkasten, aber die meisten Menschen hasten eilig vorbei. Keine Zeit.

Mit Luther in den Gulag

Orientierung ist auch in einem Museum wichtig - Foto: h|b
Orientierung ist auch in einem Museum wichtig – Foto: h|b

Am letzten Wochenende haben wir die Gelegenheit beim Schopf ergriffen und sind endlich mal im Deutschen Historischen Museum in Berlin gewesen. Einerseits war das Wetter dafür gut geeignet, grau und regnerisch, andererseits war Museumsfest und der Eintritt daher frei. Wir hatten schon damit gerechnet gar nicht erst hineinzukommen, aber der Besuch war normal, nichts war überlaufen.

Den normalen Museumsbereich haben wir nur durchquert, durch das große Atrium geht es hinüber zum Neubau. Dort findet man aktuell die Sonderausstellungen, die wir uns von unten nach oben angeschaut haben. Im Parterre beginnt es mit der Ausstellung zur Reformation „Leben nach Luther“. Bilder und Exponate zur „Kulturgeschichte des evangelischen Pfarrhauses“, so ist die Ausstellung untertitelt. Portraits von Familien und Situationen im Protestantismus, Hetzplakate der katholischen Kirche zu den lutherischen Neuerungen, sehr interessant. Weiterlesen „Mit Luther in den Gulag“

Singende Balkone

Ursula singt vom BalkonUrsula aus der Gubener Strasse 44

Als ich den Zettel zum ersten Mal an unserer Tür gesehen habe, dachte ich spontan: „Wassn das wieder für ne Schwachsinnsaktion?“. So typisch Berlin, noch typischer Friedrichshain. Es wurden über den Aushang Leute gesucht, die heute Abend von ihrem Balkon ein Ständchen zum Besten geben würden. Egal was. Singer- Songwriter, Acapella, Beat-Boxing, ganz egal. Kurze Zeit später hing ein weiterer Zettel bei uns im Hausflur, der darauf hinwies, das Ursula aus dem dritten Stock mitmacht. Okay. Unsere Nachbarin also. Heute morgen war dann sowohl in der Zeitung als auch auf der Website der Organisatoren Polly & Bob zu lesen, welche Balkone mitmachen. Es sind so viele geworden, dass die Veranstalter drei getrennte Touren organisiert haben, die ab 17 Uhr durch den Kiez ziehen.

Kurz vor 18 Uhr stehen wir vor unserem Haus, mit uns fast die gesamte Hausgemeinschaft. Die Tochter der Sängerin verteilt vom mitgebrachten Tischchen Sekt und Chai-Tee, wir entscheiden uns spontan gegen eine kleine Spende für den Sekt. Mit uns stehen um nach kurzer Zeit noch rund 50 weitere Passanten auf dem Gehweg und schauen gespannt zum illuminierten Balkon, wo Ursula uns mitteilt, das es noch ein paar Minuten dauere, da die Tour gerade auf dem Weg von der Marchlewskistraße sei. Und wirklich, kurze Zeit später stehen rund 200 – 300 Zuschauer vor unserem Haus und lauschen andächtig dem Gesang von Ursula. Nur mit Gitarre und ohne Verstärker. Trotzdem gut zu hören. Nach dem Ende der Darbietung gibt es einen Riesenapplaus und Zugaberufe, aber die Tour ist straff organisiert und muss weiter zu Robin in die Kopernikusstraße, der wartet schon.

Singender Balkon in der KopernikusstraßeDie Jungscombo aus der Kopernikusstraße

Wir beglückwünschen noch schnell die heruntergekommene Künstlerin zu ihrem Mut und der Darbietung und folgen der Crowd über die Warschauer Straße ins Ausgehviertel. Hat fast den Charakter einer spontanen Demonstration gegen Gentrifizierung, viele Familien mit Kindern noch dabei, aber insgesamt ein ganz gemischtes Publikum. Der nächste Balkon arbeitet schon sehr professionell. Zwei Jungs mit Gitarre, Kontrabass und Verstärker geben ein kleines Konzert. Auf der Straße ist nun für die Autos fast kein durchkommen mehr. Hat ein bißchen was von einer aus dem Ruder gelaufenen Facebookveranstaltung. Inzwischen stehen hier sicher 500 Leute und lauschen der Musik. Wie gehabt, nach fünf Liedern zieht die Karawane weiter. Nächstes Jahr nehm ich das mal Ernst und dann schließ ich mich einer der Touren an. Eine Superidee, prima umgesetzt und Chapeau an die Künstler der „Singenden Balkone“.

East Side Gallery Reloaded

Jim Avignon, East Side Gallery
Der neue farbenfrohe „Jim Avignon“ an der East Side Gallery – Foto: h|b
Die East Side Gallery wird von ihren künstlerischen Erschaffern gern schon mal zu einem der wichtigsten Weltwunder hochstilisiert, dabei ist es lediglich eine Hinterlandmauer, auf denen sich viele internationale Künstler in der Nachwendezeit 1990 mit großformatigen Bildern verewigten. Das konnte auch nur diese Mauer sein, da die anderen Mauern meist schon bunt verziert waren und dadurch in kürzester Zeit den Mauerspechten zum Opfer fielen. Die so entstandenen Bilder „dürfen“ eigentlich nur restauriert werden, sollte der Zahn der Zeit zu sehr an ihnen genagt haben. Das ist auch bereits mehrfach geschehen.

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Schattenmann

Schattenmann #1
Da die Sonne jetzt immer früher untergeht, steht sie auch sehr früh, sehr tief und ich kann kaum Bilder machen, ohne selbst auf dem Foto als Schatten zu erscheinen. Aber man kann ja auch das Problem zur Lösung machen und so entstand die kleine Serie „Schattenmann“. Neben mir sollte es noch grafische Elemente geben, um die Schattensituation noch stärker zu unterstreichen.
Schattenmann #2
Im ersten Bild sind das die rostenden Stangen an der Bernauer Straße, die den ehemaligen Mauerverlauf symbolisieren und hier sehr schön verjüngend aus dem Bild laufen. Das zweite Bild entstand im Inneren der Versöhnungskirche, auch ein Teil der Mauergedenkstätte, deren Außenwand aus Holzlatten besteht und so der Sonne Gelegenheit gibt die Streifen zu malen, in denen ich mich verstecken kann. Das letzte Bild ist mit künstlichem Licht entstanden, daher auch der exakt abgegrenzte Schatten. Im Rahmen des Festival of Lights werfen starke Strahler die Muster auf den Potsdamer Platz und wer vor dem Strahler steht ist einfach Teil des Kunstwerks.
Schattenmann #3

Herbstwirbel

Der Herbst im Wirbel der Farben - Foto: hb Der Herbst im Wirbel der Farben – Foto: hb

Aus langweiligen Blättern auf der Erde lässt sich mit einem kleinen Dreh noch ein interessantes Motiv herzaubern. Die Blende zu, dadurch eine etwas längere Belichtungszeit und während des Auslösens möglichst ohne zu verziehen, die Kamera leicht um die eigene Achse drehen. Ein Element des Bildes sollte scharf abgebildet werden, da sonst das Foto nur als unscharf wahrgenommen wird. Ein wenig Farbsättigung hinzu und schon hat man ein schönes „indian summer“ Foto.
Daten: Olympus E PL-3 mit Festbrennweite 17mm (34mm/Kleinbild) Blende 5.6, 1/20 Sekunde, ISO 200.