Wahnsinn, kaum hat Deutschland – fast – den ESC in Schweden gewonnen, es gab mehr als doppelt soviel Punkte für Isaak wie die letzten fünf Jahre zusammen, finden überall Dankesprozessionen statt. Die sogenannten „Schwedenprozessionen“. Zumindest hier in Überlingen. Immerhin hat unser Nachbar gewonnen, die Schwyz. Mit einem sehr schrägen Song. Aber natürlich hat die „Schwedenprozession“ in Überlingen mal gar nichts mit dem ESC zu tun, aber ich finde, es ist ein guter Aufmacher.

„In der ehemals freien Reichsstadt Überlingen werden alljährlich die beiden „historischen Schwedenprozessionen“ begangen.
Diese wurden im 30jährigen Krieg als Dankprozessionen für die Bewahrung der Stadt bei der Belagerung durch schwedische Truppen feierlich gelobt. Am Sonntag den 11. Juli 1632, als die Bürgerschaft vormittags in den Kirchen versammelt war, standen zum ersten Mal schwedische Truppen unter Herzog Bernhard von Weimar vor den Toren der Stadt. Dank der Entschlossenheit und Tatkraft der Bürger gelang es, den Feind zum schnellen Abzug zu zwingen. Die Juli-Prozession ist die Kundgebung der Dankbarkeit für die Rettung 1632.


Die zweite Belagerung erfolgte vom 23. April bis 16. Mai 1634. Verschiedene Versuche des schwedischen Feldmarschalls Gustav Horn, die Bürger zur freiwilligen Übergabe der Stadt zu veranlassen, wurden abgelehnt. Die Überlinger vermochten der Belagerung und der Beschießung der Stadt mit Erfolg stand zu halten.
Neben der Tapferkeit vergaßen die Überlinger in jenen bösen Tagen nicht das Beten um den Beistand des Himmels. Vor dem großen Sturmangriff am 29. April erschien einigen frommen Bürgern am Luzienberg die Gottesmutter, die die Überlinger zum Durchhalten ermahnte. Am 16. Mai musste General Horn mitsamt seinen schwedischen Truppen wieder abziehen.


Wiederum gelobte die Bürgerschaft „für uns und unsere Nachkommen zu ewigen Zeiten geltend, dass wir und unsere Nachkommen den Tag des feindlichen Abzuges alljährlich mit Prozession, Te Deum und anderem Gottesdienst heiligen und feierlich halten und das Bildnis der Jungfrau Maria mit ihrem Kinde in einem Kranz eingeschlossen, silbern herstellen und als Siegeszeichen bei der Prozession umtragen zu lassen.“ (s. Bild oben)
Dieses Gelübde wird gehalten bis zum heutigen Tag mit der Prozession im Mai.„
Soweit die Geschichte die ich der Website der katholischen Gemeinde Überlingen entnommen habe. Da haben sie sich ganz schön was ans Bein gebunden die Überlinger. Seit fast 400 Jahren ziehen sie nun durch die Stadt, begleitet von Kanonenschüssen. Wenn ich richtig gezählt habe, sind es 18 Schüsse während des Rundweges.


Den Anfang bildet ein Hochamt im Münster St. Nikolaus, danach begibt man sich bei trockenem Wetter auf einen Rundweg durch die Stadt mit sechs Altären der „Nachbarschaften“ als Stationen. An den einzelnen Stationen werden zu diesen Ereignissen – teilweise mit Blumenteppichen verzierte – Altäre in den Straßen aufgebaut. Nach gemeinsamem Gebet und der Wandlung erschallen jeweils drei laute Kanonenschüsse, die an die Belagerung durch die Schweden erinnern. (wiki)


Zwei weitere Silberfiguren begleiten ebenfalls die Prozession. Das ist einmal die heilige Anna, die Mutter Marias und damit Großmutter Jesu. Und zum anderen der heilige Sebastian als Schutzherr gegen Krieg, Hunger und Pest. Diese drei Plagen sind ja Gottseidank in unserer Gegend so gut wie ausgestorben und auch die Schweden haben zwischenzeitlich anderes zu tun, als das arme Überlingen zu belagern. Zum Beispiel den ESC 2024 auszutragen, der überschattet wurde von Protestkundgebungen gegen die Teilnehmerin aus Israel wegen des aktuellen Kriegs gegen die Hamas und die Zerstörung Palästinas. Und auch der Krieg in der Ukraine ist immer noch im Bewusstsein. An beiden Stellen würde der „Heilige Sebastian“ sicher gut zu tun haben.


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