Grau ist alle Theorie

Die Langzeitbelichtung dient dazu Bewegungen einzufrieren, oder sichtbar zu machen. Versucht habe ich das schon öfter und je nach Umgebungslicht, war auch das eine oder andere möglich. Schöner wäre es ja, unabhängig von den Lichtverhältnissen agieren zu können.

Dazu braucht man einen Graufilter, der korrekterweise Neutraldichtefilter (ND-Filter) heisst. Die dahinterstehende Zahl, etwa ND 64, oder ND 1000 definieren die „Dichte“ des Filters, also wie stark das einfallende Licht in die Kamera reduziert wird. Diese Zahlen sind auch gleich das Verwirrendste, da es verschiedene Kennzeichnungen gibt. Eine gibt die Neutraldichte an, dann heißen sie ND 1.8 oder ND 2.0, andere Hersteller benennen den Verlängerungsfaktor, also um beim Beispiel der vorderen Ziffern zu bleiben ND 64 oder ND 1000. Ein ND 0.3 oder entsprechend ND 2 verringert den Lichteinfall um 50%, das reicht gerade um eine Blendenstufe zu gewinnen.

Ich habe mich zum Einstieg in das Thema für einen ND 1.8 (64) entschieden. Der lässt noch 1.6% Licht durch und reduziert die Blende gegenüber eines filterlosen Objektives um 6 Blendenstufen. Das sollte für superlange Belichtungszeiten, menschenleere Plätze am helllichten Mittag und spiegelglatte Wasseroberflächen am Strand reichen. Dachte ich mir so. Als ich den Filter dann in den Händen hielt und mit dem Auge einen ersten Durchblicktest mache, war das schon ziemlich dunkel. Sollte für die Beobachtung einer Sonnenfinsternis reichen.

Aber unsere Tagessonne ist doch recht hell, wie ich schnell feststellen musste. Tagsüber reicht der ND 64 gerademal aus, um zwar weitgehend mit Offenblende fotografieren zu können, in bestimmten Situationen ein klasse Feature, aber nicht geeignet für längere Belichtungszeiten. Also länger im Sinne von laaaaang. 

Wie am Beispiel der ein- und ausfahrenden Costa in Warnemünde zu sehen, genügt es ja oft auf Belichtungszeiten unterhalb einer 10tel Sekunde mit geschlossener Blende zu kommen. Die könnte man mittags ohne Filter sonst nicht erreichen. Diese Zeiten reichen dann meist die Fotos noch aus der Hand zu schießen, Stabilisator sei dank. Auch fokussieren und Blendenautomatik funktionieren hier ohne Probleme, zumindest bei meiner OM-D, da durch die Liveview immer versucht wird, ein Bild im EVF zu erzeugen. Selten müssen die Sensoren pumpen, um ein Ziel zu finden.

Aber ich will ja noch spiegelglattes Wasser, da reichen keine Sekunden. Blende 22, ISO Low und ND 64 ergeben an einem sonnigen Tag maximal 1 bis 2 Sekunden Belichtungszeit, wenn überhaupt. Also ausweichen auf die Tagesrandlage. Gegen 21 Uhr geht die Sonne unter und damit reduziert sich auch das verfügbare Licht. So konnte ich bei den Aufnahmen des Leuchtturms und des Sonnenuntergangs mit 20 bis 50 Sekunden doch längere Zeit belichten. Um Wasser zum Spiegel werden zu lassen sind 30 Sekunden die untere Grenze. Meine OM-D kann das alles immer noch über die Automatik regeln. Sie fokussiert, misst die Belichtung und dann drück ich nur noch auf den Knopf. 

Am Besten benutzt man dazu den Selbstauslöser, damit der Auslösedruck am Anfang nicht sofort das Bild verwackelt. Zwei Sekunden Verzögerung reichen völlig aus. Das man für diese Belichtungszeiten ein Stativ braucht, muss ich sicher nicht explizit erwähnen. Ich habe dazu einen kleines, aber stabiles Gorillapod, das reicht völlig aus. Was benötigt man noch? Ganz klar, Batterien. Durch die lange Belichtungszeit, die noch verdoppelt wird durch die anschließende „Dunkelbelichtung“, bei der die Hotpixel herausgerechnet werden, kommt der Energiehaushalt schnell ins Straucheln. Nach 10 Fotos im mehrminütigen Bereich blinkt bereits das rote Batterieicon im Sucher. Zeit für die Nächste.

In gut drei Wochen darf ich bei einer Hochzeit fotografieren. Location: Beach, Wetter: Hoffentlich gut. Da ich mir dazu extra das 25 mm, 1.8 m.Zuiko (50mm KB) geholt habe und natürlich gerne mit möglichst offener Blende fotografieren möchte, benötige ich einen weiteren ND 64, da natürlich alle Objektive unterschiedliche Filtergewinde haben. Wäre ja sonst auch zu einfach. Da ich auch irgendwann, mitten am Tag mal einen leeren Alexanderplatz fotografieren möchte, also ohne Menschen, obwohl da immer jede Menge vorhanden sind, werde ich mir auch noch einen ND 1000 holen. Mit dem sollte ich auch die Ostsee am Mittag zum Spiegel werden lassen. Wenn nicht, kann man mehrere Filter kombinieren. Solange bis DUNKEL ist. Wird schon. Bilder gibt es dann sicher hier zu sehen.

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