Valle dei Templi

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Buon giorno aus Sizilien. Inzwischen sind wir ein ganzes Stück im Uhrzeigersinn vorangekommen und stehen unterhalb der Stadt Agrigento in Laufweite der berühmten Tempelanlagen, die wir uns heute angeschaut haben. Damit ist auch offiziell die „Suche nach der Vergangenheit“ abgeschlossen. Wir haben nämlich keinen Pierro mehr gefunden und das Haus, von dem wir denken, dass es das Richtige war, ist inzwischen eine ausgebaute Residenz und der junge Mann, den wir trotzdem mal nach Pierro gefragt haben, hatte keine Ahnung und radebrechte was von „new opening“. Im Gegensatz zu vor 28 Jahren ist inzwischen fast die gesamte Küstenlinie zwischen Marza und Pozalla bebaut und die Strände zum Teil kaum noch als solche wahrnehmbar. Es war wohl ein wenig blauäugig anzunehmen, dass „wir“ uns zwar inzwischen ein paar mal neu erfunden haben, aber in Sizilien die Zeit stehengeblieben ist und ein Ferienwohnungsvermieter 28 Jahre darauf wartet, dass wir wieder mal vorbeischauen. Aber schön wäre es schon gewesen 🙂

Zuvor waren wir noch am südlichsten Punkt Siziliens am Capo delle Correnti. Dort haben wir ausgiebigst am Strand eine mittägliche Siesta gehalten, bevor wir weiter die Südküste entlang bis nach Punta Secca gefahren sind. Dort landeten wir auf einem Campingplatz mitten in einer Agricultur mit Gewächshäusern um uns herum. Direkt unten am Meer hat man hier die Möglichkeit das Wohnmobil aufzustellen und anschließend den Ausblick zu genießen. Beim Check-In hatte ich so meine Probleme, da mich das Empfangsmädel die ganze Zeit in italienisch zutextete und auch keine Anstalten machte, wenigstens mal ins Englische zu wechseln. Als sie mir wieder irgendwas erklären wollte, zog ich die Notbremse mit „non parlare italiano“, worauf sie irgendjemand rief, der dem blöden Tedesci was erzählen könnte. Und wie der konnte. In perfektem Deutsch mit schwäbischem Einschlag, hieß er mich willkommen und wie schön doch Sizilien und im speziellen der Platz wäre, fragte mich, ob wir am Meer stehen wollen und fuhr dann mit dem Rad voran, bis zu unserem Ziel. Etwas später brachte er noch ein Tüte mit frischem Gemüse vorbei. Gastfreundschaft par excellence. Die Frage nach seinen hervorragenden Deutschkenntnissen beantwortete er verschmitzt lächelnd mit „41 Jahren Stuttgart“. Manchmal kann alles so einfach sein.

Inzwischen sind wir im „Tal der Tempel“ bei Agrigento angekommen. Die Sonne knallt nach wie vor von einem blauen Himmel, aber der Wind bleibt weiterhin frisch. Abends sitzen wir schon mal im Fleece vor dem Wohnmobil. Unsere Hautfarbe nähert sich langsam dem dunklen Teint der Ketten- und Sonnenbrillenverkäufer an, die vor dem Eingang zu den Tempeln herumlungern und versuchen ihre Ware an die Frau zu bringen. So recht will aber niemand den billigen Tand haben, nicht mal Japaner und Amerikaner. Wir bewegen uns in der Vormittagssonne langsam über den Grat unterhalb von Agrigento, auf dem die Tempel wie auf einer Perlenschnur aufgereiht sind, und genießen den Blick in die Vergangenheit der griechischen Kultur. Trotz der zweieinhalbtausend Jahre auf dem Buckel immer noch sehr imposante Bauwerke, allerdings erbaut auf dem Rücken von Unmengen von Sklaven, unter unmenschlichen Bedingungen.

Wir genießen weiter den Sommer auf Sizilien und haben die ganze Tour daher umdisponiert. Wir wollten ja morgen zurück nach Neapel und die Adriaküste entlang, aber da ist das Wetter eher durchwachsen. Daher bleiben wir nun länger hier auf Sizilien und fahren erst am Montag mit der Fähre von Palermo, aber dann gleich durch bis nach Genua. 21 Stunden Minikreuzfahrt ersparen viel Zeit und Kilometer auf italienischen Autobahnen.

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