Steinbeisser

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Irgendwie klebt er ja gefühlt an mir wie eine Klette. Den ersten Kontakt hatte ich direkt als ich nach Berlin gezogen bin und meinen Job in der Kommunikationsabteilung der Deutschen Bahn begann. Hartmut Mehdorn war zu der Zeit schon zwei Jahre Bahnchef, ich hatte ihm da bereits 29 Jahre voraus. Bei einer Bahn, die sich immer noch im Umbruch von einer Behörde zu einem Unternehmen befand. Vor ihm hatten das schon ein paar Ex-Politiker versucht, aber erst mit Mehdorn nahm das Ganze richtig Fahrt auf. Da wir in der Kommunikation ja dicht dran waren, hatte ich auch das eine oder andere Mal direkten Kontakt. Ist schon ein kerniger Typ, umgänglich, sehr direkt, aber auch verbindlich.

Nach dem verkorksten Versuch mit der Bahn an die Börse zu gehen, und den daraus resultierenden Verwerfungen im Konzern, inklusive der „Datenaffäre“, musste er seinen Chefsessel räumen. Nicht nur ich dachte, okay, das wars jetzt, die Rente im französischen Weinberg kann beginnen. Aber so Macher wie Mehdorn können wohl nicht einfach aufhören. Nach einer kurzen Verschnaufpause tauchte er als Chef von Air Berlin auf, machte endlich das was er eigentlich schon immer gerne machen wollte. Nicht Bahnchef sein, sondern Chef einer Airline, die zu diesem Zeitpunkt ein Sanierungsfall war. Also „same procedure as every time“.

Vor kurzem dann auch dort das überraschende Ende. Jetzt aber, endlich Rotwein mit Frau in Frankreich, oder? Mit knapp über 70 muss doch auch mal gut sein. Ich warte schon sehnsüchtig auf den Tag, wo die Arbeit endet und das wird nicht mit siebzig sein. Eine kurze Weile war es dann auch ruhig. Parallel war BER auf der Suche nach einem neuen Chef. Jede Menge Namen machten die Runde, der Eine tauchte allerdings höchstens als Joke auf. Konnte man sich ja nicht im Ernst vorstellen. Aber nun ist genau das passiert.

Vorgestern zauberte der BER Aufsichtsrat einen neuen Chef aus dem Hut, um die Karre aus dem Dreck zu ziehen. Und dreimal dürft ihr raten, wer es geworden ist. Naja, ihr wisst es ja schon, stand ja in jeder Zeitung und in Twitter wurden alle Witze gemacht, die einem dazu einfallen konnten. Ist ja auch schön schräg. Aber eins muss man ihm lassen, er ist unzweifelhaft ein Stehaufmännchen, bzw. ein echter Stehaufmann. Der passende Spruch dazu ist mir auch grad eingefallen: „Wenn du denkst es geht nicht mehr, kommt irgendwo der Mehdorn her“. Passt irgendwie. Jetzt hat er drei Jahre Zeit einen Flughafen zu eröffnen und anschließend wartet vielleicht Stuttgart 21. Irgendwo klemmts doch schließlich immer. Und notfalls kann er ja mit 80 noch Papst werden, wozu er allerdings noch katholisch werden müsste. Aber hey… gibt Schlimmeres, oder 😉

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