Up, Up and away

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern meines Blogs einen guten Rutsch ins Neue Jahr und ein ebenso erfolgreiches 2018. Wir lesen uns alle hoffentlich gut und erholt wieder. Bis dahin …

Grenzerfahrung VI

Vom Kottbusser Tor kommend, wird die Kottbusser Straße am Landwehrkanal zum Kottbusser Damm. Dort an der Kottbusser Brücke macht die Grenze einen Knick und ich fahre mit meinem Fahrrad nun den Kottbusser Damm entlang. Der bildet von diesem Punkt – bis zum Hermannplatz – die Grenze zwischen Kreuzberg auf der westlichen Seite und Neukölln auf der Östlichen. Der Name Kottbusser Damm, der sich trotz der abweichenden Schreibweise von der Stadt Cottbus ableitet, wurde erstmals 1874 erwähnt. Beiden Straßenseiten gemein ist die starke türkische Prägung. Das manifestiert sich in entsprechenden Läden und dem flanierenden Publikum.

Futbol bahisleri – Foto: h|b

Lange Mäntel, Kopftücher oder Tschador sind hier feste Bestandteile des Stadtbildes. Der Kottbusser Damm ist ansonsten eine stark frequentierte sechsspurige Straße mit einem begrünten Mittelstreifen und je zwei Fahrstreifen. Unter der Straße verläuft die Linie U8 der Berliner U-Bahn, mit dem U-Bahnhof Schönleinstraße.

Gelinlik – Foto: h|b

Etwa ein Drittel der Bewohner dieser Straße sind Menschen mit Migrationshintergrund. Der Legende nach wurde die in Deutschland übliche Variante des Döner Kebab im Fladenbrot Anfang der 1970er Jahre in einer türkischen Gaststätte am Kottbusser Damm erstmals verkauft. Seitdem gehört er zum festen kulinarischen Angebot von Berlin.

Neue Zeit

Der erste der beiden, um 12. 17 in München gestarteten, ICE 3 erreicht um kurz vor 16 Uhr den Bahnhof Berlin Südkreuz. Also nach genau 3.38 Minuten Fahrzeit. Fast einmal durch Deutschland, oder wie auf einem Schild bei der Abfahrt in München etwas despektierlich stand, „Sauschnell zu den Saupreißen“.

Der ICE 3 bei der Einfahrt in den Bahnhof Südkreuz – Foto: h|b

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Grenzerfahrung V

Mit dem Paul-Lincke-Ufer auf der Kreuzberger Seite und dem Maybachufer auf der Neuköllner Seite erreichen wir zwei hochwertige Wohngegenden beiderseits des Landwehrkanals. Hier möchten viele wohnen, nicht alle können es sich leisten und die hier noch wohnen werden wohl sowieso nicht freiwillig wegziehen. Ruhige Straßen, spazierengehen oder joggen entlang des Kanals, der türkische Markt am Maybachufer, idyllisches Wohnen für alle die es schön „kiezig“ haben möchten.

Cinderella – Foto: h|b

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Grenzerfahrung IV

Die Süd-Ostseite des Görlitzer Parks in Berlin-Kreuzberg stellt nur einen kleinen Teil der Grenze zu Treptow dar. Der größte Teil des – in den späteren 80er Jahren angelegten – Parks zieht sich über rund einen Kilometer Richtung Nordwesten bis zur Skalitzer Straße. Der Park ist immer wieder in den Schlagzeilen, da ein schwunghafter Drogenhandel, überwiegend durch Schwarzafrikaner, die Aufenthaltsqualität beeinträchtigt. Bei meiner Fahrt durch den Park prägen sie an diesem kalten Dezembertag klar das Bild der „Parkbesucher“.

Reste des Pamukkale Brunnen im Görlitzer Park
Reste des Pamukkale Brunnen im Görlitzer Park – Foto: h|b

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Allesfresser

Seit kurzem haben wir im Büro vor dem Fenster eine Art Futterhäuschen aufgehängt und warten eigentlich auf kleine Meisen, Spatzen, oder was auch immer so an Kleingeflügel am Nordbahnhof so herumfleucht. Aber wie das in Berlin so ist, erscheinen auch gleich die großen Nebelkrähen. Fressen sie sonst ja so weg, was der Wohlstandsbürger auf Berlins Straßen so fallen lässt, Pizza, Döner, Nudelpfanne süßsauer, geben sie sich wohl auch mal mit schmackhaften Körnern zufrieden, wenn das Angebot gut erreichbar ist. Die Meisen kommen auch, aber hier muss ich nochmal ran, die Bilder sind alle unscharf geworden. Da hat wohl der manuelle Fokus doch nicht gesessen. Ach ja, das Fenster sollte ich vorher wohl auch mal putzen.

Krähe am Futterhäuschen
Naschvogel – Foto: h|b

Alle Bilder mit der Olympus E-M5 II und dem Lumix 35-105 2.8

Grenzerfahrung III

2 Kilometer nach dem Start der Tour, erreichen wir das nordöstliche Ende von Kreuzberg. Dort wo sich heute das Partyvolk nach einer durchzechten Nacht im Freischwimmer oder im Club der Visionäre im Flutgraben zum Frühstück trifft, war 28 Jahre für die Kreuzberger das Ende der Welt. Dahinter beginnt der Bezirk Treptow, wo man noch heute in einem kleinen Park den alten Wachturm der DDR Grenzanlage sehen kann. Jetzt wird er für Veranstaltungen genutzt. Es handelt sich um einen von drei noch erhaltenen Wachtürmen der Berliner Mauer im Stadtgebiet

Wasserspiegelung
Wasserspiegelung – Foto: h|b

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Spiegelbildlich

Die Herbstfarben sind ja zu schön, um einfach keine Fotos davon zu machen. Die Frage ist immer nur, wie fängt man das Gefühl am Besten ein. Die Herbstsonne scheint durch goldene Blätter, und im See liegen die heruntergefallenen Blätter und ergänzen das Spiegelbild der herbstlichen Bäume im Berliner Tiergarten. Da ich diesmal nur mit dem iPhone unterwegs war, musste der komplette Workflow eben in dem kleinen Wunderwerk stattfinden. Die Kamera des iPhone 8 löst ja inzwischen mit 12 MP auf, genug Informationen für ein Bild. Dazu ein wenig Snapseed, ein wenig Camera+ und fertig ist das herbstlich, abstrakte „Gemälde“. Da das schmale Format des Headers, die Stimmung nicht ganz widerspiegelt, hier nochmal die eigentliche quadratische Aufnahme, plus ein paar weitere Impressionen. Weiterlesen „Spiegelbildlich“

Ein Du im Jetzt

Seit 35 Jahren fotografiert Dietmar Bührer „Menschen in Galerien“ und „Bilder einer Ausstellung“ ist der Titel seiner Werkschau zum siebzigjährigen Geburtstag in der Fotogalerie Friedrichshain am Helsingforser Platz. „Seit nunmehr 35 Jahren hält Fotograf Dietmar Bührer die Wechselwirkungen zwischen Kunstwerken und Ausstellungsbesuchern in magischen Bildern fest und erschafft damit eine neue künstlerische Dimension“ schreibt die Galerie in ihrer Einladung zur Vernissage, die gestern Abend stattfand.

Ich habe das dann mal auf die Spitze getrieben und Menschen fotografiert, die Bilder betrachten, auf denen Menschen zu sehen sind, die Bilder betrachten. Ein schönes Thema wie ich finde.

Die Schriftstellerin Alexandra Lüthen hielt die Laudatio und die Überschrift des Artikels „Ein Du im Jetzt“ stammt aus ihrem Text. Sie bezieht sich damit auf den flüchtigen Moment, in dem Besucher von Museen oder Galerien das Kunstwerk betrachten. Durch das Festhalten genau dieses Augenblicks durch den Fotografen, wird daraus etwas Beständiges.

Dietmar Bührer ist seit 1987 Ehrenmitglied im Deutschen Verband für Fotografie (DVF) und wurde für seine besonderen Verdienste im beruflichen, persönlichen und fotografischen Umgang mit Inhaftierten vor und hinter den Mauern der JVA Tegel 2011 mit dem Bundesverdienstkreuz.

Fotogalerie Friedrichshain, Helsingforser Platz 1, 10243 Berlin. Die Ausstellung ist bis zum 21. Dezember 2017 zu sehen.

Alle Fotos h|b: Olympus OM-D E-M5 II / 17 mm

Aleppo – Dresden – Berlin

In Dresden standen sie direkt vor der Frauenkirche und zogen sich damit den Protest der „besorgten Bürger“ und den Pegida-Anhängern zu. In Berlin stehen sie nun an einem ähnlich geschichtlichem Platz, dem Brandenburger Tor: Drei – von deutschen Nahverkehrsbetrieben ausrangierte – Linienbusse, hochkant aufgestellt vom Künstlers Manaf Halbounis im Rahmen des 3. Berliner Herbstsalons des Maxim Gorki Theater. Das Werk bezieht sich auf ein Bild aus Aleppo in Syrien, auf dem eine errichtete Straßensperre aus hochkant aufgestellten Bussen, Zivilisten vor den Scharfschützen schützen soll. Auch wortwörtlich ein schöner Widerspruch.

Die Berliner und Touristen sind da etwas entspannter als die Dresdener, bisher gibt es weder Tumulte noch Gegendemonstrationen, höchstens ein wenig Berliner Gemaule über „ditte, wat man so unter Kunst vastehn tut“ und das übliche Facebookbashing. Laut Künstler steht der Ort am Brandenburger Tor auch für Barrikadenkämpfe zur Zeit der Märzrevolution 1848. Die drei Busse somit als Beispiele modernen Barrikadenbaus. Der Künstler bringt die Gegenwärtigkeit von Krieg und Zerstörung mit seinem #monument zurück. Die Kunstaktion ist noch bis zum 26. November zu besichtigen

Monument
Die 3 Schrottbusse – Foto: h|b